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Kommt endlich das Bushäuschen?

Großerkmannsdorfs Dauerstreit kurz vor der Lösung. Und die ist eigentlich simpel.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Großerkmannsdorf. Am Ende klingt es ganz einfach: Der Zaun wird geöffnet, die dahinterliegende kleine, gut 50 Zentimeter breite Betonkappe in Richtung Goldbach darf bebaut werden und „schon“ hat Großerkmannsdorf das Buswartehäuschen an der Alten Hauptstraße in Höhe der Kita, um das der Radeberger Ortsteil schon seit über fünf Jahren kämpft. Bisher allerdings vergeblich und eher wie der bekannte Don Quichotte gegen die vermeintlichen Drachen, die sich allerdings als Windmühlenflügel herausstellten. Und auch im Fall von Großerkmannsdorf gab es ja quasi mit jeder Umdrehung der Flügel ein neues Gegenargument, warum die Sache mit dem Bushäuschen nicht funktionieren könne …

Zuletzt schien sich die Debatte dabei vor allem um das Thema Fördermittel zu drehen. Die gibt es für Radeberg nur, wenn das gläserne Wartehäuschen dem Standard entspricht. Aber das ist an dieser Stelle der Alten Hauptstraße eben schwierig. Zumindest dann, wenn tatsächlich nur der Fußweg bebaut werden darf. Das Standard-Häuschen würde zwar auf den schmalen Fußweg passen; aber dann hätten Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen keinen Platz mehr. Auch der Regionalverkehr Dresden (RVD) meldete Probleme an, weil seine Busse dann regelmäßig mit den Spiegeln ans Dach des Wartehäuschens rammen würden. Also müsste entweder ein nicht dem Standard entsprechendes Häuschen her – was aber wohl auch das Problem mit den Busspiegeln nicht lösen würde. Oder es würde eben ein Stück des gleich hinterm Fußwegzaun beginnenden Uferbereichs des Goldbachs mitbebaut werden. Aber damit hatte eben die Untere Wasserbehörde – sprich der Landkreis – ein Problem. Ein Hochwasserproblem. Das Bushaus würde im Hochwasserfall dem Goldbach im Wege sein; eine gefährliche Staumauer.

Ewig hingehalten

Die Diskussion drehte sich also immer wieder im Kreis: Der Ortschaftsrat in Großerkmannsdorf mahnte, das Problem zu lösen – und dann gab’s die sattsam bekannten Gegenargumente … Ein Kreislauf, der nun schon Jahre seine trägen Runden dreht. „Wir werden jetzt schon ewig hingehalten, immer wieder heißt es, dass es keine Fördermittel gibt“, war Roland Schmidt kurz vor Weihnachten im Stadtrat dann der Kragen geplatzt. Der Großerkmannsdorfer Bauunternehmer sitzt ja bekanntlich für die Freien Wähler sowohl im Ortschaftsrat als auch im Radeberger Stadtrat. Und hat in den vergangenen Jahren immer und immer wieder auf das leidige Thema hingewiesen. In der erwähnten Dezembersitzung reichte es ihm nun: Die Großerkmannsdorfer Kinder hätten keine Lobby in Radeberg, wetterte Roland Schmidt – was Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) hörbar missfiel. Es gebe ja schließlich sogar einen Kinder- und Jugendstadtrat, hielt der OB entgegen. Im Falle des auch nach fünf Jahren noch immer nicht realisierten Bushäuschens half dieser Fakt aber bisher nur wenig. Wobei die Stadt ja wie beschrieben nur einer von zahlreichen Mitspielern ist, wenn der sprichwörtliche Ball nun endlich mal im Tor untergebracht werden soll.

„Jeden Morgen stehen hier um die 30 Leute, vor allem Schulkinder – und die stehen hier im Regen, im Schnee, im Wind“, beschreibt Roland Schmidt. Dass es auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Bushäuschen gibt, helfe da wenig. „Wir können doch nicht morgens, wenn es oft noch dunkel und trübe ist, 30 Kinder von einer auf die andere Straßenseite schicken, wenn der Bus kommt“, wundert sich Roland Schmidt über entsprechende Vorschläge. Aber Mittwochabend, in der jüngsten Stadtratssitzung, konnte er nun zufrieden mitteilen, dass sich eine Lösung abzeichnet. „Es gab am Wochenende einen Vororttermin mit Bauamt, Wasserbehörde, Kita und Ortschaftsrat – und es wurde ein Ausweg gefunden“, sagt er.

Sogar Standard-Häuschen passt

Die Lösung ist dabei der eingangs erwähnte Bau des Häuschens auf der Betonkappe hinter dem Fußwegzaun. „Da müssen jetzt noch einige statische Gutachten her, aber klar ist, dass hier auch ein Standard-Häuschen passen würde“, freut sich Roland Schmidt – mit Blick auf das leidige Fördermittelthema. Das war für ihn sowieso nie ein wirkliches Thema gewesen. „Radeberg dürfte ja wohl das nötige Geld haben, um ein Bushäuschen auch notfalls ohne Förderung zu bauen“, ist er überzeugt.

Läuft alles nach Plan, „könnte das Haus im Sommer stehen“, sagt Roland Schmidt. Und atmet auf. Nach fünf Jahren zäher Debatte dürfte der Tag der Einweihung dann jedenfalls einen Sonderplatz in der Großerkmannsdorf-Chronik bekommen …