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Krämer und Kolonialwaren

Nähe, Kundenbindung und persönlicher Kontakt: Tante-Emma-Läden werden oft noch mit nostalgischem Charme in Verbindung gebracht.

© Foto: AdobeStock

Der Begriff „Tante-Emma-Laden“ ist vor allem in Deutschland und der Schweiz seit der Nachkriegszeit gebräuchlich. Umgangssprachlich ist damit ein kleines Einzelhandelsgeschäft gemeint, das Lebensmittel und weitere Artikel des täglichen Bedarfs anbietet. Der Laden ist oft so klein, dass dort nur die Ladenbesitzerin persönlich arbeitet, die „Tante Emma“. Regional wird ein solches Geschäft auch als Krämer bezeichnet.

Neben Lebensmitteln sorgen die Tante-Emma-Läden mit Haushaltswaren, Textilien, Kurzwaren und Schreibwaren häufig für die lokale Warenversorgung der Bevölkerung. Früher war auch die Bezeichnung Kolonialwarenladen zu finden: als Kolonialwaren wurden Lebens- und Genussmittel aus Übersee bezeichnet, darunter Zucker, Kaffee, Tee, Tabak, Reis, Kakao und Gewürze. Wichtig bei den kleinen Geschäften ist die persönliche Kundenbindung. Die konnte durch den Kauf auf „Anschreiben“ oder mit Warenproben, Rabattmarken und Hauslieferungen hergestellt werden. Häufig gab es für die Kinder beim Einkauf eine kleine Aufmerksamkeit. Und oft befand sich die Wohnung des Inhabers hinter oder über dem Ladengeschäft. Sprachlich steht der Begriff Tante Emma für die einfache Durchschnittsfrau, zu der man als Nachbar noch ein persönliches Verhältnis hat.

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Heute wird der Begriff Tante-Emma-Laden als Synonym für eine intakte persönliche Beziehung und Dienstleistungsbereitschaft zwischen dem lokalen Händler und seinen Kunden verwendet, um den Gegensatz zu anonymen Discountern, großen Kaufhäusern mit Selbstbedienung oder ganzen Einkaufspassagen heraus zu stellen. Vor allem in ländlichen Gegenden können die Tante-Emma-Läden aber noch immer der Nahversorgung mit Lebensmitteln dienen.

Initiativen sollen seit Jahren für eine Renaissance von Tante-Emma-Geschäften sorgen, darunter auch Projekte mittelständischer Lebensmittelgroßhandlungen oder die Dorfläden. Früher auch Gemischtwarenhandlung genannt, soll der Dorfladen die Nahversorgung sicherstellen. Dazu gibt es die verschiedensten Betreiberformen, von Genossenschaften über private Betreiber bis hin zu Hofläden oder Vereinen.

In den alten Bundesländern wurden seit den 1980er Jahren die klassischen Tante-Emma-Läden von Lebensmittelläden abgelöst, die von Immigranten betrieben werden. Die kleinen familiären Läden werden manchmal mit einem Augenzwinkern auch „Onkel-Mehmet-Läden“ genannt. In manchen Stadtteilen haben diese Gewerbetreibenden eine bedeutende Rolle in der Nahversorgung übernommen.

Kleine Nachbildungen von Tante-Emma-Läden waren und sich auch heute noch als Kinderspielzeug beliebt. Wer kennt ihn nicht, den guten alten „Kaufladen“ im Kinderzimmer? Auch in der Kultur ist der kleine Laden immer wieder ein Thema. 1976 veröffentlichte Udo Jürgens das Lied „Tante Emma“, das die persönliche Kundenbindung der „Kälte“ der Discounter gegenüberstellt. „Ich weiß, wo ich noch Kunde bin: Ich geh‘ zu Tante Emma hin.“ Auch in Literatur und Film sind Tante-Emma-Läden häufig Schauplatz, etwa in der Blechtrommel von Günter Grass oder Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran.

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