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Sachsen

Kretschmer bleibt sich in Corona-Krise treu

In Zeiten von Social Media setzen viele Politiker auf soziale Netzwerke. Andere stellen sich dem Schlagabtausch auf der Straße - wie Sachsens MP.

Ministerpräsident Kretschmer (grüne Jacke) stellt sich bei einer Anti-Corona-Demo in Dresden den Protestierenden.
Ministerpräsident Kretschmer (grüne Jacke) stellt sich bei einer Anti-Corona-Demo in Dresden den Protestierenden. © René Meinig

Dresden. Als der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) Mitte Mai spontan bei einer Corona-Demonstration im Großen Garten von Dresden aufkreuzte, traf er auf eine illustre Schar. Einer trug ein Froschkostüm, Familien mit Kindern hatten sich bei sommerlichem Wetter auf Wiesen niedergelassen, ein Mann zog auf einem Wagen ein riesiges Porträt von Mahatma Gandhi hinter sich her. Kaum einer trug die vorgeschriebene Atemmaske. Denn viele hielten das Virus sowieso für eine Erfindung von Politik und Medien oder leugneten zumindest seine Gefährlichkeit.

Kretschmer ist seit Wochen unterwegs, um mit Kritikern und Gegnern des Corona-Managements in Deutschland zu sprechen und deren Sorgen und Nöte anzuhören. So wie am Samstag in Plauen, als er Gastronomen und Hoteliers traf. Viele hätten in einen Abgrund geschaut und nicht gewusst, wie es weitergeht, sagte er und kündigte Hilfe auch durch ein eigenes sächsisches Konjunkturprogramm an. 

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Anders als in Plauen wurde mancherorts der Umgangston bei Diskussionen aggressiver - Beleg dafür, wie tief die Gräben sind. Schon im sächsischen Wahlkampf 2019 hatte Kretschmer Dispute mit Gegnern nicht gescheut. Doch nun musste der 45-Jährige quasi im verbalen Nahkampf auf Schlagdistanz agieren.

Kretschmer hat Proteste in der Corona-Krise stets verteidigt. Allerdings macht er einen Unterschied zwischen jenen, die Kritik anbringen und ernsthaft diskutieren und denen, die Stimmung machen und Zwietracht säen wollen. "Bei Gewalt endet die Diskussion", sagt der Regierungschef. 

Das betreffe aber eine kleine Minderheit der Demonstranten. Deswegen sei es gut, wenn sich möglichst viele andere zu Wort melden. "Ich möchte gerne, dass wir zusammenbleiben, auch wenn wir komplett anderer Meinung sind, und uns respektvoll behandeln", sagte er unlängst der "Bild"-Zeitung.

Kretschmer erntet Lob und Respekt

Die Auftritte haben Kretschmer teils Lob und Respekt eingebracht. Kretschmer räumt ein, dass die Krise ihn selbst und seine Herangehensweise an Probleme verändert haben: "Meist merkt man das erst rückblickend im Abstand von einigen Wochen oder Monaten. Ich finde, je älter ich werde, je mehr lasse ich mich überzeugen von anderen und höre auch auf andere Meinungen." Dieses Zuhören sei in dieser Phase sehr wichtig gewesen, es habe ihm Sicherheit vermittelt.

"Die Erfahrung der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass es wichtiger ist, miteinander zu sprechen als gegeneinander zu demonstrieren", bekräftigt Christian Hartmann, Fraktionschef der CDU im Landtag von Sachsen. Auch CDU-Generalsekretär Alexander Dierks hält es für unabdingbar, dass sich Politiker gerade jetzt der Diskussion stellen, Meinungen anderer hören und eigene Entscheidungen zu erklären.

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Freilich kann Kretschmer nicht bei allen punkten. "Herrn Kretschmer eilt der Ruf voraus, er würde mit allen sprechen. Aber das tut er nicht", sagt etwa der sächsische Linke-Fraktionschef Rico Gebhardt. Denn gegenüber der politischen Linken habe Kretschmer durchaus Berührungsängste: "Der Ministerpräsident hätte tausend Möglichkeiten, Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger zu erfahren und mit ihnen zu sprechen. Dazu muss er nicht Leuten seine Aufwartung machen, die mit Mythen und Falschinformationen um sich werfen." (dpa)

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