merken

Krematorien an der Kapazitätsgrenze

Das Döbelner Krematorium war auf dem Höhepunkt der Sterbewelle wegen Instandhaltungsarbeiten außer Betrieb. Das war anders geplant.

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer und Peter Anderson

Anzeige
Symbolbild Anzeige

Was? Ein Suzuki? Klar, ist cool!

Viel Esprit und frischer Charme - deshalb ist das Energiebündel Suzuki Swift so beliebt.

Döbeln/ Meißen. Dass die Anzahl der Sterbefälle in der kalten Jahreszeit ab November ansteigt, ist normal. Aber diesmal war alles anders. Im November und Dezember hatte es diesen Trend nach oben nicht gegeben, dafür ist die Anzahl der Todesfälle im neuen Jahr extrem gestiegen, sagte Jens Funke, Leiter des Döbelner Krematoriums. Überall im Lande kommen die Krematorien mit der Vielzahl der Einäscherungen an die Kapazitätsgrenzen. In Döbeln bisher nicht – denn hier war das Krematorium für sechs Wochen ganz außer Betrieb.

Die Instandsetzung und Modernisierung der beiden Verbrennungsöfen des Krematoriums war lange geplant, sollte aber schon im Herbst abgeschlossen sein, so Funke. Allerdings gab es Verzögerungen, sodass sich die Arbeiten bis ins neue Jahr hinein zogen. Die Verstorbenen wurden in dieser Zeit in das Krematorium Dresden Tolkewitz zur Einäscherung gebracht, das dafür einen Reserve-Ofen in Betrieb nahm, sagte Funke.

Döbeln ist das einzige Krematorium in der Region. Aus dem weiten Umland – aus Freiberg, Riesa. Oschatz, Mittweida, selbst Hohenstein-Ernstthal – bringen Bestatter die Toten zum Einäschern nach Döbeln. Rund 4 500 sind es pro Jahr.

In den sechs Wochen Bauzeit waren die beiden gasbetriebenen Verbrennungsöfen neu mit Schamottesteinen ausgemauert worden. Das ist etwa alle fünf Jahre nötig. Außerdem wurde eine neue Steuerung für die Öfen eingebaut. Damit lassen sich jetzt mehr Parameter beeinflussen, sodass Energieverbrauch und Abgaswerte besser reguliert werden können, sagte Jens Funke. Das Krematorium verfügt über eine ausgeklügelte Abgasreinigung. Die 800 Grad heißen Verbrennungsgase werden schrittweise über Wärmetauscher heruntergekühlt, der Staub herausgefiltert und schädliche Gase in einem Katalysator verbrannt. „Wir sind unter ständiger Kontrolle des Umweltamtes“, so Funke.

Schritt für Schritt waren die Öfen wieder in Betrieb genommen worden. Die neuen Ausmauerung musste erst trockengeheizt werden, dann wurden die Öfen im Dauerprobebetrieb getestet und in der vergangenen Woche schon wieder die ersten Verstorbenen eingeäschert. In dieser Woche nimmt das Krematorium wieder den normalen Betrieb im Zweischichtsystem auf. Etwa 20 Einäscherungen am Tag sind damit möglich. In Spitzenzeiten könnten auch mal Sonnabend- oder Nachtschichten eingeschoben werden, sagte Funke.

Sonderschichten musste das nächstgelegene Krematorium, das in Meißen, in den vergangenen Wochen einlegen. In der Regel werden im Meißner Krematorium pro Wochentag 40 Urnen befüllt. Derzeit kommen durchschnittlich 60 zusammen. Nach Angaben des Geschäftsführers Jörg Schaldach sind das dreimal so viel Einäscherungen wie an Sommertagen mit einer geringen Nachfrage. Teilweise kämen die Standesämter nicht mit dem Beurkunden der Sterbefälle hinterher. Der Krematoriums-Chef spekuliert, dass die grassierende Grippe am enormen Anstieg der Todesfälle einen Anteil hat.

Die hohen Zahlen bringen den Betrieb an seine Kapazitätsgrenze. Der Lagerraum ist endlich. Zum Haupt-Einzugsbereich zählen als Kerngebiet der Landkreis Meißen, die umliegenden Kreise sowie Brandenburg und Berlin. Um das Pensum bewältigen zu können, legen Schaldach und seine 23 Mitarbeiter wert darauf, die Toten möglichst an dem Tag einzuäschern, an dem sie in Meißen ankommen.