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Komplett zugemüllt

Der Nutzer hat keine Genehmigung für einen Schrottplatz. Trotzdem sieht das Gelände gegenüber von Schloss Wackerbarth so aus.

© Norbert Millauer

Von Nina Schirmer

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Radebeul. Erst vor wenigen Monaten wurde die neue Straßenbahnhaltestelle vorm Weingut Schloss Wackerbarth mit großem Tamtam eingeweiht. Ein Vorzeige-Stopp. Alles ganz ordentlich und schick. Doch was sich nur wenige Meter dahinter verbirgt, ist alles andere als ansehnlich. Hinter den Schienen liegt ein komplett zugemülltes Grundstück. Bergeweise türmt sich dort der Schrott: mehrere Autowracks, Dutzende Fahrräder, Gartenliegen, Blechtonnen, Kühlschränke, Computer, Elektroherde, Reifen, Puppenwagen, Lautsprecher, Videorekorder, Metallregale, ein Apothekenschild. Und das sind nur ein paar der Dinge, die ganz oben auf dem riesigen Haufen zu erkennen sind.

Zwischen diesem Schrottsammelsurium könnten auch Ölfässer sein.
Zwischen diesem Schrottsammelsurium könnten auch Ölfässer sein. © Norbert Millauer

Eine Radebeulerin beschwert sich über diesen Schandfleck und hat sich ans Ordnungsamt und an die Zeitung gewandt. Ihre Sorge: Aus den ausgedienten Geräten und Fahrezeugen könnten Schadstoffe austreten und ins Erdreich gelangen. „Unabhängig davon entsteht ein unschönes Bild inmitten einer sonst so gepflegten Umgebung“, findet sie.

Das Gelände ist sicher eingezäunt, kann nicht betreten werden. Die SZ trifft vor Ort niemanden an. Am Ende des Weges hat die Orthopädie- und Rehatechnikfirma Rolliteam ihren Sitz. Wem das vermüllte Grundstück in der Nachbarschaft gehört, wisse er nicht, sagt ein Mitarbeiter. Man sehe dort ganz selten jemanden. „Manchmal kommt einer und wirft noch weitere Sachen über den Zaun“, sagt der Mann. Seit einem Jahr tue sich aber kaum noch etwas.

Radebeuls Ordnungsbürgermeister Winfried Lehmann (CDU) kann mehr zu dem Areal sagen. Mit dem Grundstücksbesitzer sei die Stadt schon lange Zeit in Kontakt, damit sich dort etwas ändert, so Lehmann. Der Besitzer ist allerdings nicht derjenige, er dort all den Schrott und Müll lagert. Dafür ist der bisherige Pächter des Areals verantwortlich. „Der Eigentümer hat ihm jetzt aber gekündigt“, sagt der Ordnungsbürgermeister. Der Pächter soll das Grundstück nun beräumen. Lehmann hofft, dass er das auch wirklich tut und dass sich die Säuberung nicht ewig hinzieht. „Das würden wir als Stadt sehr begrüßen.“

Auch beim Umweltamt des Landkreises ist das Gelände aktenkundig, teilt dessen Leiter Peter Jönsson mit. Offenbar hätte der Pächter das Grundstück wohl gerne zur Gewerbefläche gemacht. „Der Nutzer der Fläche will dort wohl seit circa 2014 einen Schrottplatz betreiben, eine Genehmigung hat er dafür aber nicht“, sagt Jönsson. Und fügt hinzu, dass die Zulassung auch nicht erteilt wird. Verkaufen konnte der Pächter den gehorteten Schrott dort also nicht. Weiter gesammelt hat er trotzdem und über die Jahre wurde es immer mehr. Und wie nicht selten, fühlten sich auch andere eingeladen, dort ihren Unrat zu entsorgen. „Teilweise wurde die unübersichtliche Fläche wohl auch von Dritten genutzt, um dort illegal Abfälle zu entsorgen“, so der Umweltamtsleiter. Zu dem Areal sei noch zu sagen, dass Schrott nicht unbedingt Abfall ist. „Es muss aber natürlich ausgeschlossen sein, dass irgendwelche Schadstoffe in den unbefestigten Boden gelangen können.“ Dem wolle er jetzt nachgehen.

Wenn es einen Verdacht auf Altlasten gibt, etwa auslaufendes Öl, kann auch die Stadt eingreifen und Auflagen erteilen. Auf dem Areal gegenüber von Schloss Wackerbarth lagerten wohl auch Ölfässer. „Die können zum Problem werden“, so Lehmann. Bei anderen Grundstücken werde die Stadt aktiv, wenn beispielsweise Häuserteile auf die Straße zu stürzen drohen.

Besteht aber keine Gefahr, sind der Stadt die Hände gebunden. Denn grundsätzlich hat jeder das Recht, sein eigenes Gelände so gestalten, wie er möchte. Dem Ordnungsbürgermeister ist beispielsweise auch ein unansehnliches Grundstück neben der Sporthalle an der Festwiese ein Dorn im Auge. „Wir versuchen seit Jahren, dass sich dort etwas ändert“, sagt Lehmann. Doch der Besitzer, der dort Müll hortet, hat daran offenbar kein Interesse. „So lange es nur schlimm aussieht, können wir nichts machen“, sagt Lehmann.