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Kommt Zeit, kommt Rad

Es gibt viele Ideen für neue Strecken rund um Freital bis Dipps. Obwohl die Planungen aufwendig sind, können Radfahrer hoffen.

© Karl-Ludwig Oberthür

Von Annett Heyse

Freital/Dippoldiswalde. Diese Zahlen sind eindeutig: In deutschen Haushalten gibt es laut Zweiradindustrieverband rund 73 Millionen Fahrräder, davon etwa drei Millionen E-Bikes. Die Deutschen radeln im Jahr zusammengenommen 24,8 Milliarden Kilometer. Der Umsatz mit Fahrrädern und Zubehör lag im Jahr 2016 bei 5,2 Milliarden Euro. Und 5,2 Millionen Deutsche unternehmen jährlich eine mehrtägige Radreise. Was hat das nun alles mit der Region zwischen Freital und Dippoldiswalde zu tun? Man muss antworten: Noch nicht viel.

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Mit dem Radfahren tun sich alle Beteiligten schwer – Kommunen, Landkreis, Grundstückseigentümer, Naturschützer, Tourismusverbände. So dauerte es knapp 20 Jahre von der Idee eines Radwegs zwischen Freital und Tharandt bis zu dessen Fertigstellung im vergangenen Jahr. Im Müglitztal wird seit Jahren über einen Radweg diskutiert, ebenso im Lockwitzgrund – in beiden Fällen bisher erfolglos. Immerhin gibt es einige ausgewiesene Radrundtouren und Radfernwege. Der Freistaat Sachsen stellt in diesem Jahr zwölf Millionen Euro für den Radwegbau zur Verfügung. Aber welche Visionen, Planungen und konkreten Vorhaben gibt es zwischen Freital und Zinnwald derzeit?

Pläne für Radwege

1) Für Touristen: Über die Butterstraße von Somsdorf nach Höckendorf

Die alte Handelsroute ist derzeit ein rumpeliger Feldweg und allenfalls für Mountainbiker zu empfehlen. Das soll sich ändern. In der sächsischen Radverkehrskonzeption ist die drei Kilometer lange Butterstraße von Somsdorf nach Höckendorf Teil einer Route mit dem Arbeitstitel II-19. Diese soll Richtung Dippoldiswalde und Altenberg führen. Die Stadt Freital will in diesem Jahr ihren Anteil an der Butterstraße asphaltieren und hat dafür 310000 Euro eingeplant. Rabenau möchte sich anschließen und stellt 54000 Euro zur Verfügung. Den größten Anteil an der Butterstraße – rund zwei Kilometer – hat Klingenberg. Bürgermeister Torsten Schreckenbach muss allerdings die leeren Hände heben. Etwa 350000 Euro müsste seine Gemeinde aufbringen. „Wir befürworten den Radweg, müssen einen Ausbau aber erst mal in unsere Haushaltsplanung für die nächsten Jahre einordnen“, sagt Schreckenbach. Wann der Lückenschluss nach Höckendorf erfolge, könne er derzeit nicht sagen.

2) Für Pendler: Von Dresden nach Kreischa durchs Lockwitztal

Kürzlich wurde bekannt, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr ein Ingenieurbüro beauftragt hat, einen Radweg durchs Lockwitztal zu planen. Das Projekt entlang der sechs Kilometer langen Staatsstraße hat sogar höchste Priorität, seit den 90er-Jahren wird darüber diskutiert. Die Verbindung zwischen Kreischa und der Landeshauptstadt wird nicht nur von Ausflüglern, sondern auch von etlichen Pendlern genutzt. Fest steht, dass die Planungen nicht einfach werden. Der Radweg führt durch verschiedene Schutzgebiete. Außerdem ist ein sogenanntes Planfeststellungsverfahren nötig, um die Zustimmung der betroffenen Grundstückeigentümer zu bekommen. Zunächst sollen Vermessungsarbeiten stattfinden. Aus der Kreischaer Gemeindeverwaltung heißt es, der Radweg solle bis 2025 fertig sein.

3) Für Ausflügler: Entlang der Staatsstraße von Tharandt nach Grumbach

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr plant, zwischen Tharandt und Grumbach einen Radweg anzulegen. Er soll parallel zur Staatsstraße gebaut und 2,4 Kilometer lang werden. Am Grumbacher Ortseingang soll zudem ein 300 Meter langer Geh- und Radweg entstehen. Damit würde sich für Freitaler und Tharandter ein sicherer Anschluss an die Radtour „Rund um Wilsdruff“, die „Meißner 8“ und den Elberadweg ergeben. Allerdings stecken die Pläne noch im Anfangsstadium, dem sogenannten Vorentwurf. Mit diesem sind die Planer jedoch fast fertig. Er soll im Mai dieses Jahres vorgelegt und zur Diskussion unter anderem den Kommunen, Naturschützern, der Polizei, dem Landratsamt und weiteren Behörden freigegeben werden. „Geplant ist, den Vorentwurf in diesem Jahr zur Genehmigung zu bringen, um anschließend 2019 in die nächsten Planungsschritte zu gehen“, sagt Isabel Siebert, Sprecherin des Landesamts. Sollte ein Planfeststellungsverfahren notwendig werden, könnte dies Mitte 2019 starten. Wann der Bau beginnt, ist derzeit noch völlig offen.

4) Für Kraxler: Eine 266 Kilometer lange Panoramatour durchs Erzgebirge

Altenberg hat mehrere Radweg-Projekte im Blick. So soll die Verbindung nach Schellerhau fertiggestellt und die weiterführende Verbindung nach Bärenfels geplant werden. Zudem will Altenberg den Fuß- und Radweg in Richtung Zinnwald verlängern. Bis zur Gemeinschaftsgrenzzollanlage gibt es diesen schon, nun ist vorgesehen, den Weg bis in den Ort Zinnwald hinein zu verlängern. Ein Projekt für echte Kraxler ist die „8000er-Blockline“. Die Radrundtour durchs Erzgebirge soll 266 Kilometer lang werden und alle höheren Gipfel und Ortschaften des Erzgebirges miteinander verbinden. Start- und Zielpunkt wird Blockhausen bei Dorfchemnitz sein, von wo aus es unter anderem über Frauenstein, Altenberg und Seiffen geht. „Derzeit sind wir gemeinsam mit dem Tourismusverband Erzgebirge und acht weiteren Städten im Gespräch, um den Radweg auszuweisen“, sagt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler). Zudem wolle man in dem Zusammenhang weitere Angebote für Mountainbiker in den Orten schaffen.

5) Für Städter: Angebotsstreifen und Lückenschluss in Freital

Die Stadt Freital will die Lücke im Weißeritztalradweg im Stadtteil Potschappel schließen. Dafür sind 240000 Euro veranschlagt, die laut Haushaltsplan noch in diesem Jahr zur Verfügung gestellt werden sollen. Es geht um den Bau einer Brücke über die Wiederitz am Goldenen Löwen und die Weiterführung der Radpiste bis zur Deubener Straße. Zudem soll auf der Poisentalstraße ein sogenannter Angebotsstreifen markiert werden. Im neu gebauten Abschnitt nahe dem Ortsausgang gibt es die gestrichelte Linie schon. Die Stadtverwaltung plant, die Markierung beiderseits bis an die Dresdner Straße heranzuführen. Nur dort, wo die Poisentalstraße zu schmal ist, wird der Radweg auf den Fußweg verlegt. Einen Termin für die Markierungsarbeiten hat die Stadt noch nicht genannt.

6) Für Rundfahrer: Auf dem Rad um die Talsperre Malter

Ein schönes, aber auch ambitioniertes Projekt könnte an der Talsperre Malter entstehen. Dort soll ein Rundweg für Radfahrer angelegt werden. Allerdings sind die Straßen derart eng, dass angebaut werden muss. So hatte der Landkreis 2013 zunächst eine Machbarkeitsstudie für den Anbau eines Radweges entlang der Kreisstraße zwischen Paulsdorf und Dippoldiswalde erarbeiten lassen. Probleme gibt es vor allem mit den Brücken – sie müssten für einen Radweg umgebaut werden. Die Planungen dafür sollen frühestens 2020 beginnen, heißt es aus dem Landratsamt. Die Baukosten für den Radweg werden derzeit auf 2,2 Millionen Euro geschätzt.

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