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Konzert-Marathon gegen Rassismus

Sorbische und deutsche Bands setzen am Sonnabend in Bautzen gemeinsam ein Zeichen.

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© Robert Michalk

Von Miriam Schönbach

Metal, Pop, Blues und Punk – und all das auf sorbisch. Das verspricht das Festival „Wocin woci – Augen auf!“ an diesem Sonnabend im Bautzener Steinhaus. Vier sorbische Bands laden gemeinsam mit deutschen Musikern zum Konzertmarathon gegen Rassismus ein. Die Idee für den Abend entstand vor einigen Monaten in Berlin, wo es eine kleine sorbische Szene gibt. Anlass waren die ersten Nachrichten zu Übergriffen auf sorbische Jugendliche in der Oberlausitz. Auch die regelmäßigen Demonstrationen gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in Bautzen gaben den Anstoß, etwas zu unternehmen, sagt Julian Nyca. „Wir wollen ein positives Zeichen setzen – für weltoffenes Bautzen, gegen Ausländerhass und Hetze gegen Sorben“, sagt der Student, der zum Organisationsteam des Festivals gehört.

Zeichen für friedliches Zusammenleben

Ein Zeichen, das Bautzen und die Region dringend brauchen. Denn das offizielle Bild vom friedlichen Zusammenleben von Sorben und Deutschen stimmt hinten und vorne nicht. Nach Angaben des sächsischen Innenministeriums hat die Zahl der Übergriffe auf Sorben und sorbische Einrichtungen zuletzt deutlich zugenommen. Zugleich steigt die Bereitschaft zur Gewalt. Das Operative Abwehrzentrum des Freistaats ermittelte wegen Körperverletzung, Nötigung und Bedrohung. Mit Erfolg: Ende März wurden sieben Tatverdächtige festgenommen. Nach Angaben der Polizei alles bekannte Gesichter, die zuvor bereits bei rechtsextremen Demonstrationen, bei Pegida und den Angriffen auf das Flüchtlingsheim im „Spreehotel“ auffielen.

Für Julian Nyca ist das aber nur eine Seite von Bautzen: „Es gibt viele Menschen, die anders denken. Mit dem Konzert wollen wir zeigen: Das ist unser Stadt.“ All jene, die genauso denken, sind am Sonnabend zum Gipfeltreffen der sorbischen Rocker eingeladen. Die Musiker wollen den Beweis antreten, dass das Sorbische eine große Vielfalt jenseits der Folklore bietet. „Es sind alle willkommen, auch die, die kein sorbisch verstehen. Musik spricht viele Sprachen“, sagt Julian Nyca.

Sorbische Bands haben einiges zu bieten

Fans werden deshalb auch aus Berlin, Dresden, Leipzig und Chemnitz erwartet. Kein Wunder: Ein Konzert sorbischer Bands in dieser Größenordnung hat es bislang in Bautzen noch nicht gegeben. Dabei hat die Szene einiges zu bieten. „Berlinska dróha“ zum Beispiel sind seit Jahren eine feste Größe auf den Bühnen der Lausitz ebenso wie in Berlin oder Osteuropa. Seit 2007 geht das Duo mit seinen mal zarten, mal derben Folk-Rock-Songs gemeinsame musikalische Wege. Im vergangenen Jahr erschien das dritte Album.

Ihre erste CD legten vor Kurzem „Jankahanka“ vor – mit großem Erfolg. Bei einem Festival für sorbische Nachwuchskünstler liefen sich die fünf Musiker einst über den Weg und beschlossen fortan gemeinsam zu rocken. Die Texte sind größtenteils Adaptionen sorbischer Volkslieder. Ihre Musik komponieren sie selbst. „Wir verpassen den alten Volksweisen neue Melodien“, sagt Bandmitglied Josef Bresan. Auch am Sonnabend im Steinhaus wollen sie so für Gänsehaut beim Publikum sorgen.

Sorbische Band Nummer drei ist Corna kruswa – zu Deutsch: „Schwarze Birne“. Turboblues nennt das Trio seinen Stil. Kennengelernt haben sich die Musiker in der Kulturfabik Hoyerswerda. Seit fünf Jahren stehen sie regelmäßig gemeinsam mit „Berlinska dróha“ auf der Bühne. – Besonders freut sich das Organisationsteam auf die „DeyziDoxs“. Für den Auftritt kehren die Szene-Veteranen quasi aus der Rockerrente zurück. Die Metalband um den Sänger Daniel Betnar gründete sich vor 14 Jahren. „Damals gab es weit und breit fast keine andere junge sorbische Band. Sie haben gezeigt, dass Rock auch auf sorbisch geht und damit viele Türen geöffnet“, sagt Julian Nyca. – Und so wird der Abend im Steinhaus nicht nur ein Zeichen setzen, sondern auch zeigen, wie vielfältig die sorbische Musikszene ist. Und wenn das Ganze ein Erfolg wird, könnte es schon bald eine Wiederholung geben. Ohne hässlichen äußeren Anlass – einfach nur der Musik wegen.