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Zeuginnen berichten von obszönen Anrufen

Der Beschuldigte hat Frauen am Telefon seine gewalttätigen sexuellen Fantasien geschildert. Ein Urteil fällt aber auch am dritten Verhandlungstag nicht.

Von Frank Korn
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Ein RTL-Fernsehteam spricht mit einer Zeugin, die in einem Prozess gegen einen 40-jährigen Döbelner ausgesagt hat. Er soll sie mit obszönen Anrufen belästigt haben.
Ein RTL-Fernsehteam spricht mit einer Zeugin, die in einem Prozess gegen einen 40-jährigen Döbelner ausgesagt hat. Er soll sie mit obszönen Anrufen belästigt haben. © Frank Korn

Döbeln. Einem 40-jährigen Angeklagten aus Döbeln wird vorgeworfen, Frauen sexuell belästigt zu haben. Das Vorgehen war immer ähnlich. Der Mann rief von seinem Handy aus unbekannte Frauen an, schilderte ihnen seine sexuellen Fantasien, in die kleine Kinder einbezogen waren, und machte ihnen obszöne Angebote.

Der Prozess vor dem Amtsgericht Döbeln hat offenbar das Interesse eines Fernsehsenders geweckt. Ein Kameramann macht für RTL vor Beginn der Verhandlung Aufnahmen. Später führt das Team ein Interview mit einer der beiden Zeuginnen.

Diese Zeugin hat zum damaligen Zeitpunkt für einen Escortservice gearbeitet. Ihre Telefonnummer sei auf der Internetseite des Service einsehbar gewesen. Der Angeklagte habe sich mehrmals bei ihr gemeldet. Zunächst seien die Gespräche normal verlaufen.

Beim letzten Telefonat habe der Mann jedoch gesagt, dass er sich mit ihr treffen und ein Mädchen mitbringen wolle. "Er hat gefragt, ob ich Lust auf einen Dreier hätte. Dann hat er von einem neunjährigen Mädchen gesprochen, das er mitbringen könne, und an dem er schon sexuelle Handlungen vorgenommen habe", berichtet die Zeugin.

Nach Telefonat Anzeige erstattet

Erst habe sie gedacht, dass es sich bei dem Anrufer um einen Spinner handele. Doch dann habe sie gemerkt, dass es für ihn selbstverständlich sei, ein Kind mitzubringen. "Ich habe selbst eine Tochter. Es ist für mich eine kranke Vorstellung, so etwas mit einem Kind zu machen", sagt die Zeugin sichtlich aufgewühlt.

Sie habe direkt nach diesem Telefonat bei der Polizei angerufen. Anschließend sei sie auf die entsprechende Aufforderung zum nächsten Polizeirevier gefahren und habe dort Anzeige erstattet.

Die zweite Zeugin arbeitet in der Telefon-Hotline eines Shoppingsenders. Am 4. Oktober 2020 hatte sie Nachtdienst. Der Mann habe mehrmals angerufen, aber jeweils nachdem sie sich gemeldet hatte, wieder aufgelegt. Dann habe er ein weiteres Mal angerufen und gefordert, dass das Gespräch nicht aufgezeichnet wird. "Das macht der Sender zur Qualitätssicherung. Darauf weisen wir am Anfang der Gespräche immer hin", so die Zeugin.

Bewährungshelfer soll ebenfalls gehört werden

Bei dem fraglichen Gespräch, das nach Einschätzung der Zeugin etwa fünf bis acht Minuten gedauert hat, habe der Mann sie gefragt, ob sie Kinder oder Enkelkinder hätte. Er habe ihr dann seine Fantasien geschildert. Nach Aufforderung von Richterin Christa Weik berichtet sie, was der Angeklagte geäußert haben soll. "Ich habe am Redefluss gemerkt, dass er das nicht nur erfindet", sagt die Frau. Zudem habe sie eindeutige Geräusche gehört, die daraufhin deuteten, dass sich der Mann selbst befriedigte.

Sie habe sich die Telefonnummer aufgeschrieben. Zudem hatte sie die Stummtaste ihres Telefons gedrückt, in der Hoffnung, dass der Mann dann auflegen würde. Nachdem er dann doch aufgelegt hatte, habe sie mit ihren Chefs über den Vorfall gesprochen. "Es ist eine Grenze überschritten worden, deshalb habe ich Anzeige erstattet", so die Zeugin.

Auch nach der Anhörung der beiden Zeuginnen fällt noch kein Urteil. Zum einen soll der Bewährungshelfer des Angeklagten gehört werden, der an diesem Tag aber noch im Urlaub ist. Zudem fordert der Anwalt des Döbelners, dass zwei weitere Zeuginnen geladen werden. Diese sollten auch schon an diesem Tag aussagen, sind aber nicht erschienen. Die Verhandlung wird zu einem späteren Termin fortgesetzt.