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Krabatrabe bewacht grüne Oase

In rund 350 Stunden machten engagierte Weißiger aus einem verwahrlosten Grundstück ein echtes Schmuckstück.

© Matthias Schumann

Von Manuela Reuß

Der sattgrüne Rasen ist akkurat gestutzt. Ein kleiner Weg schlängelt sich durchs Gelände. Vorbei an Frühlingsblumen, einer frisch gepflanzten Linde und steinernen Zeitzeugen. Wer will, kann die neu geschaffene Oase an der Weißiger Dorfstraße durch einen Hauseingang betreten. Sozusagen durch die Vergangenheit in die Gegenwart gelangen. Denn von dem alten, maroden Gebäude, welches früher hier stand, ist nur noch die Pforte übrig. Der Hauseingang hat dem Abriss getrotzt. „Er stand ganz stabil und hat sich keinen Zentimeter bewegt“, erzählt der Vorsitzende des Heimatvereines Weißig, Siegmar Kubin. Also beschloss der Abriss-Trupp, das Portal einfach stehenzulassen.

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Kein schöner Anblick: Das verwahrloste Grundstück an der Dorfstraße. © Verein

Der kleine Dreiecksplatz ist ein echtes Schmuckstück geworden. Nichts erinnert mehr an das einst verwahrloste Grundstück, dessen Anblick die Dorfbewohner viele Jahre ärgerte. Denn das lange Zeit leer stehende Haus passte nicht so recht zu den schmucken benachbarten Anwesen. „Auch drum herum sah es ziemlich wüst aus“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende.

Einwohner wollen selbst mit anpacken

Nachdem der letzte Besitzer besagten Grundstücks tödlich verunglückt war, gingen Haus und Hof in Eigentum des Freistaates über. Im Dezember 2010 kaufte die Gemeinde Oßling dem Staat das Grundstück ab. Schon damals war geplant, das Haus abzureißen. Der damalige Bürgermeister hatte sich bereits im Vorfeld darum bemüht, den Abriss über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme erledigen zu lassen, berichtet Siegmar Kubin. Doch als die Genehmigung endlich eintrudelte, gab es die Arbeitsbeschaffungsmaßnahme nicht mehr. Und so passierte anderthalb Jahre lang nichts.

Im Juni 2012 setzte schließlich der Ortschaftsrat die Thematik auf die Tagesordnung seiner Sitzung. An diesem Abend blieben die Räte nicht allein. Etliche Weißiger nahmen auf den Gästeplätzen teil, weiß der Vereinsvorsitzende zu berichten. Die Einwohner wollten nicht nur wissen, wie es weitergeht, sie versprachen auch, selbst mit anzupacken. Bereits vier Tage später standen die ersten Helfer parat, um mit dem Entkernen des Hauses zu beginnen. Ortsvorsteher Siegfried Noack besorgte einen Bagger fürs Grobe und auch andere Einwohner stellten Technik zur Verfügung. Jens Busch beispielsweise kletterte trotz einer heimtückischen Krankheit immer wieder auf seinen Traktor. Er und sein Sohn „standen immer Gewehr bei Fuß, wenn irgendwas war“, lobt Siegmar Kubin.

Baum und Bank gewünscht

Insgesamt fünf Monate war eine fleißige 21-köpfige Truppe unermüdlich mit Entkernen, Abreißen und Beräumen beschäftigt und opferte dafür 350 Stunden Freizeit. Die Weißiger füllten fünf Container mit Sperrmüll, sechs Pkw-Anhänger mit Glasbruch und sieben mit Schrott, sie beräumten 200 Kilo Sondermüll wie Öle und Farben, 30 Kilo Papier und 13 Lkw-Ladungen Bauschutt. Die Entsorgung bezahlte die Gemeinde. Als alles verschwunden war, überlegten Ortschaftsrat, Heimatverein und Bürger, wie diese Fläche gestaltet werden soll. „Ein Wunsch war immer Baum und Bank“, so der Vereinsvorsitzende. Und weil Ortsvorsteher Noack auch im ASB-Vorstand sitzt, erfuhren die Weißiger, dass der Wohlfahrtsverein nach einer Austauschfläche für Begrünung sucht. Der Ortschaftsrat bot das Grundstück an und Heimatvereinsmitglied Ingo Schimek brachte die Vorstellungen zu Papier. Auf Grundlage dieser Zeichnung entwarf Landschaftsplanerin Christine Tenne einen Projektplan.

Baum und Bank flossen natürlich ein. Es gibt sogar mehrere Sitzmöglichkeiten. Allerdings keine von der Stange. Sondern historische – sogenannte Ruhsteine. Die stammen aus der Zeit zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert, als Knechte, Mägde, Hausierer oder Boten Lasten noch mit Rückentragen oder auf dem Kopf beförderten. Damit man die Last nach der Rast ohne große Mühe wieder aufnehmen konnte, befand sich neben der steinernen Bank oft ein höherer Stein zum Abstellen des Transportgutes. Solcherart steinerne Zeitzeugen haben es Siegmar Kubin angetan. Er sammelt sie. Der neue Dorfplatz ist eine tolle Fläche, um die Steine zu präsentieren. Und so findet man neben Stein-Bänken auch Grenz- und Kilometersteine, Leitpfosten, Prellsteine und Brückengeländer. „Unser Engländer Anthony Cams hat sie alle fachgerecht gesetzt“, erzählt Siegmar Kubin.

Auf einer Tafel werden die steinernen Zeugen erklärt. Allerdings kann das Schild in drei Tagen wieder studiert werden. „Es bekommt jetzt nämlich noch einen verzinkten Rahmen.“ Ab Freitag nimmt die Tafel dann ihren Platz neben dem Portal ein. Bewacht wird sie von zwei schwarzen Raben. Acht dieser Vögel haben die Weißiger im Gelände verteilt. „Unser schöner neuer Platz liegt schließlich am Krabat-Radweg.“

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