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Kostenlos mit dem Bus

Das hat der MDR am Montag getestet und dabei Fahrgäste befragt. Die hatten ihre ganz eigene Meinung zu dieser Idee.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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Landkreis Meißen. Die Linie C am Montagmorgen. Zwischen der Haltestelle Buschbad im Triebischtal und dem Krankenhaus fährt Busfahrer Dirk Liebisch wie immer seine Runden. Doch heute ist etwas anders, denn wer einsteigt und bezahlen will, der wird einfach durchgewunken. Nicht nötig, der MDR hat sich schon gekümmert. Schilder im und am Bus erklären: „Mit uns fahren Sie heute kostenlos“.

Margit Watzke hatte eine klare Meinung zu kostenlosem Nahverkehr.
Margit Watzke hatte eine klare Meinung zu kostenlosem Nahverkehr. © Claudia Hübschmann
Schilder im und am Bus verwiesen auf die besondere Aktion des MDR.
Schilder im und am Bus verwiesen auf die besondere Aktion des MDR. © Claudia Hübschmann

Trotzdem ist so mancher verblüfft, als er im Bus auf gleich sechs Leute mit Kameras und Mikrofonen in MDR-Jacken trifft. Das Team der Sendung „Umschau“ filmt heute einen Beitrag für die Sendung am Dienstagabend. Anlass ist der Brief der Bundesregierung an die EU, in dem es heißt, die Bundesrepublik wolle prüfen, ob die Benutzung des öffentlichen Personennahverkehrs künftig kostenlos sein könnte. In Meißen soll diese Utopie schon heute für kurze Zeit Wirklichkeit werden.

Dreimal fährt das Kamerateam insgesamt die Strecke der Stadtlinie mit und interviewt dabei Fahrgäste. Unter ihnen ist auch Rolf Baum, der Geschäftsführer der Verkehrsgesellschaft Meißen. Weil die VGM so offen und spontan auf die Anfrage des Fernsehsenders reagiert habe, finde der Test in Meißen statt, erklärt Reporterin Nadine Gassner. Der MDR hatte nach einer mittelgroßen Stadt in Mitteldeutschland gesucht. Baum hält die Idee des kostenlosen Nahverkehrs für einen „Schnellschuss“, erzählt er im Interview. „Es muss für die Leute attraktiver gemacht werden, Bus zu fahren.“ Dazu gehöre auch eine andere Finanzierung des Nahverkehrs.

Seniorin Margit Watzke gibt ihm recht, ohne es zu wissen. Sie sitzt einige Reihen weiter hinten im Bus. „Die Aktion ist nicht schlecht“, sagt sie der Sächsischen Zeitung, „aber ich glaube nicht, dass durch kostenlosen Nahverkehr weniger Leute Auto fahren werden“. Sie kenne viele, die zum Beispiel mit dem Auto zum Bahnhof in Meißen führen, um dann in den Zug zu steigen. „Die Bahn kommt ja nur alle 30 Minuten.“ Vom MDR-Experiment profitiert sie auf dem Weg zum Einkaufen im Triebischtal nicht – sie hat eine Monatskarte.

So geht es vielen, die den Bus am Montagmorgen nehmen. Reflexartig zeigen sie beim Einsteigen ihre Dauerkarten. Der Fahrer vermerkt nur, wie viele durch die Aktion gespart haben. Um 10.30 Uhr, auf der Hälfte der Gesamtstrecke, sind es erst elf. Am Ende werden es knapp 30 sein.

Nicht jeder will sich vor der Kamera äußern, aber wer es tut, hat eine klare Meinung. „Dienstleistungen sollen Dienstleistungen bleiben“, sagt eine Frau, die in Buschbad eingestiegen ist. „Sonst fahren vielleicht Leute mit, die das gar nicht bräuchten und dann kommt es zu Verspätungen.“ Auf dem Weg zurück Richtung Krankenhaus steigen besonders viele Fahrgäste zu, die ersten müssen stehen. Auch das ein oder andere bekannte Gesicht ist darunter: Manche nutzen das Angebot offenbar für eine Stadtrundfahrt oder kleinere Besorgungen. Nadine Gassner fragt in den Bus, ob sich jemand zum kostenlosen Nahverkehr äußern möchte. Alle schütteln den Kopf oder schweigen. „Weil es Schwachsinn ist“, sagt eine Frau leise, bevor sie mit ihren beiden Kindern aussteigt.

Kurz nach dem Bahnhof werden die Leute wieder gesprächiger. Mehrere Fahrgäste schneiden das Thema Schülerverkehr an. Dass dieser kostenlos sein sollte, darauf können sich alle einigen. Und zumindest eine Frau sagt, dass sie auf jeden Fall häufiger den Bus nehmen würde, wenn die Fahrt gratis wäre. Ein kleiner Junge steigt nur widerwillig mit seiner Mutter aus, er wäre gerne noch weitergefahren. „Du kannst ja in einer halben Stunde wieder einsteigen“, erklärt sie ihm. „Aber dann kannst du nicht zu McDonald’s.“ Der Junge muss nur kurz überlegen: „Ach ... Nö.“

Der Beitrag ist am 20. Februar um 20:15 Uhr im MDR-Fernsehen und danach in der Mediathek zu sehen.