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Kraftvoll gegen Gewalt

Das Begegnungszentrum Pirna bietet einen Workshop zur Selbstverteidigung an. Und das an einem speziellen Tag.

© Daniel Förster

Von Anja Weber

Die gesunde Drittelstunde

Impfen lassen? Neue Therapien? Was zahlen Kassen? Fragen rund um das Thema Gesundheit: hier gibt es Antworten. Redakteur Jens Fritzsche im Gespräch mit Experten.

Pirna. Die Räume des Internationalen Begegnungszentrums auf der Langen Straße in Pirna sind mit dichten Gardinen vor den Fenstern vor neugierigen Blicken geschützt. Das muss so sein. An diesem Sonnabend sind hier nur Frauen.

Sie treffen sich zu einem Workshop zur Selbstverteidigung. Den hatten sich die Teilnehmerinnen des Frauenfrühstücks gewünscht, sagt Marianne Thum vom Begegnungszentrum und der AG Asylsuchende. „Wir wollen keine Kurse oder Angebote aufdrücken, sondern auf die Wünsche eingehen. Deshalb haben wir auch diesen Workshop organisiert“, sagt sie. Und welcher Termin hätte da wohl besser gepasst als der 25. November, der Internationale Tag gegen Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Sicherlich habe sich einiges in den letzten Jahren geändert und auch verbessert. Doch solange es Menschen gibt, wird es auch Gewalt gegen Frauen geben, ist sich Marianne Thum sicher.

Der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge verzeichnete im vergangenen Jahr laut Polizeistatistik 286 Opfer häuslicher Gewalt, also Gewalt im familiären Umfeld. Experten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer weitaus höher ist. Und mit eben solchen Aktionen wolle man darauf aufmerksam machen, die Frauen stärken, ihnen Selbstbewusstsein geben.

An die 20 Frauen sind an diesem Nachmittag gekommen, darunter Pirnaerinnen, Dresdnerinnen und Frauen, die von der AG Asylsuchende betreut werden. Im Halbkreis sitzen sie auf dem Boden um Theresa. Sie leitet den Workshop. Theresa kommt eigentlich aus Berlin, wohnt seit einigen Jahren in Dresden und ist seit zwölf Jahren bei Lowkick, einem Verein für Frauen und Mädchen. Dieser bietet solche speziellen Workshops an. Auch sie ist sicher, dass genau dieses Thema nie an Aktualität verlieren wird. „Wir wollen vermitteln, dass es legitim ist, sich zu wehren, und natürlich auch ein Stück Mut machen“, sagt sie.

Und so hat sie auch ihren Workshop aufgebaut. Nach einer kurzen Vorstellung geht es vor allem darum, das Selbstbewusstsein der Frauen zu stärken. An erster Stelle steht da das Auftreten. Und schon das kann einiges bewirken. Es geht um eine feste Stimme, um die Körperhaltung. Das üben die Frauen. Manchen fällt es nicht ganz so leicht. Doch Training ist alles. Als nächste Lektion erfahren die Frauen, wie sie auch verbal Grenzen setzen müssen und können. Und letztlich geht es darum, sich auch körperlich zu wehren. Das wird alles nicht auf Anhieb funktionieren. „Es ist ein Workshop. Das heißt nicht, dass ihr danach alles könnt. Es ist eine Möglichkeit, reinzuschnuppern und am eigenen Auftreten zu arbeiten“, sagt Theresa.

Am 30. November gibt es in Pirna bereits die nächste Aktion. Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pirna, Sandra Wels, lädt gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern des Netzwerks gegen häusliche Gewalt vor der Stadtbibliothek auf der Dohnaischen Straße 76 zu einer Kerzenaktion ein.

Von 16 bis 18 Uhr sollen Menschen für das Thema Gewalt sensibilisiert und sollen für die Opfer Kerzen entzündet werden. Zu Gesprächen stehen die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Pirna und des Landkreises, Mitarbeiter des Frauenschutzhauses vom ASB Pirna-Königstein, der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und andere zur Verfügung.