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Ein Feuer als letzter Ausweg aus der Verzweiflung?

Ein Mann hat seine Dresdner Wohnung angesteckt und damit alle Bewohner des Hauses gefährdet. Jetzt hat er vor Gericht gestanden.

Verheerend waren die Folgen dieses Wohnungsbrandes in einem Mehrfamilienhaus in der Dresdner Sanddornstraße. Kurz vor Weihnachten hatte ein 58-jähriger Alkoholiker in seiner Wohnung gezündelt - offenbar aus Frust über sich selbst.
Verheerend waren die Folgen dieses Wohnungsbrandes in einem Mehrfamilienhaus in der Dresdner Sanddornstraße. Kurz vor Weihnachten hatte ein 58-jähriger Alkoholiker in seiner Wohnung gezündelt - offenbar aus Frust über sich selbst. © Archivfoto: Roland Halkasch

Dresden. Uwe P. hat viele Geschwister, doch Kontakt hat er zu niemandem aus seiner großen Familie. Stattdessen besuchen ihn alte Kumpels, Saufkumpane und Obdachlose in seiner Einraumwohnung in der Omsewitzer Sanddornstraße. Irgendwann wurde das dem 58-Jährigen, der selbst ein ungelöstes Alkohol- und Drogenproblem hatte, zu viel. Am 18. Dezember 2020, wenige Tage vor Weihnachten, verkippte der Dresdner kurz nach Mitternacht an zwei Stellen Brandbeschleuniger und steckte seine Wohnung in Brand.

Zwar bekam er noch mit, was er angerichtet hatte, und alarmierte die Feuerwehr – doch die Flammen waren nicht mehr zu stoppen. Nach wenigen Minuten stand seine Erdgeschosswohnung im Vollbrand. Die Feuerwehr evakuierte das Gebäude. 44 Menschen aus allen 18 Wohnungen dieses Treppenaufgangs mussten den Sechsgeschosser verlassen – auf unbestimmte Zeit. Sie alle konnten die Weihnachtsfeiertage nicht zu Hause verbringen. Zehn Menschen, darunter drei Kinder, erlitten Rauchgasvergiftungen und mussten in Krankenhäusern behandelt werden.

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Reue und Schuldeinsicht

Uwe P. wurde in eine psychiatrische Klinik eingewiesen, da nicht klar war, in welchem Zustand er gehandelt hatte. Im Juni hatte sein Prozess am Landgericht Dresden begonnen. Jetzt gibt es ein Urteil.

Wegen schwerer Brandstiftung, schwerer gesundheitsgefährdender Brandstiftung und wegen gefährlicher Körperverletzung in zehn Fällen erhielt der Angeklagte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Der Vorsitzende Richter, Thomas Mrodzinsky, sagte, Uwe P. habe ein umfassendes Geständnis abgelegt, das auch von Reue und Schuldeinsicht geprägt gewesen sei.

Vermindert schuldfähig

Ein psychiatrischer Sachverständiger kam vorher zu dem Schluss, dass der Angeklagte zur Tatzeit das Unrecht seines Handelns habe erkennen können, seine Schuldfähigkeit jedoch zumindest eingeschränkt gewesen sei. „Der Angeklagte hat geglaubt, nicht anders handeln zu können“, so der Vorsitzende. P. habe sich wegen seiner Gutartigkeit und Gutherzigkeit ausgenutzt gefühlt. So hatte es Verteidiger René Zebisch beschrieben und auch die Richter teilten diese Sicht. Neben dem Geständnis wertete das Gericht strafmildernd, dass der 58-Jährige noch den Notruf wählte.

Strafschärfend jedoch berücksichtigte die Kammer die hohe Anzahl an Verletzten und Betroffenen in dem Haus, die er in größte Gefahr gebracht habe, den hohen Sachschaden, der in der Anklage auf mindestens 200.000 Euro beziffert worden war, und die erheblichen Vorstrafen des Brandstifters. Das Gericht ordnete an, dass P. solange in der Klinik bleibt, bis er in eine Alkoholentzugseinrichtung wechseln kann. Der Angeklagte habe einen Hang, Alkohol im Überfluss zu trinken.

Das Gericht war im Strafmaß dem Plädoyer von Staatsanwalt Til von Borries gefolgt. Zebisch hatte nicht mehr als die vier Jahre und drei Monate gefordert.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über das Thema Suizid, außer es erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800 1110111 und 0800 1110222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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