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Zigarette entzündet Balkon auf Dresdner Neumarkt

Am Dresdner Neumarkt entzündet die Glut einer Zigarette die hölzernen Dielen eines Balkons. Nun hat ein IT-Experte versucht, ein Urteil wegen fahrlässiger Brandstiftung abzuwenden.

Von Alexander Schneider
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Nach einem Balkonbrand in der Nachbarschaft der Dresdner Frauenkirche wurde ein Amerikaner wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt. Er hatte seine Zigarette nicht sorgfältig genug ausgedrückt.
Nach einem Balkonbrand in der Nachbarschaft der Dresdner Frauenkirche wurde ein Amerikaner wegen fahrlässiger Brandstiftung verurteilt. Er hatte seine Zigarette nicht sorgfältig genug ausgedrückt. © dpa/Robert Michael

Dresden. Weil er aus Unachtsamkeit seinen Balkon in Brand steckte, erhielt ein Informatiker eine Geldstrafe von 4.500 Euro per Strafbefehl. Nun fand der Prozess am Amtsgericht Dresden statt, weil der 27-Jährige hoffte, das Urteil abwenden zu können.

Der US-Amerikaner hatte im September 2020 in Dresden gearbeitet und in einer edlen Wohnung im fünften Obergeschoss am Neumarkt gewohnt. An einem Nachmittag hatte er seine Zigarette in einem Joghurtbecher ausgedrückt – und das Unheil nahm seinen Lauf. Die Glut entzündete die hölzernen Balkondielen und die Fensterbrüstung seiner Wohnung. 14.000 Euro Schaden kamen zusammen, und der Strafbefehl wegen fahrlässiger Brandstiftung.

Nun, gut zweieinhalb Jahre nach dem Brand, reiste der IT-Spezialist eigens aus den USA zu seinem Prozess am Amtsgericht Dresden, weil er die Strafe nicht akzeptierte. Sein Verteidiger Wolf-Georg Winkler bat, die Sache gegen eine Geldauflage einzustellen. Der Schaden sei reguliert, sein Mandant von Anfang an immer kooperativ gewesen, argumentierte Winkler.

Nun jedoch könnten dem Angeklagten, der gerne auch wieder in Dresden arbeiten würde, mit diesem Urteil auch ausländerrechtliche Nachteile drohen. Kurz: Was soll jetzt eine Strafe noch? Der 27-Jährige habe doch aus seinem Fehler gelernt.

Neumarkt: "Hohes Schadenspotential"

Doch die Staatsanwaltschaft zeigte sich wenig kooperativ und lehnte eine Einstellung der Sache kategorisch ab. Die Geldstrafe liege ohnehin im untersten Bereich. Es handle sich am Neumarkt um ein "sehr eng bebautes Gebiet" mit einem entsprechend "hohen Schadenspotential", auch angesichts der Holz-Verkleidung auf dem Balkon des 27-Jährigen.

Die Höhe der Geldstrafe von 4.500 Euro ergab sich aus dem Produkt von 50 Tagessätzen zu je 90 Euro. Da der Angeklagte inzwischen sehr gut verdient, drohte ihm daher in diesem Einspruchsprozess eine weit höhere Geldstrafe - mehr als 13.000 Euro. Der Grund: Die Tagessatzhöhe wird aus einem Dreißigstel des angegebenen Netto-Monatseinkommens berechnet.

Für den Amerikaner stand eine Verdreifachung seiner Geldstrafe im Raum, wie ihm die Richterin eröffnete. Daher nahm der Angeklagte seinen Einspruch sehr schnell zurück - und akzeptierte damit das ursprüngliche Urteil aus dem Strafbefehl.

Die Richterin lobte die Kooperationsbereitschaft des Angeklagten mit den Behörden von Anfang an. 50 Tagessätze seien daher schon sehr niedrig. Eine Strafe von 50 Tagessätzen tauche ohnehin nicht im Vorstrafenregister auf. Das sei erst bei Strafen von mehr als 90 Tagessätzen der Fall.