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Irgendwas mit „rechts-links“?

Ein Student aus Halle soll in Dresden eine Frau mit der Faust geschlagen haben. Fiel vorher das Wort "Zecke"?

Vor dem Dresdner Amtsgericht ist ein Fall von mutmaßlicher Körperverletzung verhandelt worden. Doch das Motiv blieb bis zum Schluss unklar.
Vor dem Dresdner Amtsgericht ist ein Fall von mutmaßlicher Körperverletzung verhandelt worden. Doch das Motiv blieb bis zum Schluss unklar. © Archiv/Marion Doering

Dresden. Alle waren betrunken, die Polizei war schnell vor Ort – doch was an jenem 16. Februar 2020 genau passiert war, ist bis heute unklar. Am Freitag musste sich ein Student aus Halle vor dem Amtsgericht Dresden wegen Körperverletzung verantworten. Er soll an dem Sonntag kurz nach Mitternacht eine Frau in der Dresdner Innenstadt mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben. Bemerkenswert ist, dass am Tag vor der Tat ein Trauermarsch von Rechtsextremen anlässlich der Bombardierung Dresdens stattgefunden hatte.

Der 32-Jährige machte keine Angaben zu dem Vorwurf. Seine Verteidigerin Rita Belter begründete das damit, dass ihr Mandant Opfer einer völligen Falschaussage sei und die Polizei darüber hinaus die Gegenanzeige ihres Mandanten überhaupt nicht bearbeitet habe, kritisiert sie.

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Keine Rötung, keine Schwellung

Als erste Zeugin vernahm Richter Thomas Hassel eine Polizeibeamtin, die vor Ort mit allen Beteiligten gesprochen hatte. Ihr Kollege und sie hätten nach der Alarmierung zwei Männer im Bereich der Seestraße angetroffen. Die stellten sich als der mutmaßliche Verdächtige und der Ehemann der vermeintlich Geschädigten heraus. Alle seien betrunken gewesen, auch die Frau, die behauptet habe, vom Angeklagten zwei bis drei Mal wuchtig mit der Faust auf die Augen geschlagen worden zu sein. Allerdings konnten die Polizisten keine Verletzungen feststellen, keine Rötung, keine Schwellung, kein blaues Auge – auch nicht, nachdem sich die Frau auf Wunsch der Beamten abgeschminkt hatte.

Ob die Auseinandersetzung etwas mit „rechts-links“ zu tun gehabt habe, fragte Hassel, doch die Beamtin konnte mit einem politischen Hintergrund nichts anfangen: „Nein, da war nichts.“ Der Angeklagte, bekleidet mit rotem Schal und grünem Strickpullover, habe bei seiner Mutter eine erfolgreiche Prüfung gefeiert, das Ehepaar im Gewandhaus Cocktails getrunken.

Ja, räumte die Beamtin ein, der Angeklagte habe gesagt, er sei von der Frau als „Zecke“ beschimpft worden, einem einschlägigen Schimpfwort für junge Antifaschisten. Ob die Frau vom Angeklagten auch als „Nazi“ beschimpft wurde – man weiß es nicht. Weder sie noch ihr Ehemann erschienen zum Prozess. Das Gericht stellte daher das Verfahren gegen den 32-Jährigen auf Kosten der Staatskasse ein. Fall erledigt.

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