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Kratzbürste mit Samtpfoten

Aljona Savchenko gewährt beim EM-Debüt ihrem Partner Bruno Massot nach dessen beiden Fehlern noch Welpenschutz.

© Reuters

Von Andreas Frank und Britta Körber

Zwei verpatzte Hebungen und trotzdem ein erhebendes EM-Debüt in Silber: Die einst so kratzbürstige Aljona Savchenko ließ auf ihren neuen Partner Bruno Massot ungeachtet seiner beiden Fehler nichts kommen – Welpenschutz für einen 27-Jährigen. „Nein, ich bin nicht streng, sondern total lieb und lerne ja auch. Bruno hat Fehler gemacht, aber auf dem Eis sind wir immer ein Team und gehören zusammen“, schnurrte die fünffache Weltmeisterin und zweimalige Olympiadritte und zwinkerte dabei dem betrübten Franzosen aufmunternd zu. Sie sprach in Bratislava vom „perfekten Einstieg“ in ihre zweite Karriere.

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Gleich doppelt gingen dem breitschultrigen, hoch gewachsenen Normannen in der Kür die Kräfte aus. Die nicht regelkonformen Hebefiguren kosteten die beiden Oberstdorfer etwa zehn Punkte. Dass Massot nach seinem doppelten Fauxpas den Tränen nah war, konnte Trainer Alexander König, ehemaliger EM-Dritter, absolut nachempfinden: „Als Mann einen Lift zu versauen, ist die Höchststrafe. So etwas haut einen um. Die mentale Anspannung war sehr groß.“

Denn statt sich in der mit 10 000 Zuschauern ausverkauften Ondrej-Nepela-Arena mit den Olympiasiegern Tatjana Wolososchar und Maxim Trankow auf Augenhöhe um den EM-Titel zu duellieren, mussten die zwei Oberstdorfer nun schon froh sein, gerade noch Platz zwei zu retten. Massot macht zwar sichtbare Fortschritte, aber an das Level seines Vorgängers Robin Szolkowy reicht er noch nicht heran.

Derzeit spielt Savchenko noch ganz klar den dominanteren Part. Die Ukrainerin und König setzen derweil unbeirrt darauf, dass Massot seine Rückstände kontinuierlich aufholt. „Bruno tut im Training eine Menge dafür, immer mehr das Eiskunstlaufen zu spüren“, sagte der 49-jährige Trainer. „Es ist ein kleiner Traum in Erfüllung gegangen. Es war nicht perfekt, und das ist gut so. Da habe ich viel Material zum Arbeiten.“

Mit Blick auf die WM Ende März in Boston mit den Gegnern aus China und Kanada versprach Massot immer wieder ungefragt, hart an seinen Schwächen zu arbeiten: „Schließlich waren das Fehler, die mir noch nie passiert sind und nicht wieder unterlaufen dürfen. Ich bin traurig.“

Doch während Savchenko die dünne Luft im Medaillenkampf nach 18 Monaten Wartezeit auf die Startfreigabe Frankreichs für ihren Partner geradezu gierig einsog, ließ sie Massot kurzatmig werden – auch im übertragenen Sinn. Schließlich kam er mit seiner vorherigen Partnerin Darja Popowa bei europäischen Titelkämpfen nie über Rang sieben hinaus.

Immerhin: Dank der Prämie von 18 000 Euro können die zwei Wahl-Allgäuer jetzt schon einen Teil von Massots Ablösesumme an den französischen Verband bezahlen. An den 30 000 Euro beteiligt sich aber auch die Deutsche Eislauf-Union. „Aljona und Bruno sollen keinen finanziellen Druck verspüren“, sagte deren Sportdirektor Udo Dönsdorf, der beide auch sportlich nicht unter ›Druck setzt: „Es war nicht geplant, dass sie gleich die Olympiasieger schlagen – lieber Schritt für Schritt. Es ist besser, der Jäger zu sein.“ Außerdem muss Massot fleißig Deutsch lernen, um den Einbürgerungstest zu bestehen. (sid/dpa)