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Kreiselpläne umstritten

Die neue Idee für die Kreuzung an der Straße von Niederfrauendorf nach Dipps stößt teilweise auf Kritik. Andere sehen gute Gründe dafür.

© Egbert Kamprath

Von Maik Brückner

Niederfrauendorf. Die Pläne, einen Mini-Kreisverkehr am Knotenpunkt in Niederfrauendorf einzurichten, stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Das Thema wird im Internet lebhaft diskutiert. Eine Mehrzahl, die sich im sozialen Netzwerk Facebook dazu äußerte, steht den Plänen ablehnend und skeptisch gegenüber. Sie glauben nicht, dass damit die wichtigste Verbindungsstraße zwischen Dippoldiswalde und dem Müglitztal sicherer gemacht werden kann. David Rothe sieht hier sogar einen Fall für den TV-Spaßmacher Mario Barth, der in seiner Sendung Fälle von Steuergeldverschwendung aufs Korn nimmt.

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So sieht der Mini-Kreisel in der Eifel-Gemeinde Kall bei Euskirchen aus. © Straßen.NRW
Über den Mini-Kreisel in Flamersheim fahren auch Busse. © Straßen.NRW

Sven Rensmeyer hingegen erinnert auf Facebook daran, dass im Kreuzungsbereich Menschen leben, die aus ihren Grundstücken rausfahren wollen. Wahrscheinlich müsse erst jemand zu Schaden kommen, damit die Verantwortlichen merken, dass das keine gute Idee ist, erklärt er.

Dirk Steckel gibt als einer der wenigen auf Facebook der Idee eine Chance. „Man kann davon ausgehen, dass vorher gedacht wurde“, schreibt er. Man sollte es probieren, vielleicht funktioniert es ja. Diejenigen, die sich jetzt aufregen, werden sich „nicht weniger intelligent“ anstellen wie die, die täglich solche Kreisel in Nordrhein-Westfalen oder auch in Italien befahren.

In anderen Regionen gibt es den Mini-Kreisel schon länger. „Der erste Mini-Kreisverkehr wurde 1968 in Großbritannien eingerichtet“, sagt ADAC-Sprecherin Katharina Lucà. Später wurde die Idee auf dem Kontinent aufgegriffen. In Deutschland ist diese Form der Kreisverkehre seit Mitte der 1990er-Jahre zur Anwendung gekommen. „Es gibt leider keine Statistik, welche Städte oder Bundesländer besonders häufig Mini-Kreisverkehre bauen“, sagt Frau Lucà. Besonders viele seien aber in Nordrhein-Westfalen anzutreffen, sagt eine Sprecherin von der dortigen Straßenbaubehörde. Die Regeln, wann so ein Kreisel gebaut werden kann und wie er auszusehen hat, sind bundesweit einheitlich. Demnach dürfen sie nur innerorts errichtet werden. „Das Besondere am Mini-Kreisverkehr ist sein Durchmesser von 13 bis 22 Metern und die überfahrbare Mittelinsel. Dies ermöglicht die Befahrbarkeit durch Lkw und Busse. Pkw dürfen die Mittelinsel jedoch nicht überfahren“, sagt Frau Lucà.

Der für Niederfrauendorf zuständige Ortsvorsteher Klaus Köhler (Wählervereinigung Reinhardtsgrimma) gibt sich auf SZ-Nachfrage zuversichtlich. Denn er kann sich nicht vorstellen, dass das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) alle Grundstücke an der Kreuzung aufkauft, um diese zu vergrößern. „Der Mini-Kreisverkehr ist ein Versuch“, erklärt er. Letztlich gelte dort der Vorfahrtsgrundsatz „rechts vor links“. „Man wird nicht stundenlang im Kreisverkehr fahren können“, sagt er. Dazu sei der Platz zu klein. „Wir sollten den Mini-Kreisverkehr nicht schlechtreden und abwarten, wie er in der Praxis funktioniert.“

So sieht es auch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Der Mini-Kreisverkehr soll vorerst für ein Jahr eingerichtet werden. Danach werde ausgewertet, wie er funktioniert hat. Dabei wird vor allem das Unfallgeschehen berücksichtigt. Sollte sich der Kreisel bewähren, bleibt er – wenn nicht, soll eine festinstallierte Ampelanlage errichtet werden. Doch mit der hätte Köhler Bauchschmerzen. Es gibt keine Aufstellflächen an der Kreuzung. Deshalb setzt Köhler auf den Erfolg des Mini-Kreisverkehrs. Und wer weiß: „Vielleicht ist der Kreisverkehr auch ein Vorbild für andere Kreuzungen“, sagt Köhler.

Denn nach wie vor gelten Kreuzungen als eine der häufigsten Unfallstellen. So ist es auch mit der in Niederfrauendorf. Bis zur Inbetriebnahme der Ampel krachte es hier häufig. Allein 2015 gab es hier vier größere Verkehrsunfälle. Ruhiger wurde es erst im Mai 2016, als die Ampel aufgestellt wurde. Die Zahl der Unfälle sank, doch der Unmut der Anwohner wuchs, weil sich am Vormittag und Nachmittag die Autos im Ort stauten. Es wurden Unterschriften gesammelt. Das Lasuv wurde beauftragt, die Kreuzung näher zu untersuchen. Das hat es getan mit dem bekannten Ergebnis.