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Missbrauch in Dresdner Kita: Aussage ohne Öffentlichkeit

Am Montag hat der Prozess gegen einen Erzieher begonnen. Er soll sich an sieben Kindern im Krippenalter vergangen haben.

Lukas B. soll an einer Dresdner Kita mehrere Kinder missbraucht haben. Seit Montag steht er vor Gericht. Verteidigt wird er von Rechtsanwältin Susann Nowack (r.).
Lukas B. soll an einer Dresdner Kita mehrere Kinder missbraucht haben. Seit Montag steht er vor Gericht. Verteidigt wird er von Rechtsanwältin Susann Nowack (r.). © Benno Löffler

Dresden. Zwei Wachtmeister führen einen hageren Mann in den Saal N 1.05 des Landgerichts Dresden. Vor der Angeklagtenbank nehmen sie ihm die Handfesseln ab, begleitet vom Klicken zahlreicher Kameraauslöser. Lukas B., 28 Jahre alt, verbirgt sein Gesicht hinter einem blauen Pappdeckel. An diesem Montag beginnt sein Prozess vor der Jugendschutzkammer. Viele Zuschauer verfolgen den Auftakt. Darunter Eltern aus der Kita, in der B. bis von einem Jahr gearbeitet hatte, ehe die schweren Vorwürfe bekannt geworden sind. Mehrere Mütter von geschädigten Mädchen nehmen als Nebenkläger an der Hauptverhandlung teil.

Die Staatsanwaltschaft Dresden wirft dem gelernten Sozialassistenten vor, zwischen 2018 und 2020 als Krippenerzieher in einer Dresdner Kindertagesstätte sieben Mädchen im Alter von zwei bis drei Jahren dutzendfach schwer sexuell missbraucht zu haben. Es sei seine Aufgabe als pädagogischer Mitarbeiter gewesen, den Mittagsschlaf der Kinder zu beaufsichtigen, sie zu wickeln, umzuziehen und ihnen bei Toilettengängen und der Körperhygiene zu helfen. Einen Großteil seiner Taten habe Lukas B. dabei mit seinem Handy aufgenommen. Oft hätten die Kinder bei den Übergriffen geschlafen, sagt die Staatsanwältin.

Eltern hatten sich mit Verdacht an Polizei gewandt

Außerdem soll sich der Angeklagte bereits zwischen 2013 und 2015 in seinem Leubener Wohnhaus an einem acht- bis zehnjährigen Mädchen aus der Nachbarwohnung vergangen haben. Der 28-Jährige stammt aus Sachsen-Anhalt, lebt seit Jahren in Dresden und ist nicht vorbestraft. Er hat ein umfassendes Geständnis angekündigt. Die Jugendschutzkammer schließt daher für seine Einlassung zu den Vorwürfen und seinen persönlichen Verhältnissen die Öffentlichkeit auf Antrag von Verteidigerin Susann Nowack aus.

Am Rande des Prozesses wird bekannt, dass sich Eltern eines Kindes zunächst mit dem Missbrauchsverdacht an die Polizei gewandt hatten. Daraufhin wurde der Verdächtige am 20. Oktober 2020 noch in der Kita festgenommen und seine Wohnung durchsucht. Dabei fanden die Beamten neben Belegen für die Missbrauchsfälle in der städtischen Kita auch mehr als 50.000 Dateien mit Kinderpornografie, die sich der Angeklagte aus dem Internet und dem Darknet heruntergeladen habe, wofür er sich nun ebenfalls zu verantworten hat.

"Vertrauen der Eltern ist zerstört"

"Solche Taten sind nicht nachvollziehbar", sagt Sabine Bibas, Leiterin des Dresdner Kita-Eigenbetriebes. Auch sie war bis zum Ausschluss der Öffentlichkeit im Publikum. Der Fall habe nicht nur die Mitarbeiter der Dresdner Kita erschüttert, sondern auch das Vertrauen gegenüber den Eltern zerstört, sagt sie. Der Erzieher sei sofort entlassen worden. Eigenbetrieb und Kita hätten für Betroffene Beratungsangebote externer Berater organisiert. Bibas: "Es ist eine furchtbare Situation."

Erst im Frühjahr 2018 wurde der Fall eines Praktikanten bekannt, der in einer Dresdner Kita vier Mädchen missbraucht hatte. Er wurde 2019 am Landgericht Dresden zu vier Jahren Haft verurteilt.

Das Landgericht hat für den Prozess gegen B. sechs Verhandlungstage bis zum 11. November terminiert.

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