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Fürs Glücksspiel: Dresdner betrügt Familie der Freundin

Ein 27-jähriger Dresdner hat Familie, Freunde und Bekannte um knapp 500.000 Euro erleichtert. Sie glaubten an eine profitable Gold-Anlage – er ans Glücksspiel.

Von Alexander Schneider
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Sie glaubten an traumhafte Renditen für ihr Investment in Gold und Silber-Anlagen. Doch dem Dresdner Betrüger, dem sie mehr oder weniger leichtfertig aufgesessen waren, hatten sie nur das nötige Geld für seine Spielsucht verschafft.
Sie glaubten an traumhafte Renditen für ihr Investment in Gold und Silber-Anlagen. Doch dem Dresdner Betrüger, dem sie mehr oder weniger leichtfertig aufgesessen waren, hatten sie nur das nötige Geld für seine Spielsucht verschafft. © Archivfoto: kairospress

Dresden. Ein 27-jähriger Angeklagter ist am Amtsgericht Dresden wegen Betruges in 18 Fällen zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt worden. In seinem Prozess gestand Nico S., ab 2016 mit seinen Schwindeleien 448.193,20 Euro erbeutet zu haben.

Das Motiv sei Spielsucht gewesen, wie er sagte. Laut Anklage hatte der ungelernte frühere Hauptschüler eine erfolglose Marketingfirma. Nach deren Abmeldung habe begonnen, vermeintliche Edelmetall-Kapitalanlagen zu verkaufen. Seinen Kunden habe er für Investments in Gold- und Silber-Geschäfte eine Rendite von bis zu zwölf Prozent und weitere Zulagen versprochen. Die sechs Geschädigten hatten bei ihm Summen zwischen 3.000 Euro und 309.510,50 Euro verloren.

"Es gab nie Fragen, niemand hat etwas wissen wollen", so der Angeklagte. Er habe nichts investiert, sondern nur "Unterlagen erstellt und ein Logo", das habe den "Anlegern" genügt. Er habe keine Ahnung von diesen Geschäften gehabt. „Was ich gut konnte, war die Leute überzeugen, diese Anlagen zu kaufen“, sagte er. "Am Ende hab' ich das selbst geglaubt."

Täter will alles zurückzahlen

Das Geld habe er in Spielkasinos verzockt. Mit Gewinnen hätte er die Summen zurückzahlen können. 2020 stellte Nico S. sich nach Rücksprache bei seinem Verteidiger Andreas Boine selbst bei der Dresdner Staatsanwaltschaft. Auch vor Gericht räumte er alle Taten ein. Zu den Opfern zählen eine Freundin, der Vater seiner Partnerin, mit der er nach Stuttgart gezogen sei, und deren Tante: "Ich werde mein restliches Leben damit verbringen, alles zurückzuzahlen." Man hofft, dass es nicht das nächste leere Versprechen ist.

Mit seiner Spielsucht, der er an Automaten, in Online- und realen Casinos nachging, hatte S. offenbar schon vor Jahren zu tun. Er ist mehrfach zu Geldstrafen vorbestraft. Einmal habe er die Tageseinnahmen einer Fleischerei, in der er jobbte, gestohlen, um das Geld zu verspielen.

S. sagte, nach seinem Neunte-Klasse-Hauptschulabschluss und einem berufsvorbereitenden Jahr habe er eine Lehre als Verkäufer in einem Dresdner Modehaus begonnen - und schon nach drei Monaten geschmissen. "Das war nichts für mich." Er sei dann zu der Überzeugung gekommen, dass er nicht für ein Leben als Angestellter geschaffen ist.

Sein Redetalent wird ihm dabei geholfen haben. Auch im Gericht blitzte es hin und wieder auf, etwa wenn er dem Richter sagte, dass er die Büroarbeit mit Unterlagen "spannend" finde. Da ging es darum, dass er derzeit für eine Dienstleistungsfirma, die sich mit Kryptowährungen befasst, als Coach tätig sei und es ihm Spaß mache, den Mitarbeitern etwas beizubringen.

Leichtes Spiel?

Ein psychiatrischer Gutachter attestierte dem Angeklagten eine narzisstische Störung und eine erhebliche Kluft zwischen Anspruch und Leistungsvermögen. Der Sachverständige nannte die Taten "Beschaffungskriminalität" für die Spielsucht. Auch von seinen Partnerinnen habe sich S. "aushalten lassen".

Die Staatsanwältin hatte eine Haftstrafe von drei Jahren und drei Monaten gefordert, die Verteidigung eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren. Sein Mandant habe sich gestellt, Aufklärungshilfe geleistet – die Taten seien ihm sehr leicht gemacht worden.

Richter Ralf Schamber, der Vorsitzende des Schöffengerichts, sagte in seiner Urteilsbegründung, bei einem Schaden in dieser Höhe sei eine Gesamtfreiheitsstrafe, die man noch zur Bewährung aussetzen kann, nicht mehr möglich.

Zwar wertete das Gericht die Selbstanzeige und die Aufklärungshilfe strafmildernd, die Taten seien ihm auch leichtgemacht worden. Doch Nico S. habe mit seinen Betrügereien das Vertrauensverhältnis der Geschädigten und auch Liebesbeziehungen erheblich ausgenutzt. Das Gericht ordnete darüber hinaus die Einziehung der Schadenssumme von 448.193,20 Euro an.