merken

Kommt eine neue Sporthalle?

Über die alte Halle im Großröhrsdorfer Schulzentrum wird noch diskutiert. Die Stadt will sie eigentlich nicht mehr.

© René Plaul

Von Reiner Hanke

Anzeige
Durchblättern und viel sparen

Frisch, lebendig und lesefreundlich. Stöbern Sie hier online in den aktuellen Magazinen und Partnerangeboten.

Großröhrsdorf. Die Worte in der Neujahrsrede ließen aufhorchen. Dass es mit Sportstätten und Hallenzeiten in der Rödertalstadt ziemlich eng aussieht, ist bekannt. Doch die Sätze von Bürgermeisterin Kerstin Ternes zum Empfang in der Vorwoche klangen schon wie ein Hilferuf. Noch dazu, da der Landrat mit ganz vorn in der Festhalle als Zuhörer saß. Schon seit Ende 2014 wird in der Stadt über ein Sportstättenkonzept für das obere Rödertal diskutiert. Doch das stagniert. Jetzt sagte Kerstin Ternes, die Stadt wolle daran weiterarbeiten. Zuvor müsse aber eine Lösung für die angespannte Sporthallensituation gefunden werden. Um die wird seit Jahren gerungen – ohne Ergebnis. Knackpunkt ist die Zukunft der alten Sporthalle im Schulzentrum. Aber auch im neuen Jahr ist die Stadt in der Sache keinen Schritt weiter. Nach einer Hallenbegehung im vorigen Sommer seien die Gespräche mit dem Kreis ins Stocken geraten. Eigentlich sollte im vorigen Herbst eine Entscheidung fallen.

Nach den Worten von Kerstin Ternes werden jetzt erneut Gespräche aufgenommen. Wenn es einen sicheren Fahrplan zur Zukunft der alten Sporthalle gebe, könne die Stadt das Sportkonzept vorantreiben. Das ist nötig. Denn: „Alle stadteigenen Turnhallen sind bis zur Grenze des Möglichen durch Schulsport und Vereinssport ausgelastet“, so Kerstin Ternes. Nicht anders sehe es wohl in der Drei-Feld-Sporthalle des Landkreises aus, schätzt die Bürgermeisterin ein und gibt zu bedenken: „Meine persönliche Meinung ist, dass eine Sanierung der alten Sporthalle in Anbetracht von geschätzten mindestens 750 000 Euro nicht wirtschaftlich ist.“ Das ist eine klare Absage: „Wir sehen die Notwendigkeit einer modernen städtischen Sporthalle, einer Zweifeldhalle für die Stadt“, legt die Bürgermeisterin nach. Die Zahl der Vereinssportler, aber auch die Absicherung des Schulsports an allen vier Schulen mache aus ihrer Sicht bei weiter steigenden Schülerzahlen einen Neubau unumgänglich. Mittelfristig, sagt die Bürgermeisterin vorsichtig. Das kann freilich auch erst in einigen Jahren sein. Wohl wissend, dass zuvor eine ganze Reihe von Fragen zu klären seien, vor allem die Finanzierung. Der Landkreis reagiert eher reserviert: „Frau Ternes hat sich auf dem Neujahrsempfang dazu aus Sicht der Stadt geäußert“, so Sprecherin Sabine Rötschke. Seitens des Kreises stehe nach wie vor das Angebot im Raum, die alte Sporthalle an die Stadt abzugeben. Außerdem sei aus Sicht des Kreises die neu gebaute Drei-Feld-Halle ausreichend zur Sicherung des Schulsportes. Gerade auch Schüler und Eltern sehen das durchaus anders. Die habe sich noch nicht entspannt. Es fehle eine weitere Halle, um Gymnasium und Oberschule gerecht zu werden, heißt es. Und es sei mitunter schwierig, lehrplangerecht zu unterrichten.

Freie Wähler favorisieren die alte Halle

Der Kreis kündigt seinerseits an: „In einem zeitnah stattfindenden Gespräch wollen wir uns mit der Stadt zum weiteren Vorgehen beraten.“ Das Beraten zieht sich nun allerdings auch schon lange hin. Ob der Kreis auch einen Neubau unterstützen würde, auf die Frage steht die Antwort aus. Landrat Michael Harig nahm immerhin die Meinung der Stadt aus dem Empfang mit nach Bautzen. Während sich zum Beispiel auch Stadträte aus dem FDP und CDU-Lager für einen Neubau aussprechen, favorisieren die Freien Wähler den Spatz in der Hand, also die alte Halle, um schnell mehr Hallenzeiten zu schaffen und nach Kassenlage schrittweise zu sanieren. Schließlich wolle die Stadt Leute anziehen, die Schulen platzten aus den Nähten. Darauf müsse schnell reagiert werden.

Kerstin Ternes und auch andere Stadträte weisen aber auf den desolaten Zustand der Halle hin. Vor ein paar Jahren hätten sie diese vielleicht noch genommen, aber jetzt?! Selbst die Vereine würden das Risiko scheuen, diese Halle noch zu nutzen, sagt Kerstin Ternes. Der bauliche Zustand sei schlecht, aber gerade die Anforderungen der Unfallkasse an die Sicherheit extrem hoch. Sanitär- und Umkleideräume seien nicht verwendbar, das Dach kaputt. Es bleibe auch mit Investitionen eine alte Halle, die am Ende wieder zu klein ist. Kerstin Ternes: „Eine komplexe Materie, das ist jetzt alles gut abzuwägen.“