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Konkurrenz für den Wroclaw-Zug

Flixbus steuert die polnische Stadt nun auch von Dresden aus an – ohne Halt in Görlitz. Das könnte sich aber ändern.

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© nikolaischmidt.de

Von Tobias Hoeflich

Es war ein langer Kampf, jedoch mit gutem Ausgang: Nach dem plötzlichen Aus des Dresden-Wroclaw-Express im März 2015 kehrte die Direktverbindung Ende des Jahres auf die Schiene zurück. Seit Dezember rollen täglich wieder drei Züge von Sachsens Landeshauptstadt in die niederschlesische Metropole und umgekehrt. Nun haben Reisende noch eine weitere Option – jedoch auf der Straße: Seit Anfang September verbindet das Fernbusunternehmen Flixbus beide Städte einmal täglich außer Dienstag miteinander.

Laut Flixbus-Sprecherin Marie Gloystein ist das die vierte Verbindung zwischen Deutschland und Polen. „Breslau ist nicht nur ein beliebtes Ziel für Städtereisen, sondern dieses Jahr auch Europäische Kulturhauptstadt. Es ist daher ein attraktiver neuer Halt für uns und unsere Kunden.“ Görlitz profitiert davon jedoch noch nicht: Die Busse fahren ohne Zwischenstopp von Dresden nach Breslau. „Die Aufnahme von Görlitz in die Verbindung ist durchaus denkbar. Ob und wann dies der Fall sein wird, lässt sich aktuell aber noch nicht absehen“, sagt Gloystein.

Bevor das Unternehmen einen neuen Halt hinzufügt, würden die Streckenplaner eine Vielzahl von Faktoren prüfen. Dazu zählen vor allem die potenzielle Nachfrage, aber auch die Folgen auf die Fahrtzeit. Klar ist: Statt wie jetzt 3 Stunden 25 Minuten bräuchten die Busse bei einem Halt in Görlitz deutlich mehr Zeit. Trotzdem weckt Gloystein Erwartungen: „Unsere Planung bezieht Görlitz durchaus mit ein.“ Bedingt durch die Grenzlage seien besonders Strecken Richtung Polen interessant. „Es werden sich sicherlich noch neue attraktive Verbindungen für die Stadt ergeben.“

Doch auf der Strecke Dresden–Breslau ist Flixbus auf der Straße nicht konkurrenzlos. Schon seit über zwölf Jahren rollt fast täglich ein Nachtbus zwischen beiden Städten. Die Linie gehört zum Netzwerk des Anbieters Eurolines, der sich auf internationale Verbindungen spezialisiert hat. Deren Bus fährt aber nicht ohne Halt bis Breslau, sondern stoppt zwischendurch – auch in Zgorzelec. Warum dort und nicht Görlitz? „Das ist im Grunde historisch gewachsen“, erklärt Eurolines-Sprecherin Barbara Mauro. Der Start der Linie fand lange vor der Liberalisierung des deutschen Fernbusmarkts statt. „Zgorzelec wurde deshalb als erste Station hinter der Grenze bedient.“ Darin werde sich vorerst auch nichts ändern. Auch sonstige Linien ab Görlitz sind laut Mauro nicht in Sicht: „Dafür haben wir mit Postbus kooperiert, der ja in Görlitz hält. Die Busse sollen als Zubringer fungieren für unsere internationalen Linien, zum Beispiel ab Berlin.“

Trilex sieht Bus gelassen

Die Europastadt GmbH, die verantwortlich ist fürs Görlitzer Stadtmarketing, würde es begrüßen, wenn Flixbus auf der Strecke nach Breslau noch einen Stopp an der Neiße einrichtet. „Je mehr Möglichkeiten es gibt, nach Görlitz zu kommen oder Ausflüge von Görlitz aus zu unternehmen, umso besser. Direkte Verbindungen sind dabei natürlich wünschenswert“, sagt Marketing-Chefin Eva Wittig.

Bei der jetzigen Anbindung sieht sie noch Luft nach oben – auch wenn seit Ende 2015 neben Breslau auch Jelenia Gora (Hirschberg) und Wegliniec (Kohlfurt) vom Görlitzer Bahnhof zu erreichen sind. „Unkomplizierter grenzüberschreitender Verkehr wird heutzutage erwartet, von Einwohnern und auch Touristen. Die aktuellen Zugverbindungen nach Polen sind gut und können sicher noch ausgebaut werden.“ Neben einer guten Anbindung sei auch wichtig, dass die Tickets unkompliziert zu kaufen sind.

Hier ansetzen will das Unternehmen Trilex, das die Zugstrecke Dresden–Breslau dreimal täglich bedient. „Wir planen die Erweiterung unserer Vertriebsplattform und werden möglichst bald Online-Tickets anbieten“, kündigt Marketing-Chefin Christine Hecht an. Auch wenn Flixbus mit Kampfpreisen von elf Euro von Dresden bis Breslau lockt und sogar schneller unterwegs ist als der Zug, sieht man’s bei Trilex gelassen: „Wir nehmen die Konkurrenz ernst. Wir denken aber, dass wir mit den mehrmaligen Verbindungen täglich zu einem attraktiven Preis auch attraktiv für unsere Kunden bleiben.“

Trilex will gegenüber dem Fernbus zum Beispiel mit flexiblen Tickets ohne Zugbindung und preiswerten Gruppentickets punkten. Ein weiterer Vorteil seien laut Hecht die Zwischenhalte: Der Trilex fokussiere sich auch auf die komplette Oberlausitz und nicht nur auf Dresden und Breslau wie der Fernbus. „Und zusätzlich erreicht man mit dem Zug auch polnische Orte wie Zgorzelec, Boleslawiec und Legnica.“