merken

Krankenhaus im Krankenmodus

Auch im St.Johannes der Kamenzer Malteser ist die Grippe spürbar. Zum Glück nicht so, wie in den Oberlausitz-Kliniken.

© René Plaul

Von Marleen Hollenbach & Frank Oehl

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Der Garten ruft

Bei LandMAXX-Baumärkten und Bauzentren gibt es viele tolle Sonderangebote rund um das Thema Garten. Hier sind Sie rundum versorgt - in 11 Filialen direkt in Ihrer Nähe.

Kamenz/Bautzen. Seit Jahresbeginn ist die Grippewelle auch im Malteser Krankenhaus St. Johannes in Kamenz deutlich zu spüren. Geschäftsführer Florian Rupp: „In den vergangenen drei Wochen haben wir verstärkt Influenzapatienten aufgenommen.“ Und die Welle greife auch die Personaldecke an. So gebe es verstärkt krankheitsbedingte Ausfälle der Mitarbeiter. „Dank des großen Einsatzes des gesunden Personals ist es uns aber möglich, diese Ausfälle zu kompensieren.“ So werde die Betreuung der Patienten gewährleistet. Alle Stationen seien in Betrieb. „Einige wenige Eingriffe mussten wir um eine Woche verschieben, dringende und medizinisch notwendige Operationen werden aber natürlich durchgeführt.“

In den Oberlausitz-Kliniken in Bautzen und Bischofswerda sieht es da schon anders aus. „So schlimm war es noch nie!“ Krankenhauschef Reiner E. Rogowski kann sich in den vergangenen 25 Jahren an keine vergleichbare Situation erinnern. Derzeit gehen die Krankenhäuser in Bautzen und Bischofswerda über ihre Grenzen, heißt es. Im Zehn-Minuten-Takt fahren die Krankenwagen vor. Es ist die Kälte, die besonders den älteren Menschen momentan zu schaffen macht. Laut dem Gesundheitsamt ist die Zahl der gemeldeten Grippefälle im Landkreis Bautzen inzwischen auf über 1 300 gestiegen. Doch die Patienten kommen nicht nur, weil sie an Grippe erkrankt sind. Die eisigen Temperaturen führen bei vielen zu Kreislaufproblemen. Herzinfarkte und Schlaganfälle sind die Folge.

In den Oberlausitz-Kliniken sind derzeit kaum noch Betten frei. Allein in Bautzen kümmern sich Ärzte und das Pflegepersonal auf den Stationen um 376 Patienten, in Bischofswerda sind es 128. Das sorgt in erster Linie dafür, dass der Krankenhausaufenthalt für die Patienten unbequemer wird. Zum Beispiel dann, wenn in ein Zweibettzimmer ein dritter Patient einzieht. „Das alles wäre aber machbar, wenn bei uns nicht so viele Mitarbeiter fehlen würden“, so der Klinikchef, der in Pulsnitz lebt.

Nicht die Ärzte fallen aus, sondern vor allem die Krankenpfleger. Petra Wockatz ist für den Pflegebereich der beiden Krankenhäuser verantwortlich. „Ein Drittel unserer Mitarbeiter, die derzeit arbeiten müssten, ist momentan krank“, sagt sie. Zum Vergleich: Im Durchschnitt fehlen sonst weniger als zehn Prozent der Mitarbeiter aufgrund von Krankheit. „Seit mehr als zwei Woche hält dieser Zustand an. Und es ist noch keine Entspannung in Sicht“, so Petra Wockatz.

Auf der Intensivstation ist es besonders schlimm. Dort sind neun Mitarbeiter im Pflegebereich nicht arbeitsfähig. „Geht das so weiter, dann können wir unsere Patienten nicht mehr adäquat versorgen“, erklärt Petra Wockatz. Das ist auch der Grund, warum die Klinikleitung jetzt die Notbremse zieht. Das Krankenhaus gibt Notfällen den Vorrang. Diese Patienten werden weiterhin wie gewöhnlich versorgt. Einbestellte Patienten müssen hingegen damit rechnen, dass ihr Operationstermin verschoben wird. Wen das betrifft, der erhält einen Anruf vom Krankenhaus. Und auch bei der Notfallambulanz gibt es Veränderungen. Patienten müssen dort mit längeren Wartezeiten rechnen.

Nur in Schutzkleidung ins Isolierzimmer

Patienten vertrösten, Behandlungen absagen – vieles sei getan worden, um diese Maßnahmen zu verhindern, meint Rogowski. Zunächst habe man die Mitarbeiter auf anderen Stationen arbeiten lassen, was wiederum mit mehr Einarbeitungszeit und mit deutlich mehr Aufwand verbunden war. Auch verzichten viele Angestellte inzwischen auf freien Tage oder sogar auf ihren Urlaub. „Aber das hat Grenzen. Die Mitarbeiter müssen sich auch erholen können“, so die Pflegechefin. Weil sie wissen, wie schwer es die Kollegen haben, schleppen sich einige Mitarbeiter krank zur Arbeit. Nicht wenige mussten in den vergangenen Tagen wieder nach Hause geschickt werden – schon allein deshalb, damit sie nicht andere anstecken.

Wie aber kann sich das Personal eines Krankenhauses vor der Grippewelle schützen? Zur Vermeidung von Ansteckungen werden Patienten mit Verdacht auf Influenza auch im St. Johannes in Kamenz isoliert untergebracht. Florian Rupp: „Die Isolierzimmer betreten Mitarbeiter nur mit Schutzkleidung.“ Vor den Zimmern stehe zusätzliches Händedesinfektionsmittel bereit, Besucher dürften diese Zimmer überhaupt nur nach Absprache mit dem Personal betreten. Generell werde im Malteser Krankenhaus St. Johannes jederzeit ein sehr großer Wert auf Händehygiene gelegt. Jetzt freilich sei sie umso wichtiger ...