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Im Rückwärtsgang einen Radfahrer verfolgt

Ein Mercedes-Fahrer soll das Recht in der Dresdner Neustadt in seine eigene Hand genommen haben. Doch der Angeklagte bestreitet das.

Auf der Alaunstraße in Dresden sollen ein Mercedes-Fahrer und zwei Radfahrer aneinandergeraten sein.
Auf der Alaunstraße in Dresden sollen ein Mercedes-Fahrer und zwei Radfahrer aneinandergeraten sein. © Robert Michael/dpa (Symbolbild)

Dresden. Es war eine kuriose Verfolgungsfahrt, wenn sie tatsächlich so stattgefunden hat: An einem Sonntagnachmittag im Januar 2020 soll ein Autofahrer einen Radfahrer verfolgt haben, um ihn zur Rede zu stellen – im Rückwärtsgang. Angeblich war der 34-Jährige am Steuer seines Mercedes erzürnt, weil ihm zwei Radfahrer keinen Platz gemacht hatten, als er von der Böhmischen Straße rechts in die Alaunstraße eingebogen war. Einer der Radler soll ihm gegen den Außenspiegel geschlagen haben.

Dann habe der Mann, selbst Neustadtbewohner, die Radfahrer im Rückwärtsgang verfolgt – entgegen der Einbahnstraße bis vor zur Bautzner Straße. Dort habe er gewendet und sei den Radlern in die Glacisstraße hinterher, wo er versuchte, einen Radler auszubremsen. Schließlich fuhr der Mann in Höhe des Kleinen Hauses auf den Bürgersteig und zwang einen 28-jährigen Pedalritter zum Stopp. Der Fahrer stieg aus, bedrohte den Mann mit einem Knüppel, und es folgte ein Wortgefecht.

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Autofahrer will 1.350 Euro nicht zahlen

Der A-Klasse-Fahrer hatte dafür einen Strafbefehl über 1.350 Euro wegen Nötigung und Bedrohung und ein einmonatiges Fahrverbot erhalten. Da er das Urteil nicht akzeptierte, saß er am Mittwoch am Amtsgericht Dresden.

Dort sagte der Angeklagte, der Radfahrer habe ihm den Außenspiegel beim Vorbeifahren kaputt getreten. Er sei dann vorwärts über die Katharinen- und die Königsbrücker Straße zum Albertplatz gefahren, wo er die Radler wiederentdeckt und verfolgt habe. Er habe den 28-Jährigen zum Halten gezwungen, weil er keine andere Möglichkeit gesehen habe, den Täter zu stellen. Er habe den Mann aber nicht mit einem Knüppel bedroht.

Richter verdreifacht Strafe nahezu

Die beiden Fahrradfahrer dagegen stellten die Verfolgung so dar, wie schon kurz nach der Tat. Die 32-jährige Partnerin des Geschädigten hatte alles beobachtet und konnte die Fragen des Gerichts präzise beantworten: Wie der Mercedes ihnen rückwärts durch die Alaunstraße nachsetzte, wie der Fahrer ihren Freund abzudrängen versuchte, mit einem Knüppel bedrohte und dergleichen.

Richter Steffen Krause war von der Schuld des Angeklagten überzeugt und verurteilte ihn wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Nötigung zu einer Geldstrafe von 3.600 Euro und einem zweimonatigen Fahrverbot. Der 34-Jährige schimpfte beim Gehen, die Tat so nicht begangen zu haben. Möglicherweise landet die Verfolgung in der Berufungsinstanz.

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