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Konzept gegen Wasserfluten

Die Stadt wird noch auf Jahre hin viel Geld in der Erde verbuddeln – und das ist gut so.

© Klaus-Dieter Brühl/Archiv

Von Birgit Ulbricht

Großenhain. Oft wird ja gefragt, warum ist für dieses oder jenes denn kein Geld da? Die Bürger tun es zu Hause und selbst von Stadträten ist dieser Satz manchmal in Sitzungen zu hören. Das Thema „Starkniederschläge“ ist ein schönes Beispiel dafür, warum das so ist. Denn ganz ohne wohlklingende Projektnamen wird die Stadt noch auf Jahre hin viel Geld „in den Sand setzen“.

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Geschätzt sind die Kosten: über 2,3 Millionen Euro. Dieses Geld soll nichts weiter bewirken, als Kanäle zu erweitern oder gar neu zu bauen, Wälle und Gräben anzulegen und vieles mehr, was keinem auffällt, der nicht dort wohnt. Einzig mit dem Ziel, dass nicht bei jedem Starkregen das halbe Dorf unter Wasser steht, Schlamm von den Feldern gespült wird. Und davon sind so ziemlich alle Ortsteile in Großenhain betroffen. Aber immer sind die Probleme auch einen Großteil menschengemacht. In Strauch zum Beispiel, wo es bis heute keine funktionierende Entwässerung gibt. Oder in Weßnitz, wo die Verrohrung des Grabens letztlich dazu geführt hat, dass bei plötzlichen Regenmassen mehrmals das gesamte Dorf entlang der Hauptstraße unter Wasser stand. Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen. Klar ist, dass es dabei immer um ein Zusammenspiel mehrerer Dinge geht, das auch nur im Miteinander von Stadt, Entsorgungsverbänden, Landwirten und Anwohnern zu entwirren ist.

Viel Geld für Kanäle und Gräben

Auch wenn es heftigere Regenfälle gibt, auf die die Kommunen vielerorts noch nicht so richtig vorbereitet sind – das viel bemühte Wort „Klimawandel“ allein erklärt diese Situation eben nicht. Wahr ist auch, die Altgemeinde Zabeltitz hat diesbezüglich wenig kontinuierlich gearbeitet in den nun zu Großenhain gehörenden nördlichen Ortsteilen. Es knirscht in der Zusammenarbeit mit dem Nachbar-Abwasserverband Röderaue, und mancher Bürger in Weßnitz sträubte sich bis zuletzt gegen eine Öffnung des alten Grabens. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt Großenhain jetzt ein „Handlungskonzept Starkniederschläge“ erarbeitet. Über mehrere Seiten purzeln da nur so die Investitionssummen: Weßnitz 800 000 Euro Baukosten, Umsetzung 2028; Großenhain, Heimweg, 10 000 Euro, Bau 2020; Wildenhain, Neue Hauptstraße, 350 000 Euro, geplant für 2026; Skäßchen, Alte Hauptstraße, 150 000 Euro, Bau 2023 und 2025; Strauch, Mitteldorfstraße und Am Anger, 100 000 Euro, in 2024 geplant – und das sind nur die Akutfälle. Die Liste reicht bis ins Jahr 2031. Da will die Stadt laut Handlungskonzept einen neuen Kanal an der Strogaer Straße verlegen.

Auch wenn das ein langer Weg wird, die Anlieger können sich nicht zurücklehnen. Sie sind in dem Stadt-Konzept genauso bedacht. Wer gefährdet ist, hat zunächst einmal selbst Sandsäcke zu organisieren. Die Stadt stellt nur noch in Notfällen welche zur Verfügung. Hätten Sie`s gewusst?

Auch sonst ist jeder Gewässeranlieger gut beraten, wenn er mal einen Blick in die „Hochwasserfibel“ der Stadt wirft. Die gibt es nämlich und sie gibt Auskunft darüber, wie wahrscheinlich welche Überflutungshöhen sind und welche Schutzmaßnahmen die Stadt trifft und welche selbst zu leisten sind. Das dürfte auch fern der Elbe durchaus ein Thema für Bauherren in Rödernähe sein. Jüngstes Beispiel: der geplante Wohnstandort am sogenannten Fuchsbau. Hier soll nicht nur das Haupthaus saniert werden, sondern auch elf nette Eigenheime stehen. Der Investor hat dabei wohlwissend darauf verzichtet, bis an die Alte Röder heran zu planen.

Dennoch: Die ausgewiesenen Standorte der Wohnhäuser liegen bis unmittelbar an den Randbereich dieses festgesetzten Überschwemmungsgebietes – für die Bauaufsicht des Landkreises Grund genug, die private Hochwasservorsorge den Bauherren in den Kaufvertrag zu schreiben. Anders als beim Bauen in der Nähe von Gewässern, sind wild durchs Dorf schießende Schlammfluten von Feldern von den Betroffenen nur schwer abzuwehren. Hier sind auch die Pächter der Flächen gefragt, so Stadtbaudirektor Tilo Hönicke im Technischen Ausschuss, die mit einfachsten Maßnahmen wie Hecken und Randstreifen anzulegen schon vieles bewirken können. Darüber hinaus müssen die Kanäle und Abschlagsbauwerke natürlich fit sein. Genauso wie Gewässerläufe und Gräben. „Das wird noch ein langer Weg“ sagte Tilo Hönicke abschließend zu den Stadträten.

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