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Kreinitz international

Im ehemaligen Kriegsgefangenenlager arbeiten junge Leute daran, dass die Spuren der Vergangenheit sichtbar bleiben.

© Sebastian Schultz

Von Josefin Möbius

Zeithain. Alejandra Jimenez hatte wahrscheinlich die weiteste Anreise nach Kreinitz. Sie studiert in ihrem Heimatland Mexiko internationale Beziehungen. „Dafür ist es wichtig, die Geschichte der Länder ganz genau zu kennen“, sagt sie. Ihrer Meinung nach ist das die Basis der Gegenwart und der Zukunft. „Daraus kann man viel lernen und wiederholt die vielleicht falschen Taten nicht.“ Sie wolle Geschichte direkt vor ihren Augen sehen und nicht nur darüber in Büchern lesen. Deshalb ist die 25-Jährige fast 10 000 Kilometer gereist.

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In das kleine Dorf in der Nähe von Zeithain ist auch die Russin Polina Zhwravleva gekommen. Sie ist ebenfalls Studentin und interessiert sich für Kultur und Geschichte. Sie ist wegen ihrer eigenen Familiengeschichte hier: „Mein Urgroßvater war als Soldat im Zweiten Weltkrieg in einem Gefangenenlager in Deutschland“, erzählt sie. Er hatte seiner Familie das lange Zeit nicht erzählt. „Nicht einmal sein eigener Sohn wusste etwas über die Zeit im Kriegsgefangenlager.“ Um nun mehr über die Zustände in so einem Lager herauszufinden und Neues über den Zweiten Weltkrieg zu erfahren, ist die 20-Jährige in die Gemeinde Zeithain gekommen.

Alejandra und Polina sind zwei von rund einem Dutzend junger Erwachsener, die jetzt drei Wochen lang in Kreinitz arbeiten. Die Runde ist international, die Teilnehmer kommen aus der Türkei, Tschechien, Malta oder der Ukraine. Ihre gemeinsame Aufgabe: dafür sorgen, dass die Spuren der Geschichte sichtbar bleiben.

In Kreinitz hat das Tradition. Jedes Jahr findet hier das sogenannte SCI-Workcamp statt. Dabei pflegen junge Leute aus aller Welt das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenlagers in Jacobsthal. Später soll an dieser Stelle ein Geschichtslehrpfad entstehen. Darauf sollen Besucher die Ausmaße des Lagers nachvollziehen können.

Angleitet werden die jungen Leute von der Archäologin und Denkmalpflegerin Bärbel Schultz. Dieses Jahr gehe es vor allem um Sicherungsarbeiten, sagt sie. Das bedeute, die Holzabdeckungen, die die Fundamente der früheren Gebäude schützen, werden erneuert. „Das machen wir, um die Fundamente wieder sichtbar zu machen und sie zu schützen“, sagt Bärbel Schultz. Teilweise sprengen Wurzeln die noch erhaltenen Gebäudeplatten auf. Die Pflanzen, die seit dem letzten SCI-Workcamp wieder alles überwuchert haben, müssen auch wieder entfernt werden.

Alejandra und Polina freuen sich darauf, diese Arbeit in den nächsten drei Wochen zu übernehmen. Was sie aus ihrer Zeit im SCI-Workcamp mitnehmen wollen, davon haben sie eine klare Vorstellung: Die Mexikanerin Alejandra will ihr neues Wissen mit Studienkollegen und Professoren teilen. Und Polina hat vor, mit ihrer Familie direkt über den Lageraufenthalt des Uropas zu sprechen.

Doch so weit ist es noch lange nicht. Jetzt sind die Camp-Teilnehmer erst einmal in Kreinitz von Zeithains Bürgermeister Ralf Hänsel (parteilos), dem Leiter der Gedenkstätte Ehrenhain Zeithain Jens Nagel und dem Vereinsvorsitzenden des Fördervereins Peter Franke willkommen geheißen worden. Sobald es das Wetter zulässt, geht es für die jungen Leute an die Arbeit.