Teilen: merken

Koweg-Handballer erobern die Sachsen-Tabellenspitze

Vor 600 Zuschauern in der überfüllten Jahnsporthalle bleibt es gegen die Auer Zweitliga-Reserve bis zum Schluss spannend.

Der Jubel in der Jahnsporthalle war nach der Schlussirene riesengroß. © H.-E. Friedrich

Die Handballer des SV Koweg Görlitz sind nach elf Monaten zurück im Olymp der Sachsenliga. In einem emotionalen und temporeichen Spitzenspiel, das diesen Namen mehr als gerecht wurde, besiegten die Neißestädter vor 600 Zuschauern den bisherigen Tabellenführer, das Juniorteam des EHV Aue, mit 30:28 (13:11). Und wer geglaubt hatte, dass das Derby gegen Cunewalde vor zwei Wochen von der Stimmung her nicht zu toppen sei, der musste seine Meinung nach dem zweiten Heimspiel der Blau-Gelben im neuen Jahr gleich wieder revidieren.

„Das heutige Spiel ist wohl mit kaum etwas zuvor zu vergleichen“, sagte Koweg-Trainer Philipp Domko gut eine Stunde nach dem Abpfiff des Duells um die Tabellenführung der Sachsenliga. Er hatte sich für seine Mannschaft den „Hexenkessel von der Neiße“ gewünscht, und er hat ihn bekommen. 600 Zuschauer waren gekommen, um sich von der Qualität der beiden besten Mannschaften der Liga zu überzeugen. Und weil der Fanblock der Gäste mehr als überschaubar war, steht dieses Spiel gleichzeitig für das Potential an Handballinteressierten, welches in Stadt und Umland vorhanden ist. Domko: „Die Zuschauer waren heute alle wegen uns da, und genau das habe ich meiner Mannschaft auch vor dem Spiel gesagt. Sie sollten das aber weniger als Druck sehen, sondern vielmehr als Motivation zu Freude am Spiel.“ Mit dem Anpfiff waren die blau-gelben Fans direkt auf Betriebstemperatur und sorgten für eine Atmosphäre, die vieles bisher Dagewesene in den Schatten stellt. „Man kann gar nicht genug Superlativen finden, um das auszudrücken. Es war einfach der Hammer. Und ich glaube dass jeder, der heute da war, auch wieder den Weg in die Halle finden wird“, so Domko.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Auf zur Faschingsparty im Kinder-Spiel-Land!

Mit dem Maskottchen "Kila" geht es auf eine Reise durch die Zeitepochen

Denn seine Spieler folgten seinem Rat, nicht zu verkrampfen und die Kulisse zu genießen. Es entwickelte sich von Beginn an ein mehr als sehenswertes, temporeiches und emotionales Duell, in dem keines der Teams etwas abschenken wollte. Knapp drei Minuten dauerte es, bis Aue den Torreigen eröffnete. Dann ging es Schlag auf Schlag – aus Görlitzer Sicht manchmal schneller als einem lieb war. Denn Aue versteht es perfekt, innerhalb weniger Sekunden die direkte Antwort auf Gegentore zu geben. Doch das bekamen die Neißestädter zunehmend besser in den Griff. Domko: „Wir wussten aus dem Hinspiel um die Auslöseaktion der schnellen Mitte. Wir haben unser Training auch darauf ausgerichtet und konnten das im Spiel auch recht gut umsetzen.“ Insgesamt bescheinigte der Görlitzer Coach seinem Team eine vorbildliche Umsetzung der taktischen Vorgaben. Taktisch nicht ganz so raffiniert war eine Situation des schnellen Umkehrspiels von Aue in der 9. Minute: Außenspieler Sebastian Galach ging seinen Gegenspieler zu hart an und wurde direkt mit dem Roten Karton bestraft. Damit blieb Domko kaum mehr übrig als mit Patrick Michel und Aurelijus Stankevicius auf der rechten Seite durchzuspielen. Doch daraus schöpften die Görlitzer noch mehr Motivation und holten sich kurz darauf ihre erste Führung (6:5). Bis auf zwei Ausnahmen (6:6 und 9:9) verteidigten sie diese bis zum Schluss. „Schon allein deshalb bin ich fest der Meinung, dass der Sieg absolut verdient ist, auch wenn das die Auer vielleicht etwas anders sehen“, so Domko.

So richtig aufgedreht haben die Görlitzer dann nach dem Seitenwechsel. Vom 15:13 setzten sich die Gastgeber innerhalb von sechs Minuten auf 20:15 ab. Doch die Erzgebirgler, in deren Kader einige Akteure standen, die auch im Zweitligateam aktiv sind, sind in keiner Phase eines solchen Spiels abzuschreiben. So nutzt der Gast Überzahlsituation, um seinen Torhüter durch einen weiteren Feldspieler zu ersetzen. Durch starke Abwehraktionen und erfolgreiche Offensivbemühungen pushte sich das Team um Trainer Michael Hilbig wieder voran und stellte den 21:20-Anschlusstreffer her (42.). Domko: „Wir dürfen nicht vergessen, dass das alles top ausgebildete Spieler sind. Die lassen keineswegs locker, die wollen gewinnen.“ Und so blieben die letzten 20 Minuten der Partie absolut ausgeglichen und spannend – Koweg legte vor, Aue zog nach. In der 58. Minute erhöhte Stankevicius auf 29:26, der Sieg für Koweg war zum Greifen nah. Durch eine Zeitstrafe für Erik Michel, der mit vielen Paraden wieder der starke Rückhalt war, wurde es noch einmal brenzlig. Doch die Schlussphase überstanden die Görlitzer und fügte den Gästen schließlich ihre zweite Saisonniederlage zu.

„Das Spiel war recht intensiv und ich kann mir gut vorstellen, dass morgen einige mit ihrem Körper zu tun haben werden“, so Domko. Für ihn bildet dieses Duell den vorläufigen Höhepunkt der Entwicklung der Mannschaft, gleichzeitig aber warnt er auch: „Wir müssen jetzt auf dem Boden bleiben. Wir haben uns zwar an Aue vorbeigeschoben, aber die Meisterschaft ist damit nicht entschieden. Wir haben noch sieben harte Spiele vor uns und dürfen jetzt nicht anfangen uns groß zu feiern.“ (von Robert Eifler)

Koweg: E. Michel, Rohne – Galach, Höhne (1), Stankevicius (7), Oswald, Türkowsky (2), Kvasnicka, Wittig, Tom Baugstatt (8/6), Vogt, Biele (2), Tim Baugstatt (6), P. Michel (4)