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Krypto-Prozess: Teilgeständnis mildert Strafe

Ein Dresdner Spirituosenhändler muss für sechs Jahre in Haft. Sein Laden war Umschlagplatz für Marihuana und andere Rauschgifte.

Sebastian T., hier mit Verteidiger Ulf Weinhold (l.), soll mit erheblichen Mengen Marihuana und Kokain gehandelt haben.
Sebastian T., hier mit Verteidiger Ulf Weinhold (l.), soll mit erheblichen Mengen Marihuana und Kokain gehandelt haben. © Alexander Schneider

Dresden. Nach vier Verhandlungstagen ist der Prozess gegen einen Dresdner Spirituosenhändler am Donnerstag zu Ende gegangen. Der 41-Jährige wurde unter anderem wegen bewaffneten Handels mit Rauschgift zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Darüber hinaus ordnete das Gericht die Einziehung von 165.000 Euro aus den Umsätzen der Drogengeschäfte an.

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Nach Überzeugung der Kammer hat Sebastian T. zwischen März 2020 und seiner Festnahme Ende Januar 2021 rund 25 Kilo Marihuana und Cannabis sowie etwa ein halbes Kilo Kokain umgesetzt. Die Drogen stammten von „Lieferanten“ aus Berlin. T. habe von diesen besonders verschlüsselte Handys erhalten, die ausschließlich für die Bestellungen gedacht waren. Sein Pech: Auch seine Kommunikation wurde im Rahmen der sogenannten Encrochat-Ermittlungen französischer Ermittler im Frühjahr 2020 geknackt und ausgespäht.

Der Angeklagte und seine Familie im Zuschauerraum wirkten erleichtert, als die Vorsitzende Richterin Monika Müller nachmittags das Urteil verkündete. Kurz zuvor hatte die Staatsanwältin eine Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren für weit mehr Taten gefordert. Laut Anklage habe T. schon ab 2019 mehr als 100 Kilo Marihuana und Cannabisprodukte sowie rund zehn Kilo Kokain umgesetzt.

Hauptumschlagplatz war demnach seine Spirituosenmanufaktur in der Dresdner Neustadt. Die Angaben zu diesen Vorwürfen basierten jedoch nicht auf detaillierten Kommunikationsdaten, sondern auf „Schätzungen“ eines früheren Angestellten T.s und weiterer Mitbeschuldigter, gegen die auch ermittelt wird. Das Gericht hielt die Beweiskraft dieser Hochrechnungen für nicht ausreichend.

Druck von den Lieferanten

Am Vortag hatte Sebastian T., er selbst ist seit seiner Jugend Drogenkonsument, ein Teilgeständnis abgelegt. Er habe die Drogen für „eine Art“ Einkaufsgemeinschaft geordert, selbst aber nur einen Bruchteil, mehrere Kilo Marihuana und etwas Kokain konsumiert und für Freunde geordert. Die meisten Drogen seien über seinen 2020 verstorbenen Freund umgesetzt worden.

Er sei bei seiner Festnahme erleichtert gewesen, dass es vorbei war, wie er sagte. Neben gesundheitlichen Problemen einer chronischen Herzkrankheit habe er sich von den Lieferanten unter Druck gesetzt gefühlt. Sie hätten bei ihm ein Depot geplant. Er habe in ihrer Schuld gestanden, weil der verstorbene Freund bei einem Drogengeschäft in Berlin 50.000 Euro „verloren oder verspielt“ habe, so T.

Richterin Müller sagte, T. habe am Tag seiner Verhaftung eine umfassende Aufklärungshilfe geleistet, was die Kammer erheblich zu seinen Gunsten wertete. Allerdings sei es der Angeklagte gewesen, dem die Lieferanten vertraut hätten, dem sie mehrere Kryptohandys überlassen und mit dem sie die Geschäfte abgewickelt hätten.

Verteidiger Ulf Weinhold hatte eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und fünf Monaten gefordert.

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