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Kompromiss im Hochhausstreit?

Stadträte wollen die Bedenken der Anwohner an der Florian-Geyer-Straße am Projekt aufnehmen und trotzdem bauen.

So soll das Hochhaus an der Florian-Geyer-Straße aussehen. Es wäre genau so hoch wie die drei bestehenden Gebäude.
So soll das Hochhaus an der Florian-Geyer-Straße aussehen. Es wäre genau so hoch wie die drei bestehenden Gebäude. © Visualisierung: WID

Seit Monaten schwelt der Streit um den geplanten Neubau an der Florian-Geyer-Straße. Zwischen drei Hochhäuser soll sich ein weiteres einreihen. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft WID will bisher 132 neue Wohnungen schaffen. Dafür sind ein 16-Geschosser und ein Sieben-Geschosser geplant. Doch unter den Nachbarn gibt es Widerstand. Sie haben eine Petition gegen die Hochhauspläne eingebracht.

Lange galten die Fronten als verhärtet. Die auf Antrag von Linken, Grünen und SPD gegründete WID soll möglichst viele dringend benötigte Sozialwohnungen schaffen. Dabei sind laut WID-Chef Steffen Jäckel die 132 Wohnungen in der Johannstadt eine feste Größe. Die Anwohner haben „große Sorge“, dass durch den Bau ihre Wohn- und Lebensqualität erheblich beeinträchtigt würde. Weniger Tageslicht, Wärme-Stau zwischen Gebäuden und Lärm, lauten die Bedenken. Außerdem gebe es schon jetzt zu wenige Parkplätze. Auch stehe zu befürchten, dass die Johannstadt noch mehr zum sozialen Brennpunkt werde, wenn 132 Wohnungen mit Bedürftigen belegt werden.

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Vorschlag mit Licht und Schatten

Jetzt haben Grüne und SPD einen Kompromissvorschlag, der am Donnerstag im Stadtrat diskutiert werden soll. „Wir stehen ganz klar zum sozialen Wohnungsbau, auch dort“, betont SPD-Stadtrat Vincent Drews. „Aber wir können die Anliegen der Anwohner aufnehmen – bis auf den Punkt, dass sie kein Hochhaus wollen.“

Die Pläne von Grünen und SPD beinhalten konkret: Auf den Sieben-Geschosser wird komplett verzichtet, das Hochhaus erhält nur 15 Geschosse und wird damit genauso hoch wie die umliegenden Hochhäuser. Außerdem soll geprüft werden, ob das Gebäude in eine Ecke des Grundstücks verschoben werden kann, damit es sich so einreiht, wie die Nachbarhäuser angelegt sind. Dadurch werfen die Gebäude nicht gegenseitig Schatten auf die Balkone und Fenster der anderen – oder zumindest weniger. Durch ein Belegungsmanagement wird geregelt, dass mindestens 70 Prozent der Mieter Arbeitnehmer, Rentner, Studenten und Auszubildende sind. „Dadurch soll verhindert werden, dass ein sozialer Brennpunkt entsteht“, so Grünen-Fraktionschef Thomas Löser. Durch den Wegfall des zweiten Gebäudes werden es auch weniger Wohnungen. Von den maximal 96 Wohnungen, wie in den Nachbarhäusern, sollen mehr als geplant größere Wohnungen werden. Dadurch sollen mehr Familien und weniger Alleinstehende ins Haus ziehen.

Ansprechpartner für Mieter vor Ort

Außerdem soll möglichst eine Tiefgarage unter dem Haus gebaut werden. Diese könnte größer werden als für die Bewohner des Hauses benötigt. „Die übrigen Plätze sollen als Quartiersparkhaus zur Verfügung stehen, um die Parkplatzsituation zu verbessern“, so Löser. Auch ein Gemeinschaftsraum ist geplant, der auch von Nicht-Mietern genutzt werden soll, um eine Art Treffpunkt zu schaffen. Und die WID soll ein Büro vor Ort einrichten, um immer einen Ansprechpartner zu haben.

Zudem soll die Johannstadt mehr Grün im Umfeld bekommen, das aus Mitteln der Stadt bezahlt wird. Bei künftigen Projekten solle die WID außerdem Nachbarn frühzeitig informieren. „Das kann besser laufen“, sagt Drews. Es sei immer schlecht, wenn Betroffene aus der Zeitung erfahren, was um sie herum geplant ist. Für das andere WID-Grundstück in der Nähe, am Käthe-Kollwitz-Ufer, soll von vornherein festgelegt werden, dass eine soziale Durchmischung der Mieter sichergestellt wird. Außerdem sollen dort auch Wohnungen entstehen, die auf dem freien Markt gemietet werden können. Bisher darf die WID nur Wohnungen an Geringverdiener vermieten. Wenn sie sich einen Partner dazuholt, könnte sie auch Wohnungen bauen, die nicht gefördert werden und damit keine Sozialwohnungen sind.

„Wir haben die Punkte alle mit Herrn Jäckel besprochen“, so Löser. „Die WID ist bereit, diese Forderungen zu erfüllen. Bisher hat Jäckel geplant, Mitte bis Ende kommenden Jahres an der Florian-Geyer-Straße mit dem Bau des Hochhauses zu beginnen. Er hatte darauf gedrängt, an dem Standort festzuhalten. Und er benötigt den Beschluss des Stadtrates, um die Planungen weiterzuführen und den Bau umzusetzen. „Es gab Protest, und die Politik musste schauen, wie sie damit umgeht. Das haben wir getan“, erklärt Löser den Weg zum Kompromiss.

Für Sozialwohnungen wird ein Wohnberechtigungsschein benötigt. Das Land hat die Bemessungsgrenze dafür, wer darauf Anspruch hat, um 15 Prozent gesenkt. Dadurch gelten mittlerweile mehr als 100 000 Dresdner als Geringverdiener oder sogar als arm und können eine geförderte Wohnung mit geringer Miete nutzen.

So sehen die Hochhäuser derzeit aus. 
So sehen die Hochhäuser derzeit aus.  © Christian Juppe