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Echter Betrug auf virtuellen Tischen in Dresdner City

Ein Dresdner Kellner soll über Jahre das Kassensystem eines Lokals zu seinen Gunsten manipuliert haben. Er könnte nun mit einem blauen Auge davonkommen.

Ein Dresdner Kellner soll über Jahre das Kassensystem eines Lokals zu seinen Gunsten manipuliert haben. Er könnte nun mit einem blauen Auge davonkommen.
Ein Dresdner Kellner soll über Jahre das Kassensystem eines Lokals zu seinen Gunsten manipuliert haben. Er könnte nun mit einem blauen Auge davonkommen. © Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Dresden. Die Chefs des bajuwarischen Erlebnisgastronomie-Betriebs in der Dresdner Innenstadt sind sich sicher. Ihr ehemaliger Kellner soll über die Jahre gut und gerne 15.000 Euro aus den laufenden Umsätzen in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Am Amtsgericht Dresden wird dem 34-jährigen Angeklagten jedoch ein weit geringerer Betrag und ein recht überschaubarer Tatzeitraum vorgeworfen.

In 31 Fällen soll der Schichtleiter zwischen Oktober 2018 und Februar 2019 insgesamt etwas mehr als 1.600 Euro ergaunert haben, sagte Oberstaatsanwalt Jürgen Schmidt zum Prozessauftakt am Dienstag.

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Nach Justizangaben soll der 34-Jährige seinen Schwindel mit Getränke-Buchungen in dem elektronischen Kassensystem des Lokals durchgezogen haben. Dabei halfen in dem Kassensystem angelegte „virtuelle“ Tische für Service, Küche und Geschäftsführung. So sollte sichergestellt sein, dass Freigetränke für Angestellte dennoch ordentlich verbucht werden.

Klage gegen Kündigung

Der Angeklagte habe jedoch ein Wirrwarr an Um- und Fehlbuchungen zwischen den Gäste- und Mitarbeitertischen erzeugt, sodass die Entnahme der echten Beträge aus der Kasse am Ende niemandem mehr aufgefallen war. Gäste seien nicht zu Schaden gekommen, wohl aber das Unternehmen. Die Masche kam ans Licht, als sich auf der Rechnung einer Touristengruppe aus Asien kein einziges Getränk befunden hatte.

Der nächste Akt des langwierigen Verfahrens spielt vor dem Dresdner Arbeitsgericht. Dort hatte der mutmaßliche Betrüger gegen seine Kündigung geklagt. Das Gericht setzte das Verfahren im Hinblick auf das Strafverfahren aus. Im Januar 2020 erhob die Staatsanwaltschaft Anklage und schob dem Gericht Kisten mit Ausdrucken Tausender Buchungen aus dem Kassensystem hinüber – noch bevor wenig später die Lichter in der ganzen Dresdner Gastronomie coronabedingt ausgingen.

Unübersichtliche Buchungen

Verteidiger Rolf Franek kritisierte das Verfahren gegen seinen Mandanten gleich in mehrfacher Hinsicht. Zunächst handle es sich bei dem Vorwurf wohl eher nicht um „Computerbetrug“, wie es die Staatsanwaltschaft angeklagt hatte, sondern um eine schlichte Unterschlagung.

Darüber hinaus sei die Anklage zu wenig konkret in der Frage, wie sein Mandant überhaupt vorgegangen sein soll. Es gebe darüber hinaus Hinweise, dass auch andere Mitarbeiter die Buchungen durchgeführt haben könnten. Es sei schwer vorstellbar, dass ein Einziger das so hätte schaffen können.

Darauf entgegnete Oberstaatsanwalt Schmidt, die Taten seien hinreichend präzise dargestellt. Für eine genauere Darstellung hätte man einen externen Sachverständigen hinzuziehen müssen. Diese Kosten, sicher mehrere Tausend Euro, habe man dem Angeklagten ersparen wollen.

Zeit für ein Rechtsgespräch, an dem auch der Rechtsbeistand des Lokals teilnahm. Hinter verschlossenen Türen kamen die Parteien überein, dass das Verfahren gegen den nicht vorbestraften Angeklagten eingestellt werden könnte und er mit seinem Ex-Arbeitgeber einen Vergleich erzielt, der es ermöglicht, auch den „Ruhend gestellten“ Arbeitsgerichtsprozess zu beenden. Wenn das nicht klappt, wird sich wohl doch ein Gutachter mit den Kassenjournalen befassen müssen – und dann wird es richtig teuer.

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