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Erzbischof entschuldigt sich bei Missbrauchsopfer

Ein Mönch soll eine Sächsin sexuell genötigt haben. Die Aufklärung des Falls innerhalb der Katholischen Kirche kam über Jahre nicht voran.

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bittet die Betroffene um Entschuldigung. „Sollte ich Signale oder Hinweise auf Missbrauch nicht wahrgenommen haben, so bedaure ich dies zutiefst.“
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bittet die Betroffene um Entschuldigung. „Sollte ich Signale oder Hinweise auf Missbrauch nicht wahrgenommen haben, so bedaure ich dies zutiefst.“ © Erzbistum Berlin/Walter Wetzler

Von Jens Schmitz*, Tobias Wolf und Ulrich Wolf

Dresden/Berlin/Freiburg In einem von der BZ und der Sächsischen Zeitung recherchierten Missbrauchsfall räumt jetzt der erste Kirchenobere mögliche Versäumnisse ein. Berlins Erzbischof Heiner Koch bedauere es „zutiefst“ und bitte die Betroffene aus Sachsen um Entschuldigung, sollte er „Signale oder Hinweise auf Missbrauch“ nicht wahrgenommen haben, teilte sein Sprecher am Mittwoch mit.

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Koch, bis 2015 Bischof von Dresden-Meißen, hatte mit der Frau damals zwei Gespräche geführt.

Erst im vergangenen Jahr war der Fall nach Anordnung des heutigen Dresdner Bischofs Heinrich Timmerevers unter Berufung auf die seit 2020 geltende Missbrauchsordnung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) untersucht worden.

Timmerevers untersagte daraufhin zwei Mönchen des Pallottiner-Ordens den Seelsorgedienst in seinem Bistum. Einer der Patres soll 1990 die damals 22-jährige DDR-Bürgerin im Notaufnahmeverfahren in Franken missbraucht, der andere den Missbrauch gedeckt haben. Die Vorwürfe seien glaubhaft und wahrscheinlich, so Timmerevers.

Der Fall hatte einen Streit zwischen Dresden und dem Erzbistum Freiburg ausgelöst, in dem die Patres leben und arbeiten. Freiburg hatte unter Berufung auf das Kirchenrecht keine Handlungsgrundlage gesehen. Die Missbrauchsordnung der DBK geht über das römische Recht aber hinaus. Dieses lässt solche regional gültigen Ordnungen auch zu.

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Berlins Erzbischof Koch hat sich der Dresdner Entscheidung angeschlossen und die Pallottiner gebeten, Sorge zu tragen, dass die Patres bis zur Klärung der Vorwürfe nicht in seinem Erzbistum tätig werden. Andere Bischöfe und Ordensobere haben ähnlich entschieden.

*Jens Schmitz ist Südwest-Korrespondent der Badischen Zeitung.

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