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Döbelner Gericht ahndet Homeschooling

Zwei Monate haben die Eltern aus Döbeln ihre Kinder zu Hause unterrichtet – trotz Präsenzpflicht. Dann erhielten sie Bußgeldbescheide.

Weil Eltern ihre Kinder nicht in die Schule geschickt und stattdessen zu Hause unterrichtet haben, saßen sie jetzt vor Gericht.
Weil Eltern ihre Kinder nicht in die Schule geschickt und stattdessen zu Hause unterrichtet haben, saßen sie jetzt vor Gericht. © Symbolfoto: Pixabay.com

Döbeln. Die kleinen Mädchen besuchen die erste und vierte Klasse einer Döbelner Grundschule. Ihre Klassenkameraden haben die beiden im Herbst vergangenen Jahres allerdings nicht gesehen.

Die Eltern der Kinder – ein Döbelner Geschäftsmann und seine Frau – hatten entschieden, ihre Töchter in der Zeit vom 31. August bis zum 3. November 2020 zu Hause zu unterrichten, obwohl zu dieser Zeit Präsenzpflicht in den Schulen bestand.

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Drei Gespräche mit der Schulleiterin und den Klassenleiterinnen der Mädchen verliefen ergebnislos. Deshalb informierte die Schule die Abteilung Jugend und Familie des Landratsamtes. Letztendlich wurden gegen die Familie, die auf einem Dorf in der Region Döbeln lebt, pro Elternteil und Kind Bußgelder ausgesprochen.

Erziehung aus dem Glauben heraus

Dagegen legten die Eltern Einspruch ein und beantragten vor Gericht die Einstellung der insgesamt vier Verfahren. Auf die Frage von Richter Wolfgang Dammer, weshalb die Eltern ihre Kinder nicht in die Schule geschickt haben, wollen diese sich zuerst nicht äußern, ändern dann aber schnell ihre Meinung.

Sie hätten erst sehr spät erfahren, wie die Schulanfangsfeier der jüngeren Tochter ablaufen soll. Ähnlich sei es mit dem Hygienekonzept gewesen, das die Schule im neuen Schuljahr umsetzen musste. Zudem hätten sie bereits im vorangegangenen Schuljahr mitbekommen, welche Vorteile das Homeschooling habe.

Die nennt das Ehepaar nicht, stattdessen zählt die Frau die Nachteile des Präsenzunterrichts auf: In der Schule sei die Gefahr der Ansteckung der Kinder mit dem Coronavirus groß, es gebe ein unbewusstes Mobbing gegenüber Schülern, die in Quarantäne müssen und das Hygienekonzept der Schule sei kein gesundes.

Der Mann verweist darauf, dass die Familie sehr religiös sei und erklärt: „Wir erziehen die Kinder aus dem Glauben heraus, transparent und authentisch.“

Vier Verhandlungen mit vier Bußgeldern

In gewisser Weise könne er die Bedenken der Eltern nachvollziehen, sagt Richter Dammer. Das ändere aber nichts daran, dass die Eltern verpflichtet sind, die Kinder in die Schule zu schicken, solange Präsenzpflicht besteht.

Es habe weder ein Attest vorgelegen, noch triftige Gründe, die Kinder zu Hause zu unterrichten. Auch das Schulamt, an das sich die Eltern gewandt hatten, habe das untersagt. „Spätestens dann hätten Sie die Kinder wieder in die Schule schicken müssen“, so Dammer.

Er verurteilte die Eltern in vier aufeinanderfolgenden Verhandlungen zu einem Bußgeld in Höhe von jeweils 185 Euro. Außerdem tragen sie die Kosten der Verfahren und ihre eigenen Auslagen. Gegen die Urteile können die Eltern noch innerhalb einer Woche Rechtsbeschwerde einlegen.

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