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Die Reaktionen auf die Neue

Annegret Kramp-Karrenbauer ist neue CDU-Chefin. © dpa/Michael Kappeler

Die CDU wählt die Wunschkandidatin von Angela Merkel. Die sächsischen Delegierten hätten wohl Merz bevorzugt.

Hamburg. Annegret Kramp-Karrenbauer ist die neue Bundesvorsitzende der CDU. Die Delegierten des Parteitages in Hamburg wählten die bisherige CDU-Generalsekretärin am Freitag in Hamburg mit knapp 52 Prozent der Stimmen zur Nachfolgerin von Angela Merkel. Für den früheren Unionsfraktionsvorsitzenden Friedrich Merz entschieden sich gut 48 Prozent der Delegierten. Bereits im ersten Wahlgang war Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ausgeschieden. Sachsens CDU-Chef Michael Kretschmer sagte im SZ-Gespräch nach der Wahl: „Ich glaube, dass die sächsische Union mehrheitlich für Friedrich Merz war. Aber jetzt geht es darum, dass die neue Vorsitzende in diesem Amt überzeugt.“

Kramp-Karrenbauer hatte in ihrer Bewerbungsrede erklärt, die CDU müsse eine Partei sein, die Mut hat – anstatt „ängstlich nach rechts und nach links zu schauen“. Die CDU müsse sich mutig gegen Populisten, Egoisten und Autokraten stellen. Sie gab sich betont fair: „Keiner von uns drei Kandidaten wird der Untergang für diese Partei sein.“ Merz forderte, von diesem Parteitag müsse „ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung“ ausgehen. Er sagte: „Ohne klare Positionen bekommen wir keine besseren Wahlergebnisse.“ Spahn sagte, Deutschland sollte „Digitalweltmeister“ werden und endlich wieder in der Lage sein, Brücken rechtzeitig zu sanieren und funktionstüchtige Flughäfen zu bauen.

Zitate und Reaktionen

"Für meine Verbundenheit mit der Partei brauche ich keinen Parteivorsitz - und Bundeskanzlerin bin ich ja auch noch."

(Merkel in ihrer Abschiedsrede) 

"Weil wir immer wussten, dass konservativ nicht von Konserve kommt."

(Angela Merkel)

"Es endet heute die Ära einer Parteivorsitzenden. Es endet aber nicht die Ära Angela Merkel."

(Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus auf Twitter) 

"Als Angela Merkel den Vorsitz dieser Partei übernahm, hatten wir noch die D-Mark."

(Hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier) 

"Die vielen Jahre, die Angela Merkel CDU-Vorsitzende und Bundeskanzlerin war und ist, gehören zu den besten, die unser Land bisher erlebt hat. Dafür ein großes Danke! Und weiter zu neuen Ufern!"

(Wirtschaftsminister Peter Altmaier auf Twitter) 

"Wenn wir es uns richtig vor Augen führen, dann müssen wir sehen: Wir sind so etwas - CDU und CSU gemeinsam - wie das letzte Einhorn in Europa."

(Annegret Kramp-Karrenbauer vor ihrer Wahl zur CDU-Vorsitzenden in Sachen Volkspartei)

"Sie wissen vermutlich: Ich bin wirklich ein Freund Amerikas. Aber die Amerikaner brauchen hin und wieder eine klare und eindeutige Ansage. [...] Die Amerikaner akzeptieren Stärke, und nicht Schwäche."

(Friedrich Merz, in seiner Bewerbungsrede um den CDU-Vorsitz) 

"Wir haben die Fenster aufgestoßen, wir haben debattiert und mit Ideen gerungen."

(Gesundheitsminister Jens Spahn über den Wahlkampf mit Kramp-Karrenbauer und Merz um den CDU-Vorsitz) 

Der designierte CSU-Chef Markus Söder auf Twitter: "Viel Erfolg im neuen Amt. Freue mich auf eine zukünftige Zusammenarbeit. CDU und CSU müssen wieder enger zusammenrücken und gemeinsam für unser Land arbeiten."

Noch-CSU-Chef Horst Seehofer auf Twitter: "Meine herzlichen Glückwünsche zur Wahl zur neuen Vorsitzenden der CDU. Viel Glück und Erfolg im neuen Amt!" 

SPD-Vorsitzende Andrea Nahles auf Twitter: "Sie treten in große Fußstapfen. [...] Ich biete Ihnen gute Zusammenarbeit an." 

FDP-Chef Christian Lindner auf Twitter: "Eine Mehrheit des Parteitags sprach sich für eine andere Strategie aus, hat dann aber eher Kontinuität gewählt. Wir freuen uns auf fairen Wettbewerb und gute Zusammenarbeit!"

Grünen-Chefin Annalena Baerbock auf Twitter: "Wieder eine Frau an der Spitze - was für ein tolles Zeichen!" 

Linken-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht auf Twitter: "Merkel 2.0 ist keine Lösung: Zwar ist gut, dass CDU Blackrock-Merz nicht als Parteichef gewählt hat. Aber mit AKK geht Merkelsche Politik weiter & soziale Wende ist nicht möglich." 

AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel: "Kramp-Karrenbauer bedeutet: Weiter so! Sie ist Merkel 2.0. Mit ihr wird sich Linkskurs der CDU fortsetzen und damit haben auch die letzten konservativen Christdemokraten ihren Kampf verloren und in der Union keine politische Heimat mehr." 

CDU-Fraktionsvorsitzender Ralph Brinkhaus: "Viel Erfolg im neuen Amt. [...] Gemeinsam mit der Bundesregierung und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden wir für den Zusammenhalt der Gesellschaft eintreten und die Zukunft des Landes gestalten." 

DGB-Vorsitzender Reiner Hoffmann: "Der DGB wird ein verlässlicher Partner sein, wenn es darum geht, Nationalismus und Populismus den Boden zu entziehen." 

Verdi-Chef Frank Bsirske: "Sie hat ein Ohr auch für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Land. Und das ist gut."

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Merkel rief ihre Parteifreunde in ihrer letzten Rede als Vorsitzende zur Geschlossenheit auf. Sie sagte, die CDU könne auch in Zeiten von Polarisierung und AfD gute Ergebnisse erringen, „wenn wir geschlossen und entschlossen kämpfen“. Sie sagte: „Wohin uns nicht enden wollender Streit führt, das haben CDU und CSU in den letzten Jahren bitter erfahren.“ Merkel, die nach mehr als 18 Jahren an der CDU-Spitze nicht mehr für den Vorsitz angetreten war, wurde von den 1001 Delegierten mit knapp zehn Minuten Applaus verabschiedet. Viele hielten Schilder mit der Aufschrift „Danke, Chefin“ hoch.

Den Parteitag nutzte Merkel auch für einen Blick zurück. Sie sagte, die CDU habe nach der Parteispendenaffäre unter Bundeskanzler Helmut Kohl nicht klein beigegeben. Zudem verteidigte sie die Aussetzung der Wehrpflicht 2011 und ihre Entscheidung von 2015, Flüchtlinge von der sogenannten Balkanroute in Deutschland aufzunehmen.

Roland Wöller im Interview mit der SZ

Es war das erste Mal seit 1971, dass die CDU-Delegierten bei der Wahl ihres Vorsitzenden zwischen mehreren Kandidaten entscheiden konnten. Die Wähler reagierten zunächst positiv auf die Wechselstimmung bei den Christdemokraten. Im neuen ARD-Deutschlandtrend gewannen CDU und CSU vier Prozentpunkte hinzu und kamen somit auf 30 Prozent.

Die Stimmung zwischen Merz und Kramp-Karrenbauer hatte sich kurz vor dem Parteitag verschärft - vor allem nachdem sich Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble öffentlich hinter Merz gestellt hatte. Kramp-Karrenbauer erhielt kurz vor der Wahl noch Schützenhilfe von Armin Schuster aus Baden-Württemberg, einem der schärfsten innerparteilichen Kritiker Merkels während der Flüchtlingskrise. Der Bundestagsabgeordnete kündigte auf Twitter an, er wolle "AKK" wählen. (dpa/SZ)

Kramp-Karrenbauer war von 2000 bis 2011 Ministerin in der Regierung des Saarlandes in verschiedenen Ressorts (Inneres, Bildung, Soziales). Foto: Werner Baum/dpa
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