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Kommunen spielen Tetris

Kommunen greifen bei Platzmangel zum Container. Ist das der Abschied von starren Gebäuden?

© Anne Hübschmann

Von Birgit Ulbricht

Landkreis. Da haben die Fahrer auf der B 101 glatt ihre eigenen Kollegen getroffen. Während die einen, aus Schraden kommend, riesigen Rohre zum Gasleitungslager bei Großdobritz heranfahren, sind die anderen auf die B 98 in Richtung Thiendorf abgebogen. Ihr Ziel: Sacka. Jürgen Hampel, Chef der gleichnamigen Spedition, hat dieser Tag gut zu tun. Erst kürzlich lieferten die Schradener 140  Container für eine dreigeschossige Schule in Pirna. Die Transporte nach Sacka sind da fast schon ein Mini-Auftrag: zwei Gruppenräume, ein Hausaufgaben-Zimmer, Sanitär- und Personalräume. Alles verbunden durch Flur-Module. Ein Gruppenraum wiegt 2,5 bis drei Tonnen, Der ist ruckzuck mit dem 16 Meter weit reichenden Ausleger aufgestellt.

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Am Montag kommt der letzte Schwung. Dass die Arbeiter überhaupt noch einmal nach Sacka fahren müssen, liegt nur daran, dass die Sanitärcontainer werksfrisch aus der Produktion kommen. Am Mittwoch oder Donnerstag soll bereits alles bezugsfertig sein. Egal ob Kindergärten, Horte oder Schulen, die Kommunen sind mehr denn je auf mobile Anbauten angewiesen. Weil sie ihre Einrichtung sanieren oder mehr Kinder da sind.

Modulbau als Schule der Zukunft?

Ob es da von Schulbehörden und Ministerien in der Vergangenheit klug war, die Bedarfsplanung so konsequent auf Bevölkerungsschwund zu planen, kann man heute fragen. Man stelle sich nur vor, das Ministerium hätte sich vor Jahren mit seinen Schulschließungsplänen für Schönfeld vor Gericht durchgesetzt. Heute ist die Schule bis auf den letzten Stuhl besetzt.

Sind Modulbauten, die sich schnell umnutzen lassen, vielleicht überhaupt eine Lösung für den ländlichen Raum? Auch der Lampertswalder Bürgermeister Wolfgang Hoffmann hat da seine Erfahrungen. In seinen ersten Amtsjahren musste er Kindergärtnerinnen entlassen. Heute wird jeder mögliche Raum im Ort für die Kinderbetreuung ausgebaut.

Die Kommunen kostet das Auf und Ab viel Geld. Erst, wenn Fördergelder wegfallen, weil die Kinderzahlen sinken und trotzdem saniert werden muss. Dann, wenn plötzlich erweitert werden muss und die Förderung noch nicht greift. Allein für den kleinen Sackaer Anbau, mit dann insgesamt 80 Plätzen, zahlt Thiendorf als Monatsmiete 3400 Euro. Das Aufstellen der Module kostet die Gemeinde 40 000 Euro. „Wir haben nicht die preiswerteste Variante genommen“, sagte Thiendorfs Bürgermeister unlängst, schließlich solle es den Hortkindern doch an nichts fehlen. Um im Sommer die Hitze abzuhalten, verfügen die Raummodule über Außenjalousien und zusätzliche Rouleaus im Inneren. Das Mobiliar bringt Hampel aber diesmal nicht mit. Die Gemeinde hat teils Möbel aus dem Hausaufgabenzimmer der Grundschule Ponickau, teils selbst passende Möbelstücke zugekauft. Die Nutzungszeit für den Sackaer Containerhort ist zunächst auf zwei Jahre veranschlagt. Mit Option auf Verlängerung. Doch daran will Bürgermeister Dirk Mocker vorerst noch nicht denken.

Er ist schon froh, dass die Container pünktlich vor Schulbeginn geliefert werden. Sonst hätten dem Gemeindechef nicht nur die Eltern der Hortkinder die Meinung gesagt. Denn der Umzug soll vor allem auch Krippenplätze im Haus „Apfelbäumchen“ freimachen. Einige Kindergarten-Kinder ziehen in die früheren Horträume, Krippenkinder nutzen dann die Gruppenzimmer der Größeren mit. Es gibt Gemeinderäte, die meinen, man hätte die Kinderzahlen von vornherein genauer planen können.

Zum Beispiel, bevor vor zwei Jahren die Kita in Sacka saniert wurde. Bei den letzten Sitzungen der Gemeinderäte kam mehrfach zu Sprache, dass Thiendorf wieder agieren, statt reagieren müsse. Die Gemeinde arbeitet derzeit an einer Prognose für die Bevölkerungsentwicklung, die weitere Aufschlüsse bringen soll. Allerdings könne man die Zahl der Zu- und Wegzüge nicht wirklich planen, beharrt Dirk Mocker. In ein paar Jahren könnte die Geburten- und Zuzugsstatistik schon anders aussehen. Deshalb verzichtete die Gemeinde auf einen massiven Neubau. Außerdem muss sich die Gemeinde im Sinne des Agierens sowieso Gedanken um ihre Kitas und Schule in der neuen, größeren Gemeinde Thiendorf machen. Gemeinderäte wie Christoph Schempp oder Ronald Bewilogua könnten sich eine moderne Modulbauweise, die wahlweise Schule oder Kita sein könne, durchaus vorstellen.