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Konfliktpunkt Wald

Der Forst musste im Gebirge Bäume fällen und lässt die Reste liegen. Nun sind Anwohner verärgert.

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© Sachsenforst/K. Funke

Von Mandy Schaks

Osterzgebirge. Gern wird sich der eine oder andere Osterzgebirgler noch an Zeiten erinnern, als es aus dem Radio dröhnte: „Auf die Bäume ihr Affen, der Wald wird gefegt“. Möglicherweise weniger wegen des Gassenhauers von Monika Hauff und Klaus-Dieter Henkler, der in den 70er-Jahren hoch und runter lief. Vielmehr haben sie die Bilder vor Augen, als der Wald wie geleckt aussah. Denn jeder Ast, der herumlag, wurde nach Hause geschleppt. Für irgendwas konnten gelernte DDR-Bürger immer alles gebrauchen. Holz zum Beispiel zum Bauen, aber vor allem zum Feuern.

Umso mehr war Bernd Greif, der Ex-Landrat des Weißeritzkreises und heutige CDU-Stadtrat in Altenberg, erschüttert, als er vor den Toren seines Heimatortes Oberbärenburg Berge von Reisighaufen am Straßenrand liegen sah. „Das kann ja wohl nicht sein“, ärgerte er sich. Schließlich ist Oberbärenburg staatlich anerkannter Erholungsort, die Wintersaison geht los, an der Rennschlitten- und Bobbahn finden wieder hochkarätige Wettbewerbe statt. Und alle Gäste, die kommen, müssen an diesem Rumpelhaufen vorbei. Dass Bäume mal gefällt werden müssen, kann er nachvollziehen. Aber warum der Staatsbetrieb Sachsenforst die Holzrückstände entlang der Kreisstraße am Abzweig Oberbärenburg nicht anschließend weggeräumt hat, versteht er nicht. Deshalb sprach Bernd Greif das Thema im Stadtrat an.

Was ist passiert? Der Forstbezirk Bärenfels hat dort im Sommer aus Gründen der Verkehrssicherung die abgestorbenen Murraykiefern gefällt. Ein Problem, das die Forstleute einholt und sozusagen ein Erbe aus DDR-Zeiten ist. „Diese Baumart wurde vermehrt in den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts angebaut, um die Vegetationsform Wald trotz der erheblichen Schwefeldioxid-Belastung zu erhalten, weiß Kristina Funke vom Forstbezirk. Die Murraykiefer, die fürs Erzgebirge nicht typisch ist, galt als widerstandsfähig und sollte den Wald retten helfen, der durch Abgase und sauren Regen bedroht war. Inzwischen sind diese Bäume mehrere Jahrzehnte alt. „Sie sterben seit einigen Jahren vermehrt ab“, erläutert Kristina Funke, „sie kommen mit den Bedingungen vor Ort nicht zurecht.“ Deshalb mussten Murraykiefern am Abzweig nach Oberbärenburg gefällt werden. Die Bäume wurden anschließend zersägt und zu Haufen zusammengesammelt. Die Reste liegen nun auf etwa 100 Meter entlang der Straße – aus Sicht des Forstes ordentlich. Das Reisig aufzulesen und weiter weg von der Straße abzulagern und quasi fürs Auge unsichtbar zu machen, sei nicht möglich gewesen. Denn der Forstbezirk plant, diese Waldfläche im Frühjahr neu zu bepflanzen.

Wald ist nicht unordentlich

Doch Bernd Greif will sich damit nicht abfinden. Das Zeug könne doch nicht einfach vom Forst liegengelassen werden, sagte er. Er bat die Stadtverwaltung um Hilfe. Aus den Reihen der Stadträte kamen Anregungen, dass das Reisig eventuell auch in einem gemeinsamen Arbeitseinsatz abtransportiert werden könnte. Doch zu einer Lösung ist es bisher nicht gekommen.

Die Stadtverwaltung hat Kontakt mit dem zuständigen Revierförster aufgenommen. Wie Bürgermeister Thomas Kirsten (Freie Wähler) jüngst im Stadtrat informierte, habe der Revierförster selber keine Möglichkeiten. Dieser habe aber nichts dagegen, wenn ehrenamtliche Helfer das Reisig wegräumen. Doch da hob Bernd Greif die Hände. „Das ist viel zu viel“, sagte er. Den Forstleuten selbst ist es sogar ganz lieb, wenn das Reisig liegenbliebe. Daraus macht der Forstbezirk kein Hehl, und das hatte auch Stadtrat Silvio Kästner (Freie Wähler) in der Diskussion schon zu bedenken gegeben. Ein Wald, der wie geleckt aussieht, so der Tenor, ist vielleicht schön anzusehen, tut diesem selbst aber nicht wirklich gut. Warum das so ist, erklärt Forstfachfrau Kristina Funke: „Der Verbleib von Reisig im Wald ist aus forstlicher Sicht wünschenswert. Zahlreiche Kleinlebewesen finden in diesen Haufen Unterschlupf.“ Zudem werden die im Holz gespeicherten Nährstoffe frei und wieder dem Wald zugeführt, wenn sich die Holzreste allmählich zersetzen. „Sachsenforst sieht in der Ablage des Totholzes keine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes. Liegendes Totholz ist zunehmend ein Teil des Waldbildes und sollte von der Bevölkerung nicht mehr als ,unordentlich‘ empfunden werden.“ Eine Beseitigung der Reisighaufen durch aufwendiges Hacken oder Beräumen von Hand sei nicht vorgesehen. Das Reisig werde sich innerhalb der nächsten Jahre zersetzen und somit von selbst „beräumen“.