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Betrunkener Döbelner schlägt Polizisten

Der Mann pöbelt, beleidigt und fährt alkoholisiert Auto. Nun muss er sich vor Gericht verantworten. Und das nicht zum ersten Mal.

Ein 56-jähriger Döbelner muss sich zum wiederholten Mal vor dem Amtsgericht verantworten.
Ein 56-jähriger Döbelner muss sich zum wiederholten Mal vor dem Amtsgericht verantworten. © André Braun

Döbeln. Es sollte eine gemütliche Feier zum ersten Hochzeitstag zweier befreundeter Pärchens werden. Doch die endet mit einem doppelten Polizeieinsatz und mehreren Anklagen vor Gericht.

Dort muss sich ein 56 Jahre alter Döbelner wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, vorsätzlicher Trunkenheit im Verkehr und vorsätzlicher Körperverletzung verantworten. Wegen teilweise ähnlicher Delikte hat der Mann bereits sechs Vorstrafen.

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Der Angeklagte war im September vergangenen Jahres mit seiner wesentlich jüngeren Verlobten und dem gemeinsamen Baby bei einem Paar in Mahlitzsch zu Gast. Das feierte seinen ersten Hochzeitstag. Der Nachmittag begann scheinbar harmonisch. Am Abend sei die Situation eskaliert.

Der Grund sei eigentlich ein lapidarer gewesen. Weil es kühl geworden war, seien die beiden Paare ins Haus gegangen. Während sich die Mahlitzscher in ihrem Wohnzimmer vor den Fernseher setzten, sei er mit seiner Familie in der Küche geblieben, schildert der Angeklagte.

Plötzlich habe sein Bekannter das Licht in der Küche aus, kurz danach dessen Frau wieder angemacht. In dem Moment habe er von dem Bekannten einen Fausthieb erhalten. Einen Grund könne er dafür nicht nennen.

Alkoholisierte Autofahrt gefilmt

Beide Männer seien alkoholisiert gewesen. Damit sich die Situation nicht weiter zuspitzt, habe die Döbelner Familie die Feier verlassen wollen. Alle Versuche, ein Taxi zu bekommen, seien fehlgeschlagen. Es sei eine Notsituation gewesen, begründet der Angeklagte, weshalb er dann betrunken ins Auto gestiegen und mit seiner Familie nach Hause gefahren sei.

Ein Video, das Richter Simon Hahn während der Verhandlung abspielt, belegt, dass der Mahlitzscher den Döbelner an dieser Fahrt hindern wollte. Obwohl der Mahlitzscher selbst die Polizei gerufen hatte, habe er dann doch keine Anzeige erstatten wollen, berichtet eine Beamtin als Zeugin vor Gericht. Der Mann habe aber die Situation geschildert, sodass parallel eine Streifenwagenbesatzung zur Wohnung des Döbelners geschickt worden sei.

Die Beamten hätten den Angeklagten in der Wohnung seiner Verlobten angetroffen, die vor Gericht von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat. Mehrere Polizisten hätten etwa 20 Minuten benötigt, um den Angeklagten zu überzeugen, für einen Atemalkoholtest mit zum Streifenwagen zu kommen. Während dieser Zeit habe der Mann weitergetrunken.

Über 2 Promille im Blut

Nachdem sich vor dem Haus die Alkoholisierung des Mannes bestätigt hat, habe er sich geweigert in den Streifenwagen zu steigen. Mit diesem sollte er zur Blutentnahme ins Krankenhaus gebracht werden. Stattdessen habe der Angeklagte die Beamten mit Idioten, Schlaffi und Rotzer beleidigt und einen der Polizisten mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen. Dieser erlitt dadurch eine Platzwunde an der Oberlippe. Bei dem Gerangel sei der Beamte gegen ein parkendes Auto geprallt, an dem eine Beule entstand.

Zwei seiner Kollegen hätten den Angeklagten niedergerungen, ihm Handschellen angelegt und dann zur Blutentnahme gebracht. Die ergab im Abstand von einer halben Stunden Werte von 2,2 und 2,0 Promille.

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All das fließt in das spätere Urteil ein. Ein weiteres Verfahren wird auf Antrag des Staatsanwaltes eingestellt, weil es keinen Einfluss auf das Strafmaß haben würde. Auch dabei ging es um Beleidigung. Diesmal stand Döbelns Oberbürgermeister im Fokus.

Unter den Bericht einer Tageszeitung über die Eröffnung des Corona-Testzentrums im Rathaus war über den Facebook-Account des Angeklagten kommentiert worden, ob Sven Liebhauser „auch so ein Merkel-Faschist“ sei. Auf den Account haben aber außer dem Angeklagten noch zwei weitere Personen Zugriff.

Letzte Chance für Bewährungsversager

Für die alkoholisierte Autofahrt, die Beleidigungen und den Angriff auf den Polizisten fordert der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung, da die Taten während einer Bewährungszeit erfolgt sind und es bei dem Angeklagten eine sehr hohe Rückfallgeschwindigkeit gebe.

Auch der Anwalt des Döbelners Andreas Baereke spricht von einem Bewährungsversager. Trotzdem plädiert er für sechs Monate Freiheitsentzug mit Bewährung. Der Angeklagte solle solch eine Chance letztmalig erhalten.

Die gewährt ihm Richter Hahn. Er verurteilt den Döbelner zu acht Monaten mit einer dreijährigen Bewährung. Für sechs Monate wird ihm die Fahrerlaubnis entzogen, er muss 2.000 Euro an die Opferhilfe Sachsen zahlen und trägt die Kosten des Verfahrens. Und Simon Hahn mahnt: „Wenn Sie die Bewährung noch einmal brechen, fällt alles in sich zusammen. Dann sitzen Sie sehr lange ein.“

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