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Konkurrenz auf hohem Niveau

Rico Benatelli sitzt bei Dynamo fünf Spiele draußen, dann schießt er das Tor gegen Nürnberg – ein Beispiel für andere.

© Lutz Hentschel

Von Sven Geisler

Trainer haben das gern, und Uwe Neuhaus hat zuletzt öfter davon gesprochen. Von schwierigen Entscheidungen, engen Duellen und Härtefällen. Dieser Konkurrenzkampf, betont Dynamos Chefcoach, bringe jeden Einzelnen und folgerichtig auch die Mannschaft voran. „Es ist mir wesentlich lieber, wenn alle gesund sind und wir uns in den Trainingseinheiten pushen können als umgekehrt“, erklärt der 58 Jahre alte Fußball-Lehrer.

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Zuletzt hatte er das, was man die Qual der Wahl nennt, musste fünf Feldspieler aus dem Kader für das Spiel streichen. Das stößt bei manchem auf Unverständnis, einigen stehe das „auf die Stirn geschrieben“, andere seien sogar mutig genug, es ihm ins Gesicht zu sagen. „Ja, das gibt’s. Und es ist erlaubt“, sagt Neuhaus. Es sei auch eine Frage der Begründung, ob es der Spieler nachvollziehen kann oder nicht, obwohl er enttäuscht ist.

Ob es Rico Benatelli verstehen konnte, warum er fünf Spiele draußen sitzen musste, einmal sogar auf der Tribüne, verrät der Mittelfeldspieler nach einem Moment des Zögerns doch nicht. „Das lassen wir mal so stehen.“ Er gibt allerdings zu, überrascht gewesen zu sein, dass er gegen Nürnberg sogar von Anfang an ran durfte. „Das hat mich sehr gefreut, ich war hochmotiviert.“ Der 26-Jährige ist einer der Besten als Balleroberer und Verteiler, erzielt zudem das Tor zum 1:0. „Das tut natürlich gut.“

Benatelli ist also das beste Beispiel dafür, dass der Weg zurück in die Startelf nicht blockiert sein muss. „Das war für mich eine harte Zeit“, gibt er zu, „aber ich habe versucht, im Training Gas zu geben, Extraschichten zu machen und auf die Chance zu warten, dass ich wieder ran darf.“ Neuhaus hatte das in der Pressekonferenz vor dem Heidenheim-Spiel anders dargestellt. Er habe mal gut, mal schlecht trainiert. Wenn er Benatelli mit der öffentlichen Kritik an seiner Einstellung kitzeln wollte, dürfte das gelungen sein.

Der Trainer hatte gleich vier Spieler ausgetauscht, das macht er nicht, um mal den und mal jenen bei Laune zu halten, sondern aus guten Gründen. So erklärt er die Besetzung des zentralen Mittelfeldes: „Mit Benatelli, Hauptmann und Hartmann haben wir garantierte 36 Kilometer Laufleistung.“ Benatelli ist als Fleißbienchen bekannt, spult mit 12,25 Kilometern das größte Pensum ab. „Das war wichtig, weil wir Nürnberg früh angreifen wollten“, sagt Neuhaus.

Die Wochenform entscheidet

Die Spielweise des Gegners und der eigene taktische Plan sind maßgeblich für die Auswahl des Personals. „Wir haben auf vielen Positionen ein Duell auf Augenhöhe, da entscheidet auch die Wochenform.“ Bei Florian Ballas war es ein Infekt, der ihn einige Tage außer Kraft gesetzt hatte. „Die anderen hatten gute Leistungen im Testspiel und in den Trainingseinheiten gezeigt, also war es für mich die logische Folge.“ Jannik Müller rückte von der rechten Abwehrseite auf seine bevorzugte Position in der Innenverteidigung.

Ein Leidtragender war diesmal Erich Berko, der nach 13 Spielen in der Startelf aus dem 18-Mann-Kader flog. Wegen Knieproblemen hatte er den Test in Prag verpasst und konnte erst drei Tage vor dem Spiel wieder ins Training einsteigen. Dafür durfte Haris Duljevic zum ersten Mal seit seinem Platzverweis am 28. Januar in Sandhausen wieder von Anfang an ran. Neuhaus’ Begründung: „Er hat bei der bosnischen Nationalmannschaft Spielpraxis bekommen, bis dahin schon gekratzt. Wahrscheinlich waren vorher einige überrascht, dass er nicht gespielt hat, sondern Berko.“

Für den heißt es nun wieder, sich zu empfehlen. „Wir haben eine ausgeglichene Mannschaft, viele gute Spieler“, sagt Benatelli. „Da kann jeder in der Startelf stehen oder auch mal nicht im Kader sein.“ Dabei nimmt Neuhaus keine Rücksicht auf Namen, wie das Beispiel Duljevic zeigt.

Oder noch krasser, Andreas Lambertz. Der 33-Jährige hat in diesem Jahr noch keine einzige Minute gespielt, obwohl er weder verletzt noch krank war. Der Trainer hat ihn zwar gelobt dafür, wie er mit der Situation umgeht und trotzdem eine Führungsrolle in der Mannschaft wahrnimmt. Doch als Spieler auf dem Platz scheint er Lambertz nicht mehr zu brauchen.

Auch Aias Aosman saß zweimal auf der Tribüne, bevor er gegen Nürnberg eingewechselt wurde. Und Patrick Möschl, der in der Hinrunde noch 18 Einsätze hatte, kommt überhaupt nicht mehr zum Zuge, seit sein österreichischer Landsmann Sascha Horvath auf der rechten Außenbahn den Vorzug erhält. Auch von den Stürmern ist plötzlich mindestens einer zu viel, erst recht mit der Rückkehr zum System mit einer Spitze. Während Pascal Testroet und Lucas Röser von der Bank kamen, blieb Peniel Mlapa nur die Zuschauerrolle.

„Es wird sehr interessant in den nächsten Wochen“, kündigt Neuhaus an. „Der Konkurrenzkampf ist auf einem hohen Niveau.“ Benatelli hat vorgemacht, dass es sich lohnt, den anzunehmen, anstatt sich frustriert hängen zu lassen. „Das Spiel war okay“, sagt er über sein kleines Comeback. Der Kicker, das erklärte Fachmagazin, hat ihn sogar in die „Elf des Tages“ gestellt.