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Wie viel Alkohol ist zu viel?

2019 prügelte ein Döbelner einen Trinkkumpan ins Krankenhaus. Zwei Jahre später verhandelt das Gericht über die Frage: Hatte er zu viel getrunken?

Der Angeklagte behauptet, so viel getrunken zu haben, dass er nicht mehr wusste, was er tat.
Der Angeklagte behauptet, so viel getrunken zu haben, dass er nicht mehr wusste, was er tat. © Symbolbild: Sven Ellger

Döbeln. Der Vorfall ereignete sich am frühen Morgen des 22. September 2019. Nach einer durchzechten Nacht, in der mächtig Alkohol geflossen war, standen Martin W. (Name geändert) und zwei weitere Zeugen vor dem Haus ihres Kumpels Frank S. (Name geändert), um Nachschub zu holen, wie sich der Angeklagte vor Gericht erinnerte. S. soll kurz nochmal in seine Wohnung gegangen sein - weil er etwas vergessen hatte, angeblich. Martin W. vermutete jedoch einen anderen Grund für den Rückzieher.

"Pass auf, der macht sich jetzt an Larissa ran", warnte er seine Trinkkumpanen, während sie auf ihren vierten Mitstreiter warteten. Als dieser just in diesem Moment zurückkam, soll er plötzlich den heute 33-Jährigen angegriffen haben. "Offenbar hatte er mitbekommen, was mein Mandant gesagt hatte", gab Verteidigerin Peggy Wetzig die Schilderungen von Martin W. wieder. Was danach geschah, ließ sie allerdings offen.

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Immer wieder traf er seinen Kopf

Die Lücke füllte Amtsanwalt Schmidt: Über mehrere Minuten soll W. auf Frank S. eingeschlagen haben, traf dabei immer wieder dessen Kopf. Einer der Hiebe fiel so heftig aus, dass S. mit dem Kopf gegen eine Wand schlug und bewusstlos zu Boden ging.

Auch in diesem Moment ließ W. jedoch nicht von seinem Opfer ab, prügelte einfach weiter. Frank S. erlitt mehrere Platzwunden, ein Schädel-Hirn-Trauma, verlor zwei Zahnkronen und hat seitdem mit Sprachstörungen zu kämpfen.

Verteidigerin Wetzig erklärte, ihr Mandant könne sich an all dies nicht erinnern. Der 33-Jährige sei zum Zeitpunkt des Vorfalls aufgrund des hohen Alkoholkonsums nur eingeschränkt schuldfähig gewesen, so ihr Standpunkt.

Martin W. und Frank S. hatten sich am Abend vor der Schlägerei in der Bar "Black and White" getroffen. Bereits zuvor hatte er nach eigener Aussage "ein paar Bier" getrunken. In der Bar folgten Whisky - und mehr Bier.

Als die Party gegen 4 Uhr vorbei war, beschloss das Duo, zusammen mit den beiden späteren Zeugen in die Wohnung von Frank S. weiterzuziehen. Auch dort sei der Alkohol geflossen, darunter eine Flasche Jägermeister, die W. und S. zusammen leerten.

Kontrollfähigkeit nicht aufgehoben

Sachverständiger Dr. Martin Fuhrmann zufolge tritt ein Kontrollverlust bei einem Wert von 2,5 Promille ein. "Das trifft allerdings nur auf Leute zu, die ansonsten wenig getrunken haben."

Der Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie hatte bei seiner Untersuchung von Martin W. eine Alkoholsucht erkannt, die auch zum Zeitpunkt der Schlägerei bestanden haben soll. "Leute wie der Angeklagte können wahrscheinlich mehr trinken, bis ein Kontrollverlust einsetzt."

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Der Sachverständiger schloss eine eingeschränkte Schuldfähigkeit aus. "In einem solchen Fall muss man den Einzelfall betrachten." Die Schilderungen zum Verhalten von Marin W. hätten zudem gezeigt, dass seine Kontrollfähigkeit nicht vollständig aufgehoben war.

"Er hatte sicherlich viel getrunken, aber nicht so viel, dass sein Handeln alternativlos war." Ohnehin lasse sich derzeit nur spekulativ sagen, wie viel der 33-Jährige getrunken hatte.

Die Verhandlung wurde dennoch vertagt, um Angaben zum Blutalkoholwert einzuholen. Ein neuer Termin soll für Ende des Jahres gefunden werden.

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