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LKA Sachsen jagt Finanzbetrüger in der Ukraine und auf dem Balkan

Halb Europa ermittelt gegen ein Netzwerk aus Finanzbetrügern. Über Callcenter und im Internet gaukelte es Anlegern Gewinne vor. Auch Sachsen fielen darauf herein.

Von Ulrich Wolf
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Die in den Focus der Ermittler geratene Milton Group hat ihren Sitz in Kiew. Über Cyperhandel soll das Netzwerk einen Milliardenschaden verursacht haben.
Die in den Focus der Ermittler geratene Milton Group hat ihren Sitz in Kiew. Über Cyperhandel soll das Netzwerk einen Milliardenschaden verursacht haben. © Ukrinform

Dresden/Bamberg/Kiew/Tiflis/Tirana. Das Landeskriminalamt Sachsen ist an einer internationalen Operation gegen ein riesiges Netzwerk von Finanzbetrügern beteiligt. Das teilte am Dienstag die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen in Dresden mit. Zu den Betrugsopfern zählten auch Bürger aus Sachsen, hieß es.

Wie viele Anleger von dem Netzwerk im Freistaat geschädigt worden seien, sei derzeit nicht zu sagte, teilte die Behörde auf Anfrage mit. Die Zentralstelle Cybercrime beim Landeskriminalamt Sachsen ermittle nicht nur wegen Geschädigter im Freistaat, sondern im gesamten Bundesgebiet. Bisher sei eine dreistellige Zahl an potenziell Betrugsopfern erfasst worden.

Nach Informationen von Sächsische.de gehört auch die in Kiew ansässige Milton Group zu dem mutmaßlichen Betrüger-Netzwerk, gegen das wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche ermittelt wird. Das Netzwerk soll weltweit einen Milliardenschaden bei Hunderttausenden Anlegern verursacht haben, meist über Internet-Plattformen wie Cryptobase, Crypto-MB oder Vetero-Bank. Die sächsischen Generalstaatsanwaltschaft berichtet von "mindestens 260 Plattformen". Über diese Internetseiten sollen Kunden mit hohen Renditeversprechen geködert worden sein, Kapitalanlagen etwa in Kryptowährungen zu tätigen. In Deutschland sei von einem Schaden von deutlich mehr als 100 Millionen Euro auszugehen, hieß es.

Laut Generalstaatsanwaltschaft ist läuft das Verfahren schon seit Jahren. Nun sei nach "aufwändigen Vorbereitungen" ein "empfindlicher Schlag" gegen das Netzwerk gelungen. In einer Operation mit Ermittlungsbehörden aus anderen Staaten seien bereits Anfang November unter anderem Callcenter durchsucht worden: sechs in Albanien, fünf in Georgien, drei in der Ukraine und eines Nordmazedonien. Zudem hätten 27 weitere Gebäude und Wohnungen auf der Liste gestanden. Fünf Tatverdächtige seien festgenommen, Vermögen in zweistelliger Millionenhöhe sichergestellt sowie mehr als 500 Computer, Mobiltelefone und sonstige elektronische Geräte beschlagnahmt worden.

Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen hat am Dienstag mitgeteilt, wie aufwändig ein Verfahren gegen Finanzbetrüger ist, in dem Cyberexperten des Landeskriminalamtes eine wichtige Rolle spielen.
Die Generalstaatsanwaltschaft Sachsen hat am Dienstag mitgeteilt, wie aufwändig ein Verfahren gegen Finanzbetrüger ist, in dem Cyberexperten des Landeskriminalamtes eine wichtige Rolle spielen. © SAE Sächsische Zeitung

An den Aktionen im Ausland waren aus Deutschland fünf Staatsanwälte und mehr als 60 Polizeibeamte und IT-Forensiker beteiligt. Die Maßnahmen in Albanien seien durch mehr als 30 spanische Ermittler unterstützt worden. Behörden aus Schweden, Spanien, Finnland, Lettland, Ukraine, Georgien und Albanien hätten in dem Verfahren ein Joint Investigation Team gegründet. Die Koordinierung sei maßgeblich über die in Den Haag ansässige EU-Agentur Eurojust erfolgt, auch Europol sei beteiligt. In Deutschland sind die Kriminalpolizeiinspektion mit Zentralaufgaben Oberfranken in Bamberg sowie das Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Leipzig zuständig. Auch Verbindungsbeamte des Bundeskriminalamtes sind involviert.

Die Finanzbetrüger sollen sich bereits seit 2016 des sogenannten Cybertradings bedient haben. Darin sei auch die Kiewer Milton Group verwickelt. Laut Sicherheitsbehörden beraten dabei angebliche Finanzexperten ihre potenziellen Opfer über vermeintlich lukrative Anlage- und Finanzprodukte, überwiegend im Zusammenhang mit Kryptowährungen, und verleiten sie so zur Geldanlage. Sobald ein Anleger eine Auszahlung wünsche, brecht der Kontakt oftmals ab oder das Investment erleide einen "plötzlichen Totalverlust" des Investments. Die Täter agierten aus professionell betriebenen Callcentern im Ausland.

Die bayerischen und sächsischen Ermittler würden nun mit ihren internationalen Partnern das Beweismaterial sichten und analysieren. "Es zeichnet sich ab, dass die Ermittlungen in Anbetracht der Komplexität der Täterstrukturen noch geraume Zeit in Anspruch nehmen werden", teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit.