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Krebspatient kann es nicht lassen

Ein 33-Jähriger ist dem Tode näher als dem Leben und sorgt dennoch immer wieder für neue Strafverfahren. Es ist auch ein tragischer Fall.

Von Alexander Schneider

Er hat eine Lebenserwartung von weniger als zwei Jahren und muss mehr als eines davon im Gefängnis sitzen. Enrico K. hat seit einigen Jahren Krebs, leidet an starken Schmerzen. Gestern wurde er am Amtsgericht Dresden zu zwei weiteren Freiheitsstrafen von insgesamt einem Jahr und drei Monaten verurteilt – wegen Betruges in drei Fällen, Körperverletzung und Nötigung. „Wir können es nicht verantworten, Sie auf freien Fuß zu setzen“, sagte Richter Roland Wirlitsch, der Vorsitzende des Schöffengerichts in seinem Urteil.

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Enrico K. hat alle Vorwürfe gestanden. Seit November sitzt er wieder im Gefängnis, saß dort schon eine frühere Verurteilung ab und wird im Leipziger Haftkrankenhaus versorgt. Laut Anklage hatte er sich Anfang 2012 dreimal in Kliniken in Dresden und Halle onkologisch behandeln lassen. Allerdings hatte er sich dort selbst hingeschleppt – und die Krankenkassenkarte eines Kumpels eingesetzt. Bei der insgesamt dreiwöchigen Behandlung, die Rede war auch von einer Chemo-Therapie, entstand ein Schaden von rund 9.500 Euro.

Darüber hinaus hatte K. mehrfach Ärger mit einem Bekannten. Im November 2012 schlug er dem Mann ins Gesicht und brach ihm das Jochbein. Im März 2013 war K. wieder beim Geschädigten, forderte von ihm ein Notebook und nahm 20 Euro und das Handy des Mannes als Pfand mit. „Soll ich dir wieder ins Gesicht schlagen“, habe der Angeklagte dabei gedroht.

Enrico K. ist ein hoffnungsloser Fall. Die Eltern Alkoholiker, falsche Freunde in der Jugend, Crystal-Sucht und schließlich der frühe Tod der Oma, die sich als Einzige der Familie um ihn gekümmert hatte. Kein Wunder, dass K. auf die schiefe Bahn geriet, sagt seine Verteidigerin Ute Mollenhauer, in ihrem Plädoyer. Seit 15 Jahren kümmert sie sich um die Verfahren ihres Mandaten. Er sei nicht in der Lage, sich umzustellen. Sein Gehirn sei zu sehr von der Droge zersetzt. „Er wird sich nicht ändern“, sagte sie und bat um eine Bewährungsstrafe.

K. hätte sich arbeitslos melden müssen und wäre dann auch ordnungsgemäß behandelt worden, sagte Richter Wirlitsch. Trotz seiner vielen Vorstrafen habe er nie eine Bewährung durchgehalten. „Alle Verurteilungen hat er bis auf den letzten Tag abgesessen“, so Wirlitsch. Das Gericht verweigerte dem Angeklagten eine Bewährung aus Furcht, er tauche nach der Entlassung wieder ab und begehe neue Straftaten. Wirlitsch riet der Verteidigerin, einen Gnadenantrag zu stellen, damit K. seine letzten Tage in Würde verbringen könne.