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Anklage nach Anschlag auf Dresdner Döner-Imbiss

Der Mann soll am Blauen Wunder einen Brandsatz in den Imbiss geworfen haben. Ihm sei es darauf angekommen, Menschen zu verletzen, so die Staatsanwaltschaft.

Am Schillerplatz hatte ein Mann eine brennende Flasche in einen Dönerimbiss geworfen. Gegen den Beschuldigten wird jetzt Anklage erhoben.
Am Schillerplatz hatte ein Mann eine brennende Flasche in einen Dönerimbiss geworfen. Gegen den Beschuldigten wird jetzt Anklage erhoben. © Tino Plunert (Archiv)

Dresden. Es ist mitten am Tag, als ein Molotowcocktail in ein Kebab-Haus am Blauen Wunder fliegt. Der Imbiss ist zu dieser Zeit geöffnet, Mitarbeiter sind drinnen beschäftigt, zwei Gäste ebenfalls. Nur durch viel Glück wird niemand verletzt. Nun erhebt die Dresdner Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Tatverdächtigen.

Diese Suche nach ihm hatte einige Zeit gedauert: Am 2. März dieses Jahres, gegen 14.15 Uhr, soll er zunächst den selbstgebauten Brandsatz mit offener Flamme durch die offenstehende Tür des Lokals an der Loschwitzer Straße geworfen haben. Doch die Flasche zerbrach, eine Explosion blieb aus. Mitarbeiter hätten die aus dem Flaschenhals herausragenden Flammen mit Wasser löschen können, so die Ermittler.

Verdächtiger ließ Rucksack am Tatort zurück

Der Tatverdächtige, ein 35-jähriger polnischer Staatsbürger, versucht daraufhin auf einem Fahrrad in Richtung Blaues Wunder zu flüchten. Einem Imbiss-Mitarbeiter gelingt es zunächst, den Mann an seinem Rucksack festzuhalten. Doch er kann sich losreißen. Die Polizei schickt noch am selben Tag einen Hubschrauber in die Luft und startet eine bundesweite Fahndung. Auch in Polen wird nach ihm gesucht. Am Tag darauf kann der Beschuldigt festgenommen werden.

Diese Flasche mit brennbarem Material soll der Verdächtige angezündet und in den Imbiss geworfen haben.
Diese Flasche mit brennbarem Material soll der Verdächtige angezündet und in den Imbiss geworfen haben. © Archiv: Tino Plunert

Möglich wurde der Zugriff wohl auch, weil der Verdächtige beim Fluchtversuch seinen Rucksack zurückließ. Darin befand sich ein Ausweis.

Was den Mann zu der Tat getrieben haben könnte, ist bisher unklar. "Im Zuge der geführten Ermittlungen konnte das Tatmotiv des Beschuldigten nicht sicher ermittelt werden", teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. "Belastbare Anhaltspunkte für eine rassistisch motivierte Tat gibt es nicht."

Überzeugt zeigt sich die Anklage jedoch davon, dass es dem Mann darauf angekommen sei, dass sich das Feuer auf wesentliche Bestandteile des Gebäudes ausbreitet oder wenigstens für längere Zeit unbenutzbar macht. Außerdem soll er darauf abgezielt haben, die Mitarbeiter des Kebab-Hauses und zwei Gäste durch das Einatmen der giftigen Rauchgase zu verletzen.

Bei dem 35-Jährigen handele es sich um jemanden, der in Deutschland bislang nicht auffällig geworden sei, hatte die Polizei im März mitgeteilt. In seinem Heimatland sei er aber erheblich vorbestraft, wie inzwischen feststeht.

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Der mutmaßliche Täter befindet sich aktuell weiter in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft erhebt gegen ihn unter anderem Anklage wegen versuchter gesundheitsgefährdender, schwerer Brandstiftung sowie versuchter gefährlicher Körperverletzung. Jetzt muss das Dresdner Landgericht darüber befinden, ob die Anklage zugelassen und ein Hauptverfahren eröffnet wird. Einen Termin gibt es bisher nicht.

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