merken

Kreis will die Burg

Fast alle Abgeordneten waren sich einig, wie es in Hohnstein weitergehen könnte. Der Stadt kommt künftig eine wichtige Rolle zu.

© Dirk Zschiedrich

Von Franz Werfel

Hohnstein/Pirna. Würde die Burg Hohnstein schließen, stünden nach Angaben des Rathauses jährlich rund 24 000 Übernachtungsgäste und 25 000 Tagesgäste auf dem Spiel. In die verwirrende Gemengelage um die Burg haben die Kreisräte nun etwas Klarheit gebracht. Sie stimmten am Montagabend dafür, dass für die Burg eine Gesamtlösung gesucht werden soll. In ihren Argumentationen waren sich der zuständige Bau-Beigeordnete Heiko Weigel (CDU) und Hohnsteins Bürgermeister sowie Kreisrat Daniel Brade (SPD) einig: Sinnvoll betreiben und an einen neuen Nutzer vermitteln lässt sich die Burg nur als Ganzes.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Der Großteil der Anlage fällt zum 1. Dezember dieses Jahres an den Kreis zurück. Der bisherige Pächter, der insolvente Naturfreunde-Verein, hat seinen Pachtvertrag für die gesamte Burg gekündigt – bis auf das sanierte Haus 1 am Burgeingang (die SZ berichtete). Dieses Haus bezeichnet Heiko Weigel als „Filetstück“ der Burg. Es befindet sich in einem Erbbaupachtverhältnis.

Weigel stellte im Kreistag klar: „Der Landkreis ist nicht Herr des Verfahrens über Haus 1. Was damit geschieht, entscheidet allein der Insolvenzverwalter.“ Die Kreisräte haben nun beschlossen, dass Landrat Michael Geisler (CDU) mit dem Berliner Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus darüber verhandeln darf, auch Haus 1 für den Landkreis zurückzubekommen.

Übergangslösung gefunden

Im Jahr 2000 hatte der Kreis dem Naturfreunde-Verein Haus 1 zur Erbpacht überlassen. Bis zu seiner Insolvenz sieben Jahre später hat der Verein in das Haus investiert. Darauf könnte sich der Insolvenzverwalter berufen, wenn es darum geht, zu welchem Preis der Landkreis die Hoheit über das Gebäude zurückbekommt. Wie es mit dem Gebäude weitergeht, ist noch unklar.

Der Betrieb auf dem restlichen Gelände ist nun aber gesichert. Hohnsteins städtische Tourismusfördergesellschaft wird ab dem 1. Dezember bis auf Weiteres als Übergangslösung die Geschicke der Burg leiten. „Damit schaffen wir Sicherheit für unsere Gäste und die Angestellten auf der Burg“, sagte Bürgermeister Brade. Zudem könne die Anlage bei laufendem Betrieb besser für künftige Nutzer angepriesen werden.

Einen neuen Nutzer zu finden, ist das langfristige Ziel des Kreises. Denn sein größtes Problem bleibt. „Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft, den Investitionsstau von rund zwölf Millionen Euro an der Burg abzubauen“, sagte Heiko Weigel. Gemeinsam mit der Stadt Hohnstein wolle der Kreis auch nach weiteren Geldquellen für Sanierungen an der Burg suchen. Heiko Weigel sagte im Kreistag, der Landkreis wolle in alle Richtungen offen sein. Dabei habe aber die Nutzung als Herberge Priorität. Deshalb werde er die deutschen Jugendherbergen kontaktieren. Er brachte erneut die Idee ein, dass die Verwaltung des Nationalparks Sächsische Schweiz auf die Burg Hohnstein ziehen könnte.

Auch beim Freistaat hat Landrat Michael Geisler angefragt, ob dieser die Burg übernehmen könnte. Doch aus dem Finanzministerium heißt es in einem Antwortschreiben, dass sich Sachsen dazu nicht in der Lage sieht. Auf die Frage nach möglichen Fördermitteln zum Erhalt der Burg sei nicht weiter eingegangen worden.

Die Kreisräte waren sich einig, dass die Burg auch in Zukunft öffentlich zugänglich bleiben müsse und möglichst touristisch genutzt werden soll. Für Hohnsteins Bürgermeister ist klar: „Unsere Arbeit fängt jetzt erst richtig an.“