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Kommwohnen setzt voll auf Familien

Das Görlitzer Unternehmen baut jetzt an mehreren Stellen große Wohnungen. Grund sind Erfahrungen aus der Vergangenheit.

© nikolaischmidt.de

Von Ingo Kramer

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Görlitz. Der Durchbruch im Balkon hinter Arne Myckert ist noch grau und unverputzt. „Das wird sich ändern, sobald es die Temperaturen zulassen“, sagt der Chef des städtischen Großvermieters Kommwohnen, während sein Blick ins Grüne schweift. Von den Balkonen der Lausitzer Straße 32 bis 38 schaut er direkt auf den Friedhof.

Kommwohnen will im ehemaligen Studentenwohnheim Am Hirschwinkel große Wohnungen für Familien bauen.
Kommwohnen will im ehemaligen Studentenwohnheim Am Hirschwinkel große Wohnungen für Familien bauen. © nikolaischmidt.de
Axel Kretschmer vom Hausmeisterservice Böhmer reißt dort die Wände heraus. Die Entkernung hat kürzlich begonnen.
Axel Kretschmer vom Hausmeisterservice Böhmer reißt dort die Wände heraus. Die Entkernung hat kürzlich begonnen. © nikolaischmidt.de
Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert steht auf einem (noch unfertigen) zehn Meter langen und zwei Meter breiten Balkon. Der ist so lang, weil zwei Wohnungen zusammengelegt worden sind.
Kommwohnen-Geschäftsführer Arne Myckert steht auf einem (noch unfertigen) zehn Meter langen und zwei Meter breiten Balkon. Der ist so lang, weil zwei Wohnungen zusammengelegt worden sind. © nikolaischmidt.de
Das neue Königshufen: Die entstandenen Fünfraum-Wohnungen messen 125 Quadratmeter – plus Balkon.
Das neue Königshufen: Die entstandenen Fünfraum-Wohnungen messen 125 Quadratmeter – plus Balkon. © nikolaischmidt.de

Künftig können das auch Familien tun, denn Kommwohnen hat in der Häuserzeile dreimal zwei Wohnungen zusammengelegt. Entstanden sind drei Einheiten von jeweils 125 Quadratmetern Wohnfläche – plus jeweils 20 Quadratmeter Balkon, der sowohl vom Wohnzimmer als auch von der Küche erreichbar ist. Nach den alten Grundrissen wären das zwei Balkone für separate Wohnungen gewesen, nun gibt es drinnen wie draußen Durchbrüche. Zudem haben die Wohnungen zwei Bäder, jeweils eins mit Wanne und Dusche. Die zwei Wohnungstüren sind geblieben. In der Mitte gibt es einen breiten Durchbruch. Dort hat Kommwohnen eine Schiebetür zwischen Küche und Wohnzimmer eingebaut.

„Eigentlich“, sagt Myckert, „bauen wir derzeit nur noch für Familien und Senioren.“ Das seien die beiden Gruppen, bei denen der Kommwohnen-Chef tatsächlich Bedarf sieht. Bei den Familien habe er in den vergangenen Jahren einige positive Erfahrungen gemacht: „In der Häuserzeile mit den Laubengängen an der Jonas-Cohn-Straße waren die großen Wohnungen zuerst weg“, sagt er. Später seien am Hirschwinkel in der Nikolaivorstadt ein paar Maisonette-Wohnungen entstanden und recht schnell vermietet worden. Auch in die Albrecht-Thaer-Straße zwischen Biesnitz und Weinhübel sind viele Familien gezogen.

Insgesamt dominieren bei Kommwohnen bisher die Zwei- und Dreiraum-Wohnungen. Das soll sich ändern. Myckert will ein vielfältigeres Angebot. „In Königshufen aber hatten wir bisher gar keine ganz großen Wohnungen im Bestand“, sagt er. Das hat sich nun in der Lausitzer Straße 32 bis 38 geändert. Kommwohnen hatte dort vor wenigen Jahren die oberen Etagen abgerissen. Voriges Jahr begann die Sanierung des restlichen Gebäudekörpers. Insgesamt investiert das Unternehmen seit vorigem Jahr etwa 950 000 Euro in diese Häuser: In den Umbau einzelner Wohnungen, die Außensanierung, die neuen XXL-Balkone und die für Frühling geplante Umgestaltung der Außenanlagen, wo es künftig mehr Stellplätze, aber keinen Durchgangsverkehr mehr geben soll. Myckert hat noch keine Mieter für die gerade fertiggestellten großen Wohnungen: „Wir starten jetzt erst die Vermarktung.“ Bis auf die Restarbeiten an den Balkonen und am Außengelände sei aber alles abgeschlossen, die Wohnungen bezugsfertig. Um die sechs Euro Kaltmiete pro Quadratmeter sollen sie kosten.

Ähnlich werden auch die Preise für die nächsten Familienwohnungen aussehen, bei denen Kommwohnen nun loslegt. „Wir haben gerade mit der Entkernung des früheren Stundentenwohnheims am Hirschwinkel begonnen“, sagt Myckert. Die Baugenehmigung liegt dort inzwischen vor, die Ausschreibungen laufen, sodass die Sanierung im Frühling beginnen kann. Rund 700 000 Euro wird sie kosten – und falls alles nach Plan laufen sollte, bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Der Vorteil hier: Es sind nur wenige Grundrissänderungen nötig. Das Treppenhaus liegt in der Mitte, rechts und links gab es bisher auf jeder Etage jeweils eine Studenten-WG, künftig eine Familienwohnung mit rund 140 Quadratmetern. Die Anzahl der Räume schwankt zwischen fünf und sechs. Vom ersten Stock bis zum Dachgeschoss sind es insgesamt acht Wohnungen. Kritisch ist nur das hochwassergefährdete Parterre. Auf der einen Seite sind Räume für Fahrräder, Kinderwagen und Mülltonnen geplant, auf der anderen wahrscheinlich eine Ferienwohnung. „Dafür sehen wir in dieser Lage Bedarf“, sagt Myckert. Doch auch bei den anderen Etagen ist er optimistisch. Die Lage direkt an der Neiße sei für Familien ideal: „Wir haben schon jetzt zwei Vormerkungen.“

Und es soll nicht das letzte Bauprojekt dieser Art sein. Das nächste folgt in der Südstadt, genauer gesagt: Im Frauenburgkarree. Dort hat Kommwohnen bisher komplett auf Senioren gesetzt, oft mehrere Häuser über gemeinsame Aufzüge erschlossen. Noch unsaniert und seit Jahren leer stehend ist das Gebäude Frauenburgstraße 5. „Dort haben wir das Problem, dass uns die Nachbarhäuser nicht gehören“, sagt der Kommwohnen-Chef. Ein Aufzug nur für ein einzelnes Haus aber wäre vergleichsweise teuer – und aufgrund der Grundrisse auch schwierig. Deshalb soll das Senioren-Quartier an dieser Stelle mit einem Familien-Haus ergänzt werden.

Die Planung steht noch ganz am Anfang, der Bauantrag wird gerade erst vorbereitet, Abstimmungen mit dem Denkmalschutz sind noch nötig. Das Ziel aber steht. „Wir wollen die bisherigen zwei Wohnungen pro Etage zu einer großen Vierraum-Wohnung zusammenlegen“, sagt Myckert. Er spricht von sehr zeitgemäßen Grundrissen mit großen Wohnzimmern. Die Entkernung könnte vielleicht Ende des Sommers starten. Insgesamt aber rechnet Myckert hier mit deutlich weniger Umbauaufwand als bei den anderen Häusern im Quartier: „Vielleicht kann die Baustelle sogar über den nächsten Winter laufen.“ Was sie kosten wird, steht noch nicht fest. Die Mietpreise werden ähnlich ausfallen wie bei den anderen beiden Projekten.

Noch ein Stück weiter in der Zukunft liegt die Baustelle Arthur-Ullrich-Straße 10 bis 16 in Rauschwalde. Doch auch hier denkt Kommwohnen an Familien: „Im Erdgeschoss planen wir wieder größere Grundrisse mit Mietergärten.“ Senioren würden ohnehin nicht so gern im Parterre wohnen: „Aber für junge Familien ist ein eigener, eingezäunter Garten toll.“