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Kornhaus droht Zwangsversteigerung

Das Meißner Rathaus verliert langsam die Geduld mit den italienischen Besitzern.

© Claudia Hübschmann

Von Peter Anderson

Meißen. Die Stadt Meißen wird Mittel und Wege prüfen beziehungsweise ergreifen, die geeignet sind, ausstehende Gebühren und Beiträge bei den Besitzern des Kornhauses auf dem Burgberg einzutreiben. Hierbei komme auch die Möglichkeit eines Zwangsversteigerungsverfahrens infrage.

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Mit diesen Sätzen hat die Pressestelle des Rathauses am Dienstagmittag der SZ vorliegende Informationen bestätigt, wonach die Stadtspitze die Immobilie aus ihrem mindestens zehn Jahre währenden Dornröschenschlaf holen möchte. Weitere Details zum Stand des Verfahrens – wie etwa der Art der Außenstände – machte die Verwaltung nicht und verwies stattdessen auf das Steuer- und Abgabengeheimnis.

Ohne Reaktion blieb bis Dienstagabend eine Anfrage beim Geschäftsführer der Kornhaus-Besitzgesellschaft Venere, Cesare Geat. Die Meißner SZ-Redaktion hatte sich bei dem in Innsbruck ansässigen Rechtsanwalt erkundigt, was das Unternehmen nun tun werde.

Die von ihm vertretene Venere wurde 2009 von vier italienischen Gesellschaftern gegründet. Drei von ihnen stammten zu diesem Zeitpunkt aus dem Großraum Neapel. Wie genau die Beziehung zu Meißen zustande kam, ist unklar. Ursprünglich war geplant, das Denkmal neben der Albrechtsburg in ein Fünf-Sterne-Hotel umzubauen. Im Zuge der Finanzkrise soll sich dieses Vorhaben jedoch zerschlagen haben.

Seitdem tauchen online immer wieder Verkaufsanzeigen für das Kornhaus mit Phantasiepreisen von bis zu fünf Millionen Euro auf. Kenner des Immobilienmarktes gehen davon aus, dass es sich dabei um Testballons der Italiener handeln dürfte, die sehen wöllten, welcher Gewinn sich mit dem Kornhaus einstreichen lassen könnte. Verkauft worden sein soll das Denkmal durch die Meißner Wohnungsbaugesellschaft Seeg ursprünglich für eine halbe Million Euro. An eine Rückgabeklausel wurde nicht gedacht.

Aktuell sind auf den einschlägigen Portalen im Internet zwar keine Annoncen für das historische Gebäude selbst mehr zu finden. Eine Heidelberger Maklerin wirbt jedoch für den Verkauf des Brückenhauses am Meißner Burgberg. Die gleiche Maklerin hatte dem Verein Zahnrad und Zylinder vergangenes Jahr untersagt, Veranstaltungen im Kornhaus durchzuführen. Das behindere ihre Maklertätigkeit für das Denkmal. So soll sie Insidern zufolge argumentiert haben. Venere-Chef Cesare Geat dementierte im Februar gegenüber der SZ allerdings, dass das Brückenhaus Hohlweg 3 der Gesellschaft gehöre. Auch gebe es keine Verkaufspläne für das Kornhaus.

Ungeachtet dieses Verwirrspiels sind Zwangsversteigerungen komplexe Verfahren mit einem offenen Ausgang. Der formlose Antrag dazu muss von der Stadt beim zuständigen Amtsgericht in Dresden eingereicht werden. Dieses prüft Zulässigkeit und Vollständigkeit. Auch danach hat der Schuldner weiterhin die Möglichkeit, eine Versteigerung abzuwenden, etwa indem er die strittigen Außenstände begleicht.

Selbst wenn es zu einer Versteigerung kommen sollte, verbessern sich damit nur bedingt die Zukunftsaussichten des Filetstücks am Domplatz. Der Freistaat hat bereits mehrfach freundlich abgewunken. Es bestehe kein Bedarf, zum Beispiel die Ausstellungsflächen der Burg zu erweitern. Die Stadt dürfte höchstens als Zwischenerwerber einspringen.

Wenig ermutigende Erfahrungen hat Meißen in der Vergangenheit mit der Zwangsversteigerung des früheren Landkrankenhauses am Robert-Koch-Platz gesammelt. Der derzeitige Eigentümer – eine Bietergemeinschaft aus der Region – hatte die Immobilie bei einer Zwangsversteigerung im Januar 2013 in Dresden für 46 000 Euro erworben. Danach tat sich nicht mehr viel. Mittlerweile sollen die Besitzer Planer angeheuert haben, um ein Zukunftskonzept zu erarbeiten. Details dazu sind bislang nicht bekannt.