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Großenhainer Mordkomplott: Prozess wieder verlängert

Seit Mai stehen vier Angeklagte aus Großenhain vor dem Dresdner Landgericht, weil sie einen Mann grausam getötet haben sollen.

Von Alexander Schneider
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Stefanie W. soll ihren Mann gemeinschaftlich ermordet haben. Sie muss sich mit drei weiteren Angeklagten derzeit vor dem Dresdner Landgericht verantworten.
Stefanie W. soll ihren Mann gemeinschaftlich ermordet haben. Sie muss sich mit drei weiteren Angeklagten derzeit vor dem Dresdner Landgericht verantworten. © Kristin Richter (Archiv)

Dresden. Es ist einer der spektakulärsten Prozesse dieses Jahres: Zwei Männer und zwei Frauen aus Großenhain sollen sich abgesprochen haben, den Ehemann einer Mitangeklagten zu töten. Sie sollen den 38-Jährigen am 13. Juni 2020 abends gewaltsam in ein Auto gezerrt, ihn in ein Waldstück entführt und dort auf ihn eingeschlagen und eingetreten haben, heißt es in der Anklage. Sie sollen den schwerstverletzten Mann dort sich selbst überlassen haben. In den folgenden Tagen seien drei der vier Angeklagten mehrfach zurückgekehrt, um weiter brutal auf ihr Opfer einzuwirken. Irgendwann zwischen Sonntag und Dienstag, genau weiß das niemand, erlag Dirk W. seinen Verletzungen.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass die Initiative von Stefanie W. (32) ausging. Die damals noch vierfache Mutter habe es auf die Sterbegeldversicherung über 17.000 Euro abgesehen, sich von W. getrennt und mit ihm um den gemeinsamen Sohn gestritten. Den Mitangeklagten sei ein Teil des Geldes versprochen worden.

Die Verdächtigen wurden am Freitag, 19. Juni 2020, entdeckt und sitzen seit jenem Wochenende in Haft. Im Mai hat ihr Prozess um das sogenannte Großenhainer Mordkomplott vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Dresden begonnen. Zwischenzeitlich hat das Gericht zahlreiche Zeugen vernommen, um das Umfeld der nach wie vor schweigenden Angeklagten und der grausamen Tat zu erhellen.

Auffällig war etwa, dass Stefanie W. schon Tage vor der Tat Sätze wie „Der muss weg“ gesagt haben soll. Unter anderem bei der Familie ihres damaligen neuen Partners, der angeblich der Vater von Zwillingen ist. Auch der 29-jährige Mitangeklagte Stefan B. glaubte, mit Stefanie zusammen zu sein, wie er sagte. Allein diese chaotischen Beziehungen zeigen, wie aufwendig die Beweisaufnahme ist.

Einzig Stefan B. hatte kurz nach der Tat im Beisein seiner Verteidigerin ein umfassendes Geständnis abgelegt, das er in weiten Teilen in der Hauptverhandlung wiederholte. Vorgespielt wurde auch das etwa vierstündige Video von B.s Polizeivernehmung.

Energische Verteidiger

Ungewöhnlich energisch greifen Verteidiger die Beweisaufnahme des Gerichts an, was wiederholt zu lautstarken Diskussionen mit dem Vorsitzenden Richter Herbert Pröls führt. Die Anwälte halten etwa das frühe Geständnis von B., das er mit seiner Verteidigerin bei der Polizei abgelegt hatte, für nicht verwertbar.

Auch andere Punkte greifen sie an. Ein psychiatrischer Gutachter habe Beschuldigte zur Tat befragt, was ihm nicht zugestanden habe. Vor Weihnachten forderte Anwältin Linda Röttig daher eine erneute Begutachtung ihres Mandanten Andreas R. (52) durch einen anderen Arzt, denn auch R.s Alkoholmissbrauch sei nicht ausreichend berücksichtigt worden.

W. s Verteidiger Oliver Nießing zweifelt das Gutachten eines Insektenforschers an, der den ungefähren Todeszeitpunkt des Opfers anhand in der Leiche vorgefundener Insekten auf Sonntag oder Montag eingegrenzt hatte. Es sei möglich, dass Dirk W. bereits in der ersten Nacht verstorben sei, behauptete Nießing nun und fordert ein neues Gutachten.

Das Gericht wird die neuen Anträge nun prüfen und hat vorsorglich weitere Fortsetzungstermine bis Anfang Februar 2022 angesetzt.