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Kommt jetzt die Schädlingsplage?

Ein nicht vorhandener Winter, ein frühes Einsetzen der Vegetationsperiode: Für Pflanzenschädlinge herrscht in Sachsen derzeit fast ideales Klima.

© dpa

Von Jörg Aberger

Dresden. Mit gespannter Erwartung schauen die sächsischen Waldbesitzer und Landwirte auf die Wetterentwicklung der kommenden Tage und Wochen. „Wenn es warm und trocken bleibt, dann freuen sich die Insekten und die Bäume haben Stress“, sagte Daniel Thomann vom Staatsbetrieb Sachsenforst in einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa. Denn dann herrsche ideales Wetter für den gefürchteten Borkenkäfer, der Fichten befällt. Ab 17 Grad Celsius fange der Buchdrucker - eine Borkenkäfer-Art - an zu schwärmen und könne dann zahlreiche Bäume befallen. Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband sagte, dass in diesem Jahr der Rapsglanzkäfer deutlich früher aufgetreten sei.

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Wie Jahnel erläuterte, wird sich die Bedrohung durch Schädlinge und Pflanzenkrankheiten verschärfen, wenn es trocken bleibt und wärmer wird. „Dann könnten sich die Schädlinge stärker ausbreiten“, sagte der Experte. Wie sich das auf die Erträge der Landwirte auswirken würde, könne derzeit jedoch noch nicht prognostiziert werden. Er verwies zudem darauf, dass sich die Situation in Sachsen uneinheitlich darstelle: Während im Flachland der Raps schon blühe, sei die Vegetation im Gebirge noch nicht so weit fortgeschritten.

In einigen Regionen träten derzeit bereits Probleme mit Wühlmäusen auf. „Es fehlte der Frost, der den Bestand normalerweise etwas dezimiert, und auch die Niederschläge, die in die Bauten der Tiere eindringen und ihnen den Garaus machen“, erklärte Jahnel. Sollten sich die Mäusepopulationen stark vermehren, könne dies ernsthafte Auswirkungen auf die Erträge der Landwirte haben. Ein solches Phänomen sei vor zwei Jahren in Thüringen aufgetreten.

Sachsenforst-Sprecher Thomann sagte, dass gesunde Fichten die Borkenkäfer normalerweise abwehren könnten, indem sie die Tiere, die sich in die Rinde bohren, mit Harz verdrängten. „Wenn es jedoch Massenvermehrungsphasen gibt, während es sehr trocken ist, dann können auch gesunde Bäume angreifbar werden“, sagte er. Und eine solche Massenvermehrung lasse sich momentan nicht ausschließen, weil durch den milden Winter auch solche Käferlarven überlebt hätten, die dicht unter der Rinde säßen. Wobei „mild“ eigentlich kaum ins Gewicht falle: „Der Winter wird in diesem Zusammenhang tendenziell überschätzt. Borkenkäfer können auch Temperaturen von bis zu minus 40 Grad überleben.“

Thomann erklärte, dass eine großflächige Bekämpfung der Borkenkäfer nicht möglich sei. Wenn ein Baumbestand befallen sei, könnten nur Abholzung und Abtransport der Bäume helfen. „Nur ganz lokal ist es eventuell möglich, mit frisch gefälltem Holz so etwas wie Fallen zu stellen, auf die sich die Käfer stürzen und die schnell entfernt werden können.“

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) stellt für die Landwirtschaft eine Reihe von Angeboten zur Verfügung, unter anderem auch zur Vorhersage der möglichen witterungsbedingten Ausbreitung von Schädlingen. „Dabei greifen wir unter anderem auf rund 1150 meist ehrenamtlich tätige Mitarbeiter zurück, die bundesweit Informationen zum jeweiligen Entwicklungsstand von landwirtschaftlichen Kulturpflanzen, aber auch Bäumen übermitteln“, erläuterte DWD-Agrarmeteorologe Harald Maier.

Aus diesen Angaben und den jeweiligen Wettervorhersagen würden dann Modelle erstellt, die - abhängig von den verschiedenen Pflanzenarten - Auskunft über mögliche Gefährdungen geben. Die Informationen können nach Maiers Worten in der Regel über die Bauernverbände an die Landwirte weitergegeben werden. Wie der Agrarmeteorologe erläuterte, sind die Angaben zum Entwicklungsstand der Pflanzen auch deshalb wichtig, weil den Landwirten dann zielgerichtete Informationen etwa zur Düngung oder zum Pflanzenschutz gegeben werden können. „Das ermöglicht dann ein umweltgerechtes und gezieltes Vorgehen.“ (dpa)