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Schlägerei wegen fehlender Maske in Dresden

Trotz laufender Bewährung hat sich ein 30-jähriger Dresdner wieder einmal dazu hinreißen lassen, seine Fäuste einzusetzen.

Zoff um die Maske: Im Januar wurde ein Wachmann in einer einer Einkaufspassage in Dresden von einem Betrunkenen niedergeschlagen. Der Täter ist kein unbekannter und stand nun wieder einmal vor dem Amtsgericht Dresden..
Zoff um die Maske: Im Januar wurde ein Wachmann in einer einer Einkaufspassage in Dresden von einem Betrunkenen niedergeschlagen. Der Täter ist kein unbekannter und stand nun wieder einmal vor dem Amtsgericht Dresden.. ©  Archiv/René Meinig

Dresden. Patrick U. stand am Dienstag erneut vor dem Amtsgericht Dresden. Erst im April war der 30-Jährige dort zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er auf einem Friedhof einen Rentner mit dem Tod bedroht und ihm angekündigt hatte, seinem Hund gleich vor Ort ein Grab auszuheben. Der Aufenthalt auf dem Gottesacker war nicht ganz freiwillig, er zählte zur Arbeitsauflage einer früheren Verurteilung. Für die versuchte Nötigung gegenüber dem Friedhofsbesucher musste er 650 Euro zahlen, obwohl, wie gesagt, der Angeklagte die Tat unter zweifacher Bewährung begangen hatte.

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Insgesamt kommt U. auf elf Vorstrafen. Gewalttaten, Diebstahl, Schwarzfahren, es ist fast alles dabei. Mehrfach saß der Mann ohne Job und Beruf im Gefängnis. 2019 und 2020 erhielt er wegen Drogengeschichten und Widerstands gegen Polizisten mehrmonatige Bewährungsstrafen.

Jetzt im Juni also sitzt U. wieder vor einem Richter, nun geht es um zwei Körperverletzungen, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, begangen am 21. Januar. Zunächst soll U. mit einem Komplizen einen Mann in seiner Wohnung in Zschertnitz geschlagen und dessen Fernseher sowie einen Tisch demoliert haben. Etwas später habe der Angeklagte in der Einkaufspassage Paradiesstraße einen Wachmann mit Fäusten niedergeprügelt, weil er keinen Mund-Nasen-Schutz habe tragen wollen.

Der Angeklagte bestritt die Taten. „Den ersten Vorfall gab es nicht“, sagte seine Verteidigerin Ines Kilian. Der Geschädigte habe seine Wohnung offenbar selbst demoliert. Weder U. noch der Komplize hätten die Wohnung betreten. Die Polizei habe sich von dem Geschädigten etwas vormachen lassen.

Hoffen auf die Therapie

Die Sache mit dem Wachmann sei anders herum gewesen, sagte der Angeklagte. U. sei von dem Mann angegangen worden, der habe ihm zuerst ins Gesicht gefasst, er habe sich „nur“ zur Wehr gesetzt. Ja, auch Alkohol sei im Spiel gewesen. Er habe zu dem Zeitpunkt vielleicht eine Flasche Pfeffi und drei Bier getrunken gehabt. Damals sei ihm noch nicht klar gewesen, dass er ein Alkoholproblem habe. Seit Mitte Mai sei er jedoch trocken und warte auf einen Therapieplatz.

Der „Geschädigte“ räumte tatsächlich ein, in seiner Wohnung gewütet zu haben. Die Akte war voller Fotos vom Ergebnis seiner eigenen Aggression. Doch U. habe in den Fernseher „gelatscht“, sagte der Zeuge, der sich an entscheidende Details nicht erinnerte. Der Mann machte einen fahrigen Eindruck. Er berichtete, sich aus Angst mit einem Butterfly-Messer bewaffnet vor seine Wohnungstür gestellt zu haben. Dann habe er sich bei dem Gerangel mit der Waffe selbst verletzt. Auch der mutmaßliche Komplize sagte aus, die Wohnung nicht betreten zu haben. Das Gericht stellte diese Sache aufgrund der unklaren Beweislage ein.

Ähnlich kurios war die Aussage des Wachmanns. Ihm war nicht anzumerken, dass er wegen U.s Schlägen mehrere Wochen arbeitsunfähig war. Er habe U. freundlich angesprochen, den Alkohol in der Passage nicht so offen zu trinken und die Maske aufzuziehen. Dann sei er von dem Angeklagten plötzlich massiv attackiert worden. Um zu deeskalieren, habe er dem Angeklagten die Hand auf die Brust gelegt. Es blieb offen, ob die Hand in U.s Gesicht war, aber da war das Gerangel schon im Gange.

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Das Gericht verurteilte U. wegen Körperverletzung zu 900 Euro, in der das Urteil vom April enthalten ist. Für eine Notwehr gab es keine Rechtfertigung, so der Richter. Der Staatsanwalt hatte sechs Monate Haft mit Bewährung gefordert. Nun hoffen alle, dass U. seine Alkoholtherapie auch macht.

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