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Bautzen

Kretschmer auf dem Kornmarkt

Beim Wahlkampfauftritt von Sachsens Ministerpräsidenten geht’s um Sicherheit, Schule, Sanktionen, das Leben auf dem Land – und einen Händedruck.

Zum Wahlkampfauftritt kam Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Mittwoch auf den Bautzener Kornmarkt.
Zum Wahlkampfauftritt kam Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Mittwoch auf den Bautzener Kornmarkt. © Steffen Unger

Bautzen. Entspannt auf dem Rücksitz eines offenen Oldtimers – so fährt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) zusammen mit Bautzens CDU-Landtagsabgeordneten Marko Schiemann am Mittwochnachmittag zum Wahlkampfauftritt auf dem Bautzener Kornmarkt vor. Doch mit der Gemütlichkeit ist es gleich vorbei, als beide auf der kleinen Bühne des hellgrünen Wahlkampfmobils stehen.

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Straßenbahnen für Dresden

Schiemann, der sich im Bautzener Wahlkreis erneut ums Direktmandat bewirbt, gibt sich kämpferisch. „Ich stehe an der Seite der Arbeitnehmer“, ruft er laut ins Mikrofon und es klingt fast wie auf einer Gewerkschaftskundgebung. Schnell fügt er noch Handwerker, Unternehmer, Landwirte hinzu, um ja keine Zielgruppe zu vergessen. Schiemann sagt, sie seien gerade im Bombardier-Werk gewesen, wo er vor drei Jahren mit den Arbeitern vor dem Tor gestanden habe, als die Zukunft des Werkes vakant war. Und jetzt investiere der Konzern hier sehr viel Geld. Michael Kretschmer nimmt den Ball gleich auf, erinnert an den Großauftrag über 30 Straßenbahnen für Dresden, die nun in der Oberlausitz gebaut werden. „So müssen wir weitermachen!“, ruft er den Leuten zu. Nur zu jammern über das, „was alles nicht geworden ist, nützt uns überhaupt nichts“. Dennoch wolle er Klartext reden über Dinge, die in der Vergangenheit nicht richtig waren. Kretschmer arbeitet sich durch die Themen innere Sicherheit, schnelles Internet, Bildung, medizinische Versorgung. Er spricht von „irgendwelchen komischen Wissenschaftlern“, die nur in Ballungsräumen Entwicklungspotenzial sehen. „Das ist aber nicht unsere Meinung, wir investieren hier, weil wir hier leben wollen.“ Er spricht vom sächsischen Weg, der sich etwa mit Blick auf das Thema Russland-Sanktionen von der Haltung auf Bundesebene unterscheide. Kretschmer lobt Schiemann als „charmanten Mann“, der auch mal nerve, aber nie jemanden beschimpfe. Und regt sich – ohne Namen zu nennen – über jene in der Politik auf, die allen anderen immer nur erklären, wie blöd sie sind. Auf diese Weise könne man aber nichts erreichen.

Ein junger Mann mit Einkaufstüte und Sonnenbrille will wissen, wie es gelingen soll, junge Lehrer aufs Land zu holen. Allein die Verbeamtung reiche ja wohl nicht. Kretschmer antwortet mit einem leidenschaftlichen Plädoyer fürs Leben auf dem Land. Später verteidigt er Sachsens Schulsystem, das mehr Lehrer, Inklusion und digitale Bildung brauche, aber nicht völlig umgebaut werden sollte. Ein afghanischer Flüchtling, der Angst vor der Abschiebung hat, liest sein Anliegen von einem Zettel ab. Kretschmer lobt, wie gut er schon Deutsch gelernt habe – und sagt, dass Deutschland ein solidarisches Land sei, es aber für alles Regeln gebe.

Abgrenzung von der Bundes-CDU?

Am Stehtisch geht es dann ohne Mikro weiter. Die – überwiegend älteren – Fragenden wollen wissen, wie er sich von der Bundes-CDU abgrenze, ob er mit den Linken und den Grünen koalieren würde, was er gegen stetig steigende Pflegeheimkosten tun will. Dirk Eule, Geschäftsführer von Orgelbau Eule, berichtet ihm von den Nöten eines kleinen Unternehmens, das nicht solche Löhne wie die Großen zahlen könne und dem deshalb zunehmend Fachkräfte weglaufen. Kretschmer verspricht, nach der Wahl die Firma zu besuchen. Und nimmt sich, während seine Begleiter schon drängeln, auch noch Zeit für das ältere Ehepaar aus dem Stadtteil Gesundbrunnen, das ihm nur mal die Hand schütteln will.