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Kreuzer fragt sich: Warum immer ich?

Seit gut drei Jahren ist er in Dresden, aber einen Stammplatz hat der Rechtsverteidiger immer noch nicht.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

Den Sketch kennt er nicht. Dabei trifft die Kernaussage in dem englischen Fernsehstück „Dinner for one“ genau seine Situation: „The same procedure as every year“, denn tatsächlich ist es für Niklas Kreuzer der gleiche Ablauf wie in jedem Jahr. Mal spielt er, dann sitzt er draußen, rutscht schließlich doch wieder rein. Seit gut drei Jahren geht das so, also so lange, wie er jetzt bei Dynamo Dresden ist. Dabei fing diese Saison auch für ihn erfolgversprechend an mit dem Sieg gegen Duisburg und seiner Vorlage zum 1:0. Doch dann musste er seinen Platz rechts in der Viererkette für Paul Seguin räumen, der vom VfL Wolfsburg ausgeliehen wurde. Dabei ist das für den Neuzugang nicht mal angestammte Position, er sieht sich selbst eher als zentralen Mittelfeldspieler.

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Kreuzer gibt zu: „Es ist nicht das erste Mal, diesmal aber besonders bitter.“ Natürlich stelle er sich die Frage, warum er immer als Erster aus der Startelf fliegt. „Weil ich das Gefühl hatte, ich habe mir einen gewissen Stand erarbeitet. Wir haben als Mannschaft ein überragendes erstes Jahr in der zweiten Liga gespielt, woran ich meinen Anteil hatte. Aber – so blöd das klingt – Fußball ist Tagesgeschäft.“ Das sagt er im Interview mit der Sächsischen Zeitung, das am Freitag in der gedruckten Ausgabe sowie im Internet unter www.sz-online.de erscheint.

Diese Floskel sei kein Trost. „Das ist nicht einfach, vor allem, wenn du nicht verstehen kannst, warum es so ist.“ Trotzdem habe er sich nicht zu Hause eingeschlossen und die Decke über den Kopf gezogen. „Ich habe mich nach solchen Rückschlägen nie hängen lassen“, meint der 24-Jährige. „Mit schlechter Laune komme ich nicht wieder in die Mannschaft. Ich versuche, mich im Training anzubieten. Das ist die einzige sinnvolle Lösung.“

In Darmstadt durfte er wieder von Anfang ran. „Wenn ich, nachdem ich zweimal 90 Minuten auf der Bank gesessen habe, mit einer – auf Deutsch gesagt – Fresse angekommen wäre, hätte mich der Trainer in Darmstadt sicher nicht gebracht.“ Mit seinen Standards war Kreuzer beim 3:3 an allen drei Toren beteiligt. Allerdings sagt er auch: „Ich will nicht nur deshalb eine Option sein, sondern wegen meiner Spielweise auf der rechten Seite.“ Was ihm fehlt, um vom Wackelkandidaten zum Stammspieler zu werden? „Keine Ahnung. Ich habe zuletzt mit dem Trainer nicht darüber gesprochen. Ich weiß um meine Qualitäten, die ich gerne einbringe. Trotzdem kann ich mich in jedem Bereich verbessern und daran werde ich weiter arbeiten – bis der Trainer zufrieden ist.“ Für den Fall, dass er in den nächsten drei Spielen auf der Bank sitzen würde, hätte Kreuzer aber „schon mal Redebedarf“.

Die Frage, ob es für ihn besser gewesen wäre, im Sommer den Verein zu wechseln, stellt er sich dagegen nicht. Er sei überzeugt, dass es richtig war, bei Dynamo zu bleiben. Warum - das erklärt er im Interview.