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Whisky, Absinth, Cannabis und Speed

Ein 41-jähriger Schnapsbrenner soll jahrelang in Dresden mit Rauschgift gehandelt haben. Er stolperte über ausgespähte Handy-Chats.

Sebastian T., hier mit seinem Verteidiger Ulf Weinhold (l.), soll mit erheblichen Mengen Marihuana und Kokain gehandelt haben. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch T.s Spirituosenladen in der Neustadt. Am Mittwoch begann der Prozess am Landgericht Dres
Sebastian T., hier mit seinem Verteidiger Ulf Weinhold (l.), soll mit erheblichen Mengen Marihuana und Kokain gehandelt haben. Eine zentrale Rolle spielte dabei auch T.s Spirituosenladen in der Neustadt. Am Mittwoch begann der Prozess am Landgericht Dres © Alexander Schneider

Dresden. Seit vielen Jahren war oder ist Sebastian T. Inhaber eines liebevoll eingerichteten Spirituosen-Geschäfts in der Dresdner Neustadt. Dort destillierte er Whisky und Gin, selbstkreierte sächsische Absinth-Kompositionen mit weniger Anis und mehr Waldmeister und füllte sie in schöne Flaschen ab. Handarbeit im besten Sinne. Was viele nicht ahnten: Im Keller der Eckhaus-Destille soll Sebastian T. auch Rauschgift vertrieben haben. Sehr viel Rauschgift, über sehr viele Jahre. Seit Mittwoch steht der 41-Jährige wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln vor dem Landgericht Dresden.

T.s mutmaßliche Drogengeschäfte sind offenbar über die Entschlüsselung von Handy-Kommunikation aufgeflogen. Stichwort Encrochat. Französische Ermittler haben 2020 ihren deutschen Kollegen unfassbare Datenmengen zur Verfügung gestellt, die sie zwischen April und Juni ausgespäht und entschlüsselt hatten. Mehr als 2.200 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet, Dutzende auch in Sachsen. Erst am Dienstag wurde am Landgericht Dresden ein Fitnesstrainer zu vier Jahren und acht Monaten Haft verurteilt – für rund zwei Kilo Crystal und 20 Gramm Kokain.

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Diese Mengen dürften "Peanuts" sein, vergleicht man sie mit den Vorwürfen gegen Sebastian T. Laut Anklage soll der Dresdner schon ab 2015 im illegalen Rauschgiftgeschäft tätig gewesen sein. Konkret vorgeworfen werden ihm Taten ab Januar 2019. So soll er bis März 2020 monatlich je drei Kilogramm Marihuana und 650 Gramm Kokain erworben haben. Einmal habe er neun statt drei Kilo Marihuana geordert.

Konkreter werden die Vorwürfe ab April 2020, was an den Encrochat-Daten liegen dürfte. So soll T. am 16. April drei Kilo Marihuana für 12.300 Euro, ein weiteres halbes Kilo für 2.550 Euro und 1,3 Kilo Haschisch für 6.600 Euro in Berlin übernommen und in sein Ladengeschäft gebracht haben.

Fast 100 Kilo Marihuana und Kokain

Mitte Mai habe T. dann zwölf Kilo Marihuana für 4.550 Euro pro Kilo geholt, zwei Kilo Haschisch für 4.800 Euro pro Kilo und drei Kilo Amphetamin/Speed für 3.500 Euro das Kilo. Und so trägt die Staatsanwältin Posten um Posten vor, nennt Kilo-Mengen und Kilo-Preise. Einmal sind wieder 500 Gramm Kokain darunter.

Von Juni bis Dezember gibt es keine Anklagepunkte. Doch im Januar, da wurde T. offenbar überwacht, soll er wieder vier Kilo Cannabis, ein Kilo Marihuana und ein Kilo eines Cannabis- oder Amphetamin-Produktes gekauft haben – insgesamt über 85 Kilo Marihuana und rund zehn Kilo Kokain. Bei den Durchsuchungen fand die Polizei am 27. Januar in mehreren Garagen, einer Wohnung in Pieschen und T.s Einfamilienhaus im Dresdner Norden allerhand Drogen. Im Keller seines Geschäfts lagerten eineinhalb Kilo Cannabis und andere Drogen, dazu griffbereit zwei Messer, weshalb T. in einem Fall "bewaffneter Handel" vorgeworfen wird, was die Mindeststrafe auf fünf Jahre erhöht.

T. hat auf Rat seines Verteidigers Ulf Weinhold zum Auftakt geschwiegen. Das könnte sich jedoch ändern. Gegenüber der Polizei habe T. Angaben gemacht, so der Verteidiger. Daher ginge es in diesem Prozess nicht darum, die Verwertbarkeit von Encrochat-Daten anzufechten. Das Gericht hat zunächst vier Sitzungstage geplant.

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