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Kreuzkirche offen für weitere Gespräche

Der Bürgerdialog wird so zwar nicht fortgesetzt. Es soll aber in kleinerer Runde weitergehen.

© Sven Ellger

Von Sandro Rahrisch

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Die Luft ist raus: Nach sechs Bürgerdialogen in der Kreuzkirche kann Superintendent Christian Behr nicht nur die Argumente der Asylbefürworter und Asylkritiker in- und auswendig aufzählen. Auch die Unmutsäußerungen, wie er es diplomatisch formuliert, habe er inzwischen zur Genüge gehört. „Ich bin mit Sicherheit nicht frustriert, aber die Fortschritte hielten sich zuletzt doch in Grenzen“, sagte er am Dienstag und machte klar, dass es mit Sicherheit keine weiteren Bürgerdialoge in der Kreuzkirche geben wird.

Dennoch, die Gesprächsrunden zu den Themen Flüchtlinge, Integration, Sicherheit und Bürgerbeteiligung seien ein Leuchtturmprojekt gewesen. „Die Kreuzkirche ist ein Ort, an dem gesellschaftliche wie religiöse Fragen gleichermaßen behandelt werden“, so Behr. Ein Dialog, den viele gern mit der friedlichen Revolution 1989 vergleichen, deren Dresdner Zentrum die Kreuzkirche war. Gleichzusetzen sind beide Ereignisse freilich nicht. Bis zu 6 000 Menschen versammelten sich vorm Mauerfall nahezu täglich in dem Gotteshaus, um von hier aus auf die Straße zu gehen. Diesmal waren es zwischen 300 und 500 Teilnehmer am Abend. Und es sollte gerade nicht darum gehen, die Gesellschaftsordnung über Bord zu werfen, um die erst vor 27 Jahren gekämpft worden war. Ein gesitteter Meinungsaustausch zwischen Asylbefürwortern, besorgten Bürgern und Pegida-Anhängern, so das erklärte Ziel. Nicht immer hat das funktioniert. „Ich habe gemerkt, dass sich viele Besucher gezwungen haben, zuzuhören“, sagte Behr. Doch Beifall zu rechtslastigen Kommentaren gab es ebenso wie höhnisches Gelächter und abfällige Zwischenrufe, als Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sprach.

Über 57 000 Euro Spenden

Dass die Kreuzkirche auch ein Ort politischer Debatten ist, war für Pfarrer Holger Milkau eine gewisse Umstellung, als er vor zwei Jahren nach Dresden kam. Zwölf Jahre lang leitete er eine Gemeinde mit 60 Mitgliedern in Neapel, die Inseln Ischia, Capri und Sorrent gehörten dazu. „Auch in Italien hat die Kirche eine gesellschaftliche Funktion“, sagt Milkau. Aber die absolute Mehrheit der italienischen Gläubigen gehöre der römisch-katholischen Kirche an. Sie sei auch die große Bühne für politische Debatten. Milkau sieht die Kreuzkirche als die Kirche für alle Dresdner. Sie ist mit über 3 000 Plätzen die größte der Stadt. Im Vergleich zur Frauenkirche, die frisch renoviert und wie aus dem Ei gepellt aussehe, sei die Kreuzkirche der Urzustand.

Wie sehr die Dresdner sie schätzen, hat der Förderverein der Kreuzkirche am Dienstag in Zahlen ausgedrückt. Für das Treppenhaus B, das dringend als Nächstes saniert werden muss, sind inzwischen 57 000 Euro zusammengekommen. Jeder Spender übernimmt die Patenschaft für eine Stufe. Auf dieser wird ein Namensschild angebracht. Sieben Stufen sind noch übrig. Eine Stufenpatenschaft kostet 500 Euro. „Wir haben ein Gebäude, das gepflegt und renoviert werden muss“, sagt Milkau. Die brandschutztechnische Sanierung aller Treppenhäuser kostet rund 1,1 Millionen Euro. Eigentlich sollten die Arbeiten in diesem Jahr beginnen. Bislang fehlen aber die Fördermittel des Freistaats. Holger Milkau rechnet damit, dass die Sanierung im kommenden Jahr beginnt. Anschließend ist das Treppenhaus D dran.

Dass die Kreuzkirche nicht mehr als Ort für kommende Bürgerdialoge zur Verfügung stehen wird, heißt nicht, dass sich die evangelische Kirche ganz aus der Verständigung zwischen Flüchtlingsgegnern und -unterstützern zurückziehen wird. Superintendent Christian Behr will mit Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ein neues Gesprächsformat entwickeln. Wahrscheinlich sollen die Dresdner in kleinerer Runde miteinander ins Gespräch kommen. Wie genau das passieren wird, soll bis zum Spätherbst feststehen, so Behr.