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Kripo-Erfolg in West, Laubeneinbrüche in Ost

Manchmal dauert es etwas länger, bis der Einbrecher gefasst wird. Den Fachleuten der Polizei ist jetzt die Aufklärung eines kuriosen Falles gelungen.

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© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Radebeul. Es muss eine dieser dunklen und nasskalten Februarnächte im Jahr 2014 gewesen sein. Die Türen vom Aldi-Markt in Radebeul-West an der Weinböhlaer Straße waren längst sicher verschlossen. Die Alarmanlage war aufgeschaltet. Wer nicht gerade von einer Feier nach Hause kam, schlief längst fest in diesen Stunden zum Sonntag.

Hier fehlt die eingeschlagene Scheibe: Bei Gunter Kießling und anderen wurden in der Sparte „An der Eiche“ die Lauben aufgebrochen.
Hier fehlt die eingeschlagene Scheibe: Bei Gunter Kießling und anderen wurden in der Sparte „An der Eiche“ die Lauben aufgebrochen. © Arvid Müller

Einer jedoch war hellwach. Der Mann hatte sich offenbar mit einem großen Hammer und Brecheisen ausgerüstet. Sein Ziel: der Aldi-Markt – nur reichlich einen Kilometer von seiner Unterkunft an der Kötitzer Straße entfernt. Die Absicht des nächtlich Aktiven war klar – einsteigen in den Supermarkt. Und zwar mit viel Mühe.

An der ziemlich sicher auch nachts unbeobachteten Rückwand des Marktes hat der Mann schwer gearbeitet. Mit seinem Werkzeug versuchte er, Stück für Stück ein Loch in das stabil gemauerte Bauwerk zu hämmern und zu stemmen.

Als das Loch etwa 50 mal 50 Zentimeter groß war, machte sich der Einbrecher ganz dünn und zwängte sich durch die Öffnung ins Innere. Kaum drin in den Räumen des Aldis löste jedoch die Alarmanlage aus. Die Schaltung zum Sicherheitsdienst war aktiviert. Das passierte kurz nach drei Uhr am sehr frühen Morgen. Offensichtlich hektisch kletterte der Mann wieder zurück.

An der Einbruchstelle hinterließ er Fingerabdrücke und auch Reste von Blut. Jörg Kretzschmar, Leiter des Kriminaldienstes im Revier Meißen: „Unsere Kriminaltechniker haben sehr akribisch die Spuren gesichert. Einige Wochen später war ein DNA-Muster erstellt.“ Eine sogenannte offene Spur. Für einen Treffer, ein Zusammentreffen mit einer weiteren identischen Spur, so Kretzschmar, braucht es mitunter Zeit und Geduld.

Das führte jetzt zum Erfolg. Der Mann, der damals das Loch in den Aldi-Markt gehackt hatte, war wieder auf Diebestour unterwegs. Wegen weiterer Eigentumsdelikte sitzt er inzwischen in Haft. Seine Fingerabdrücke und die Blutprobe ergaben das gleiche DNA-Muster. Ein 37-jähriger Tunesier, der im Asylbewerberheim in Radebeul-Naundorf sein Quartier hatte.

Den Schaden ließ Aldi damals schnell reparieren. Heute ist an der Mauer nichts mehr zu sehen. Frank Schierle, Geschäftsführer von der Aldi GmbH & Co. Kommanditgesellschaft mit Sitz in Wilsdruff sagt, „dass der damals bezifferte Schaden überschaubar war und nichts aus der Verkaufsstelle gestohlen wurde, sodass sich weitere Schritte unsererseits damals erübrigten“.

Kripo-Chef Kretzschmar: „Der Fall zeigt, wir verlieren nichts aus dem Blick. Die Auswertung braucht mitunter ihre Zeit. Ich hoffe, dass wir dafür Verständnis bei den Bürgern bekommen.“

Ähnlich mühevoll ist offenbar die Arbeit der Kripo bei Laubeneinbrüchen ganz im Osten von Radebeul, an der Stadtgrenze zu Dresden. Gunter Kießling, Finanzvorstand in der Sparte „An der Eiche“ zwischen Rankestraße und An der Siedlung: „In den letzten Monaten wird bei uns vermehrt in die Häuschen eingestiegen.“ Im Frühjahr sei Feuer gelegt worden. Die erste Einbruchsserie war am 16./17. Juli. Kießling: „Auf dem nahen Bahndamm wurde anschließend eine Brieftasche mit zwei tschechischen Ausweisen gefunden.“ Wenig später sei der Skoda Oktavia eines Kleingärtners aus der Sparte verschwunden.

In den Nächten am 18./19. August und am 20./21. August habe es die nächsten Einstiege gegeben. Wiederholt wurden Fensterscheiben eingeschlagen und Rollläden zerstört. Vor allem auf Pfandflaschen und schnell Verkaufbares hätten es die Diebe abgesehen. Gunter Kießling wurde ein Luftgewehr gestohlen. Der Rentner hat eine Videokamera installiert. Darauf sind zwei Menschen mit Kapuzenshirts zu erkennen. Die Bilder hat die Polizei bekommen. Auch hier wurden Fingerabdrücke und Blutspuren gefunden. Kripo-Chef Kretzschmar: „Wer Verdächtiges sieht, bitte sofort die 110 anrufen.“